Mit Motivationsschreiben ins Praktikum

Hundertausende Praktika werden jedes Jahr in Deutschland absolviert. Etwa jedes vierte Praktikum führt nachgelagert zu einer Anstellung oder in eine Ausbildung. Doch nicht nur Schüler und Studenten, die unmittelbar auf Jobsuche sind, profitieren von Praktika. Wer bereits während der Schulzeit und dem Studium praktische Erfahrungen in einem Betrieb sammelt, der genießt auch Jahre danach die positiven Effekte. Mit einem Motivationsschreiben erkämpfen Sie sich Ihren Platz in der ersten Praktikums-Reihe.

Der Nachweis eines Praktikums im Lebenslauf und im besten Fall mit einem aussagekräftigen Arbeitszeugnis ist ein starkes Pro-Argument für Ihr Engagement und Ihre Tauglichkeit im praktischen Arbeitsalltag. Nicht selten werden Praktika als Arbeitserfahrung angerechnet.

Wirklich gute Praktika, die ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Lernen und Anwenden bieten, sind leider selten. Aus diesem Grund gilt es, sich von Mitbewerbern abzuheben, um sich den besten Praktikumsplatz zu sichern. Wenn Sie Ihren USP (unique selling point) ins rechte Licht rücken und eine Praktikumsbewerbung verfassen wollen, die wirklich Eindruck hinterlässt, dann ist es Zeit für ein Motivationsschreiben. Das Motivationsschreiben ist vergleichbar mit einer Initiativbewerbung – aber viel unkonventioneller :)

Das Motivationsschreiben ist Herzenssache

Beim Verfassen eines Motivationsschreibens für ein Praktikum kommt es darauf an, die persönliche Eignung und Motivation in einen logischen Bezug zum Unternehmen zu setzen.

Im ersten Schritt ist es sinnvoll, relevante Informationen über das Wunschpraktikum zusammenzutragen. Schließlich wollen Sie dem Personaler zeigen, dass Sie sich bewusst – aufgrund der ansprechenden Aufgabenbereiche – für dessen Unternehmen entschieden haben. Verbindet Sie etwas mit den Produkten? Wenn Sie sich bei einem Caravan-Hersteller bewerben, dann dürfen Sie ruhig einen Satz über Ihre Urlaube in der Kindheit schreiben. Oder verbindet Ihre Familie und das Unternehmen eine besondere Bande?

Versuchen Sie eine gemeinsame Schnittmenge mit dem Unternehmen oder der Abteilung auszuarbeiten und fragen Sie sich:

  • Was begeistert mich an diesem Praktikum?
  • Weshalb bin ich besser geeignet als andere Bewerber?
  • Welche persönlichen Stärken lasse ich einfließen?
  • Was möchte ich lernen?
  • Wo sehe ich meine berufliche Zukunft?

Ehrliche Antworten sind das Herzstück Ihres Motivationsschreibens auf ein Praktikum. Zu Beginn des Berufslebens lassen sich noch Weichen stellen: Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit erleichtern nicht nur dem Unternehmen die Entscheidung, sondern weisen Ihnen den Weg zum passenden Berufsbild.

Blick in die Glaskugel

Anschließend sollten Sie in Ihrem Motivationsschreiben eine Zukunftsprognose wagen. Obwohl es sich zunächst „nur“ um ein Praktikum handelt, agieren die meisten Firmen bei der Wahl ihrer Bewerber mit Weitsicht. Aus diesem Grund ist es wichtig, im Motivationsschreiben aufzuzeigen, dass Sie sich nach ihrer Tätigkeit als Praktikant durchaus für eine Beschäftigung im Unternehmen entschließen könnten (und dafür geeignet sind).

Nachdem Sie nun wissen, weshalb Sie das Praktikum ausüben wollen, müssen Sie Ihre Notizen ausformulieren – am besten mit einem Textverarbeitungsprogramm. Achten Sie bei Ihrer Bewerbung als Praktikant auf eine korrekte Grammatik und Rechtschreibung. Aus diesem Grund sollte unbedingt eine dritte Person Ihren Text gegenlesen.

Das Motivationsschreiben sollte sich an der Norm DIN 5008 orientieren und folgende Elemente umfassen:

  • Briefkopf (Empfänger, Absender, Datum)
  • Betreff
  • Einleitung mit kurzem Werdegang
  • Benennung der Motivation für das Praktikum 
  • Berufliche Ziele
  • Schlussteil
  • Unterschrift

Kleine Formulierungshilfe, großer Effekt

Füllworte und Partikel erschweren den Lesefluß, erzeugen ein Bild der Unsicherheit und schwächen Aussagen meist ab. Vermeiden Sie Intensionspartikel ("etwas", "fast" etc.), Fokuspartikel ("nur", "sogar" etc.), Negationspartikel ("nicht"), Modalpartikel ("schon", "freilich" etc.), Gesprächspartikel ("ja", "gern" etc.) und Interjektionen ("schade", "huch" etc.). Auch Unarten der wissenschaftlichen Schreibpraxis, wie gestelzte Nominalisierungen oder die Heraussnahme des eignen Subjekts, sind nicht zu empfehlen.

Ein aussagekräftiges Bewerbungsfoto kann Bestandteil des Motivationsschreibens sein. Noch besser eignet sich für die Platzierung des Bewerbungsfotos jedoch der Lebenslauf. Das Foto sollte in jedem Fall von einem Profi gemacht werden, der Sie berät und Ihnen das Motiv digital zur Verfügung stellt. Für Schüler und Studenten bewegen sich die Preise meist im Bereich zwischen 25 und 50 Euro – natürlich abhängig vom Leistungsumfang.

Das ästhetische Empfinden entscheidet mit: Absätze und eine gefällige Schriftart verpassen Ihrem Motivationsschreiben den letzten Schliff. Als PDF oder Ausdruck legen Sie es Ihrer Bewerbungsmappe bei. Ein gleichwertiger Ersatz für das Anschreiben oder den Lebenslauf ist es jedoch nicht. Dafür aber ein Alleinstellungsmerkmal der Extraklasse.

Von Björn Thomsen