So begründen Sie überzeugend einen Jobwechsel

Spätestens im persönlichen Vorstellungsgespräch wird Ihnen die Frage gestellt: „Warum möchten Sie Ihren Job wechseln?“

Warum stellt nahezu jeder Arbeitgeber diese Frage?

Er möchte wissen, ob Sie sich aus eigenem Antrieb bewerben oder ob Ihnen Ihr aktueller Arbeitgeber nahegelegt hat, sich nach einem neuen Job umzuschauen. Vielleicht wurde Ihnen auch gekündigt.

Wenn Ihnen gekündigt wurde, wird man die Gründe sehr genau verstehen wollen. Wirtschaftliche Gründe wie z.B. die Auswirkungen von Corona können gut nachvollzogen werden und sind von Ihnen in keiner Weise zu vertreten. Kritisch wird es, wenn erkennbar persönliche Gründe ausschlaggebend sind.

Gewinnt der neue Arbeitgeber hingegen den Eindruck, dass Sie von Ihrem aktuellen Arbeitgeber geschätzt werden und es Ihnen sichtlich schwerfällt, sich neu zu orientieren, dann werden Sie richtig interessant! Dann müssen Sie einer der händeringend gesuchten loyalen Leistungsträgern sein.

Welche Gründe werden also gerne gehört?

Gerne gehört werden Gründe, die weder von Ihrem Arbeitgeber noch von Ihnen zu vertreten sind. Wenn Sie z.B. in die Nähe Ihrer Freunde / Familie ziehen möchten, schon immer mal in einer größeren Stadt wie Berlin, München, Köln leben wollten, mit Ihrem Mountain-Bike in der Nähe des Waldes wohnen wollen, dann wird das sofort verstanden. Gleiches gilt, wenn Sie heute einen langen Anfahrtsweg haben und diesen deutlich verkürzen möchten.

Ebenso gerne werden Gründe gehört, die konkret mit dem Unternehmen des neuen Arbeitgebers, seinen Produkten oder den gebotenen Herausforderungen verknüpft sind. Dies können sein:

  • Seit Ihrer Kindheit begeistern Sie die Produkte des Unternehmens. (Autos, Konsumartikel, Spielzeug)
  • In Ihrem Studium oder in Ihrem Beruf hatten Sie Berührung zu den Produkten des Unternehmens. (Tolle Dienstleistungen, Marktführerschaft)
  • Vielleicht hatten Sie in Ihrem Job schon persönliche Berührung mit Produkten des Unternehmens und finden diese besonders gut.
  • Der Job bietet Ihnen die Möglichkeit, international zu arbeiten und Ihre Sprachkenntnisse zum Einsatz zu bringen.
  • In der Position werden Kenntnisse verlangt, die Sie sehr gerne einsetzen oder die sie sehr gerne erwerben würden.
  • Sie möchten sich persönlich weiterentwickeln und finden die gebotenen Herausforderungen spannend.
  • Sie möchten eine neue Branche kennen lernen.
  • Falls Sie Mitarbeiter des Unternehmens kennen, können Sie von deren Begeisterung berichten, durch die Sie sich haben anstecken lassen.
  • Besonders gut nachvollziehbar ist der Wunsch nach mehr Verantwortung – sei es projekt-, budget- oder auch mitarbeiterbezogen.
  • Selten aber absolut nachvollziehbar sind ebenfalls medizinische Gründe, z.B. wenn Sie wegen Knieproblemen nicht weiter als Fliesenleger arbeiten können und in die Beratung oder den Verkauf wechseln wollen.

Welche Gründe sollten Sie besser nicht nennen?

Personaler suchen nach Hinweisen, die auf einen Zwist zwischen Ihnen und Ihrem alten Arbeitgeber schließen lassen. Alles, was darauf hindeutet, dass Sie sich nicht aus eigenem Antrieb beworben haben, wird negativ wahrgenommen.

Achten Sie auf folgendes:

  • Sprechen Sie nur positiv über Ihren aktuellen Arbeitgeber, Ihre Kollegen und Ihre Arbeit. Kein Arbeitgeber möchte hören, dass über seinesgleichen schlecht geredet wird. Er wird vielmehr fürchten, dass Sie später auch über lästern.
  • Machen Sie deutlich, dass Sie Ihren aktuellen Job gut machen.
  • Zeigen Sie, dass Sie ganz entspannt auf der Jobsuche sind. Das erhöht nicht nur Ihre Chance sondern auch Ihr zukünftiges Gehalt.
  • Führen Sie das Vorstellungsgespräch auf Augenhöhe. Stellen Sie Fragen, die zeigen, dass Sie sich Ihre Entscheidung schwer machen. Geeignet sind insbesondere Fragen, die auf die genaue Herausforderung zielen.
  • Kommen Sie nur auf medizinische Gründe zu sprechen, wenn diese die weitere Ausübung des aktuellen Berufs ausschließen. (z.B. Knieprobleme als Fliesenleger)
  • Adressieren Sie nicht ungefragt finanzielle Themen wie z.B. die Unzufriedenheit mit dem aktuellen Gehalt oder die Perspektive auf einen Firmenwagen.

Soll ich den Grund schon im Anschreiben nennen?

Ja – denn so erhöhen Sie die Chance, eingeladen zu werden. Machen Sie sich aber darauf gefasst, dass Ihnen die Frage im Vorstellungsgespräch dennoch nicht erspart bleiben wird. Schließlich möchte der Personaler ein Gefühl dafür gewinnen, ob er Ihnen gerade in diesem Punkt Glauben schenken kann. Und lesen Sie besser kurz vor dem Vorstellungsgespräch die Stellenanzeige, das Anschreiben und den Lebenslauf noch einmal durch. Differenzen zwischen diesen Dokumenten und Ihren Aussagen lassen hellhörig werden.