Braucht es das Anschreiben?

Die Nachricht sorgte für gewisses Aufsehen: Die Deutsche Bahn will zukünftig bei Auszubildenden auf Anschreiben verzichten. Auch die Post verteilt mittlerweile kleine Fragebögen, die Bewerber nur noch ausgefüllt zurücksenden müssen. Vom Anschreiben keine Spur mehr.

Stirbt damit langsam ein Kernstück deutscher Bewerbungsmappen? Unzählige Ratgeber füllen die Regale der Bibliotheken, das Internet bietet Millionen Treffer auf die Frage, wie ich als Bewerber doch bitteschön ein gelungenes, smartes und informatives Anschreiben zusammenbekomme.

Alles Lüge?

Ist doch eh alles gelogen, raunt es  einem mittlerweile von überall her zu, vom Bewerbercoach bis zur Personalabteilung. Am Ende soll es doch darauf ankommen, welche Qualifikationen der Kandidat tatsächlich hat, und nicht, wie er sein Leben schön verpacken kann. Im Bewerbungsgespräch zeigt sich doch am klarsten, was eine Person wirklich kann.

Und nun kommt noch der Faktor Zeit hinzu. Da auch im Bewerbermanagement automatisierte Verfahren Einzug halten, setzen die Unternehmen auf Vergleichbarkeit. Dafür ist aber besonders der Lebenslauf wichtig. Ein Anschreiben ist dann schon zu individuell und sperrig.

Individualität zählt auch

Ob damit das Anschreiben wirklich vor dem Aus steht? Auch das Bewerbungsbild wurde, mit Blick auf die Situation jenseits des Atlantiks, bereits oft totgesagt und lebt bis heute. Ein gutes Anschreiben kann am Ende eben doch einen ersten Eindruck darüber geben, wie ein Mensch so tickt.

Am Ende liegt es an der Einstellung des Unternehmens selbst. Arbeitgeber, die sich in einem harten Wettbewerb um Arbeitnehmer befinden, sind eher geneigt, auf aufwendige Prozeduren zu verzichten um möglichst schnell Stellen zu besetzen. Großunternehmen haben außerdem eher das Bedürfnis und auch die Ressourcen, automatisierte Verfahren einzuführen, die ohne lange Anschreiben auskommen.

Der Großteil der deutschen Firmenwelt besteht aber aus klein- und mittelständischen Unternehmen. Und hier lebt das Anschreiben nach wie vor und findet große Akzeptanz. Es wird also noch eine Weile dauern, bis das Anschreiben stirbt.