Mensch Mitarbeiter!

Jeder Mitarbeiter ist mit seinen Stärken und Schwächen einzigartig. Dennoch verhalten sich manche betriebsschädigend. Was macht man dann als Vorgesetzter?

Mitarbeiter, die nicht pflegeleicht sind, beeinflussen das Betriebsklima negativ. Sie treiben Vorgesetzte in den Wahnsinn und wiegeln Kollegen gegeneinander auf. Schwierige Mitarbeiter sind oft schlecht gelaunt oder gar aggressiv. Leidet dann noch die Arbeitsleistung oder sogar der Ruf des Unternehmens, müssen Vorgesetzte handeln. Viele Führungskräfte leiten dann arbeitsrechtliche Schritte ein oder kündigen dann die betreffenden Mitarbeiter. Doch meist gibt es bessere Mittel und Wege, solche Mitarbeiter in ihre Schranken zu verweisen. Denn: Oft enthüllt kritikwürdiges Verhalten ein Potential, das sich das Unternehmen zunutze machen könnte. Und dies ist eine besondere Herausforderung für den Vorgesetzten. Sein Ziel ist es, Querulanten und andere Sorgenkinder neu zu motivieren und auf den richtigen Weg zu führen und somit die Arbeitsleistung wieder zu steigern. 

Kündigung nicht immer optimal

Somit stellt eine Trennung nicht immer den besten Ausweg aus solchen Situationen dar. Ob und wann der freigewordene Arbeitsplatz mit einem motivierteren Bewerber besetzt werden kann, ist oft ungewiss. Dessen Integration in das Unternehmen kostet meistens viel Zeit und Mühe. Deshalb ist die Umwandlung eines schwierigen Mitarbeiters in einen wieder gezähmten Mitarbeiter oft der bessere Weg. Ein verantwortungsvoller Vorgesetzter wird eine Kündigung nur als letzte Option ziehen.

Ein Vorbild sein

Ein schwieriger Mitarbeiter muss nicht immer ein schwieriger Mitarbeiter bleiben! Dies kann gelingen, indem Sie dem Angestellten das vorleben, was Sie von ihm erwarten.  Denn mit guten Worten alleine kann man manchmal nichts mehr erreichen. Bereits Mark Twain wusste: „Wenige Dinge auf Erden sind lästiger als die stumme Ermahnung, die von einem guten Beispiel ausgeht.“

Typisieren und einordnen

Dabei ist es hilfreich, den betreffenden Mitarbeiter zu typisieren und einzuordnen: Ist er „innerlich gekündigt“ oder ein „chronischer Nörgler“? Ist er ein Workaholic und braucht Hilfe? Einen Angestellten, der innerlich gekündigt hat, erkennt man derart:

  • Dem Vorgesetzten wird kaum widersprochen, selbst wenn dies aus sachlichen Erwägungen erforderlich wäre. Man will nicht anecken, sondern seine Ruhe haben. Muss man aber Farbe bekennen, wird Widerspruch nur halbherzig angemeldet und schnell fallen gelassen, um der Auffassung des Vorgesetzten beizupflichten.
  • Die mit dem Arbeitsplatz verbundenen Kompetenzen werden nicht mehr ausgeschöpft.
  • Es ist kein Interesse an Auseinandersetzungen erkennbar, es herrscht Pseudoharmonie.
  • Arbeitsleistung, Arbeitsqualität und Arbeitsvolumen sowie Einfallsreichtum und Kreativität vermindern sich. Es wird eine Minimalleistung abgeliefert, die gerade noch eine Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses ohne Sanktionen ermöglicht.
  • Betriebliche Fehlentwicklungen und Problemfelder werden nicht konstruktiv aufgegriffen und gelöst. An die Stelle konstruktiver Auseinandersetzungen treten Waffenstillstand und Sendepause.
  • Über die normale Arbeitszeit hinaus opfert der Mitarbeiter für den Betrieb keine Minute seiner Freizeit. Die Bereitschaft sinkt, plötzlich erforderlich werdende Überstunden zu leisten.
  • Man fühlt sich gerade noch für den eigenen Arbeitsplatz verantwortlich und ist nicht zur Hilfeleistung beim Auftreten ungewöhnlicher Situationen bereit.
  • Gegenüber Kundenreklamationen herrscht Gleichgültigkeit.
  • In Besprechungsrunden exponiert man sich nicht, sondern schließt sich regelmäßig der Mehrheit an. Es werden keine Vorschläge eingebracht, denn diese könnten Mehrarbeit nach sich ziehen.
  • Mancher Mitarbeiter greift ohne Gewissensbisse jede günstige Gelegenheit zum Krankmelden auf.
  • Während der Arbeitszeit werden private Dinge erledigt. Darüber hinaus werden Arbeitspausen ganz allmählich ausgedehnt.
  • Das Interesse an Gemeinschaftsaktivitäten lässt spürbar nach.
  • Ein allgemeines Desinteresse nach der Devise „Jeder ist sich selbst der Nächste“ greift um sich.

Wie Sie schwierige Mitarbeiter einordnen und ihnen am besten begegnen können, erfahren Sie in „Mensch Mitarbeiter“ von Hans-Jürgen Kratz.