Vorstellungsgespräche in Zeiten von Corona

Wie Sie sich auf kontaktfreie Jobinterviews vorbereiten

Kann man Vorstellungsgespräche in Zeiten von Corona (COVID-19) führen? Diese Frage mag Bewerber erst einmal stutzig machen. Schließt die Coronakrise doch nahezu jeden Kontakt aus, um das Infektionsrisiko gering zu halten. Jetzt heißt es, von denen zu lernen, die schon lange auf Online-Assessments und Video-Interviews setzen.

Was in Asien und Amerika längst zum normalen Bewerbungsvorgang zählt, wird auch hierzulande eingeführt: Immer mehr Unternehmen stellen ihre Recruitingprozesse auf online-only um. Und so fällt auch das erste Kennenlernen – und sollte sich die Coronakrise sich weiter zuspitzen – auch das Zweitgespräch als Videostream aus. Wir erklären Ihnen, wie Sie sich vorbereiten.

Ändert sich der Bewerbungsvorgang?

Die Coronakrise zwingt nicht nur Sie in den Hausarrest; auch die Mitarbeiter von Personalabteilungen und Headhunter arbeiten von zuhause, um laufenden Betrieb sicherzustellen. Das sollten Sie im Hinterkopf behalten. Da Recruitern im Home-Office nicht immer dieselben Tools zu Verfügung stehen wie im Büro, sollte Ihre Bewerbung zweifelsfrei auch auf einem einfachen PDF-Reader einen guten Eindruck machen. Sicherlich haben Sie Ihre Unterlagen als PDF-Anhang per E-Mail oder als Bewerbung2Go versendet.

Erfolgreiches Telefon-/Videointerview

Im besten Fall werden Sie nun einen Anruf oder – bei schlechter Erreichbarkeit – eine E-Mail erhalten mit dem Angebot zu einem Vorstellungsgespräch. Soweit so gut. War Ihnen der bisherige Prozess noch vertraut, so müssen Sie sich nun mit einigen Neuerungen vertraut machen.

Möglicherweise wird Ihnen nun ein Telefoninterview angeboten werden. Mittels Voice-over-IP (VoIP) lassen sich auch per Computer und Headset Telefonkonferenzen führen. Im Regelfall wird man Sie anrufen. Manchmal erhalten Sie auch eine Einwahlnummer ergänzt um eine Geheimzahl.

Wie beim Vorstellungsgespräch gilt: Seien Sie pünktlich, also loggen Sie sich früh genug ein. Überdies fördert ein guter Empfang bzw. ein stabiler Internetanschluss, ggf. ein voller Akku und eine ruhige Umgebung einen reibungslosen Ablauf. Möchte man einen aussagekräftigeren Eindruck von Ihnen gewinnen, dann werden Sie direkt zu einer Videokonferenz gebeten. Dies ermöglicht der Personal- und Fachabteilung, Sie besser kennenzulernen.

Ebenso gewissenhaft, wie Sie vor der Coronakrise die Anreise zum Unternehmen geplant hätten, sollten Sie nun das Videointerview vorbereiten. Das fängt bei der Kamera und dem Mikrofon an: Reicht Ihr Notebook hierfür aus? In welcher Winkel muss eine Webcam platziert werden, damit Ihr Gesicht und Ihr Oberkörper gut sichtbar sind?

Sammelsurium: Konferenz-Software

Üblicherweise haben Sie keinen Einfluss darauf, welche Videosoftware die Personalabteilung einsetzen möchte. Eine gängiger Messenger ist Skype, das lokal installiert werden muss. Sie erhalten bei Anlage Ihres Accounts eine Nutzer-ID. Per Kontaktanfragen können sich zwei Nutzer verbinden.

BlueJeans wird gerne für kurze Bildschirmpräsentationen genutzt. Hier würden Sie initial eine Kontaktanfrage per E-Mail bekommen. Die Webkonferenz selbst erfolgt im Browser. Stellen Sie sicher, dass Sie frühzeitig das BlueJeans-Plugin installieren und der Browser richtig konfiguriert ist, um eine Videokonferenz zu ermöglichen.

GoToMeeting, was gerne mit Webinaren in Verbindung gebracht wird, kann ebenfalls über den Browser genutzt werden. Einen ähnlichen Funktionsumfang haben auch andere Tools und immer mehr Telefonanlagen. Um sich einzuwählen, benötigen Sie in der Regel einen personalisierten Link und manchmal auch ein Passwort.

Stellen Sie einige Werktage vor dem Interview sicher, dass Ihnen alle Informationen zur Einwahl vorliegen. Testen Sie – sofern möglich – die Videokonferenz im Vorfeld. Da die Coronakrise zu einer höheren Auslastung der Internetknoten und vor allem der Server der Video-Konferenz-Anbieter führt, lohnt sich ein Check im Vorfeld.

Kleine Video-Knigge

Natürlich muss nicht nur die technische Basis stimmen: Als Bewerber sollten Sie auch auf Distanz einen guten Eindruck machen. So entbindet Sie die Videokonferenz nicht von der gängigen Kleiderordnung. Mit Business Casual, zum Beispiel einer Bluse oder einem Hemd mit Sakko, machen Sie grundsätzlich nicht viel falsch. Auf eine Krawatte können Herren aber meist verzichten.

Nachdem Sie sich nur auf das Video-Interview vorbereitet haben, bleibt nur eine Frage: Was tun, wenn ein Vor-Ort-Termin gewünscht ist. Dies lässt sich nur schwerlich beantworten, da sich die Empfehlungen zur Eindämmung der Coronapandemie laufend ändern. Sollte ein Präsenztermin nicht aufzuschieben sein, empfiehlt es sich, den Händedruck mit Verweis auf die aktuelle Situation auszulassen. Äußern Sie Bedenken bezüglich der Krise offen und scheuen Sie sich nicht, selbst ein Videointerview zum Kennenlernen vorzuschlagen. Denn wichtiger als die Karriere ist immer noch die Gesundheit!