Wie gehe ich mit meiner Behinderung in der Bewerbung um?

Personen mit einer körperlichen oder geistigen Einschränkung fällt es häufig schwer zu entscheiden, wie sie mit ihrer Behinderung in einer Bewerbung umgehen sollen. Viele Betroffene befürchten, direkt aussortiert zu werden, wenn die Behinderung im Anschreiben oder im Lebenslauf auftaucht. Andere wissen, dass das Gesetz in bestimmten Situation eine Bevorzugung von behinderten Bewerbern vorschreibt. Sie neigen deshalb dazu, diese in den Vordergrund zu rücken. Empfehlenswerter ist ein zurückhaltender, aber transparenter Ansatz.

Die Gesetzeslage: Unternehmen müssen Stellen mit Schwerbehinderten besetzen

Das Gesetz schreibt vor, dass Privatunternehmen ab einer Mitarbeitergröße von 20 Personen wenigstens 5 Prozent der Stellen mit Schwerbehinderten besetzen müssen. Für staatliche Stellen liegt der Wert sogar bei sechs Prozent. Als „schwerbehindert“ gelten Personen, die einen Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 50 Prozent aufweisen.

Der Gesetzgeber schreibt zudem vor, dass schwerbehinderte Bewerber mit passender Qualifikation zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden müssen, wenn sie sich um eine entsprechende Position bewerben. Im Anschreiben oder im Lebenslauf sollte die Einschränkung deshalb in diesem Fall unbedingt Erwähnung finden. Personen ab einem GdB von 30 Prozent gelten als "leichtbehindert". Sie sollten eine Behinderung nur dann erwähnen, wenn diese einen direkten Einfluss auf den Job hat.

Nicht offensichtliche Behinderungen angeben: Es hängt vom konkreten Fall ab

Es gibt jedoch auch Behinderungen, welche nicht offensichtlich sind und häufig durch Unfälle oder bestimmte Krankheiten entstehen, wie ein versteifter Arm oder ein versteiftes Bein. Ob Sie diese in der Bewerbung angeben sollten, hängt davon ab, welchen Grad der Behinderung Sie haben und ob Ihre Behinderung direkten Einfluss auf die auszuübende Tätigkeit hat. Wenn die Behinderung keine Relevanz für die Stelle hat, sollten Sie diese im Vorstellungsgespräch aber doch ansprechen, um Ihrem potenziellen Arbeitgeber nichts zu verheimlichen.

Zu diesen nicht offensichtlichen Behinderungen zählen auch psychische Erkrankungen, wie Depressionen, Angst- oder Zwangserkrankungen. Ob Sie mit diesen Erkrankungen auch einen Grad der Behinderungen zugewiesen bekommen, ist von Fall zu Fall unterschiedlich und hängt von der Schwere der Erkrankung ab. Erwähnen Sie die Erkrankung in Ihrer Bewerbung, wenn Sie Einfluss auf Ihre Tätigkeit hat. Das gilt auch für Erkrankungen, die nicht als Behinderung eingestuft werden.

Nicht passiv-aggressiv werden

Grundsätzlich gilt: Kein Personaler sortiert eine Bewerbung aufgrund einer Behinderung des Kandidaten aus, wenn diese nicht offensichtlich verhindert, dass er die Stelle ausfüllen kann.

Sicher aussortiert werden aber solche Bewerbungen, die Personaler als "passiv-aggressiv" beschreiben. Wenn Sie immer wieder auf Ihre Behinderung hinweisen, ist der eindeutige Subtext: Sie fordern die Stelle wegen Ihres GdBs und nicht wegen Ihrer Qualifikationen ein. Damit fallen Sie bei den Personalern durch.

Beruflicher Wiedereinstieg nach Krankheit oder Unfall problemlos möglich

Wenn Sie durch einen Unfall oder eine Krankheit eine Behinderung erlitten haben, ist ein beruflicher Wiedereinstieg gesetzlich sogar festgeschrieben. Ihr Arbeitgeber muss Ihnen Ihre alte Position zurückgeben oder eine vergleichbare Stelle anbieten, wenn Sie aufgrund Ihrer Behinderung die alte Position nicht mehr ausfüllen können. Mit einer Sprachstörung können Sie zum Beispiel nicht mehr als Telefonist arbeiten. Ihr Wiedereinstieg im Unternehmen muss dann an anderer Stelle erfolgen.

Von Björn Thomsen