Weltretter gesucht

Technische Entwicklungen dürfen nicht nur wenigen Privilegierten nutzen, die Technik von morgen muss Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit fördern. Experten hoffen dabei auf die Lebenswelten der jungen Generation – und setzen auf alternative Modelle wie technische Ethik.

Angenommen, ein Ingenieur arbeitet an einer Lösung des Mobilitätsproblems in den Städten: Es gibt einerseits zu viele Autos und Emissionen, zu wenig Parkplätze und Platz auf den Straßen. Andererseits spielt ihm die Digitalisierung in die Hände: Apps und vernetzte Fahrzeuge bieten schon bald die Chance einer neuen urbanen Mobilität, die den Nutzer mit Hilfe kombinierter Mobilitätskonzepte ans Ziel bringt – und von denen das eigene Auto nur eines ist. Die Folge: weniger Stau, weniger Emissionen, weniger Stress. Klingt nach Zukunft. Unabhängig von der Frage der Technik, die damals noch nicht so weit war: Hätte dieser Ansatz auch schon vor 20 oder 30 Jahren funktioniert?

Ziel: Die Natur stärker einbeziehen

In einer Zeit, als der Besitz des eigenen Autos noch ein Statussymbol war – und man sich als Besitzer kaum vorstellen konnte, das Fahrzeug vor den Toren stehen zu lassen und auf andere Art in die Stadt zu fahren? Wohl kaum. Die modulare Mobilität wird erst heute zu einem Markt, in einer Zeit, in der der mobile Mensch nicht mehr unbedingt mit seinem eigenen Gefährt von A nach B fahren muss, sondern deutlich mehr Wert darauf legt, bequem unterwegs zu sein. Und wenn möglich: umweltfreundlich. Dafür stehen auch die neuen Generationen Y und Z. Statt Besitztümer anzuhäufen, sind die jüngeren Generationen in virtuellen Räumen der sozialen Netzwerke unterwegs. Eingriffe in die Natur dagegen, etwa zum Ausbau industrieller Anlagen, stoßen zunehmend auf Unverständnis.

Die Arbeitswelt muss die  Ethik entdecken

Neue Konzepte, die eine stärkere Einbeziehung der Natur fordern, sind also gefragt. Damit erhält wieder einmal das Thema Ethik Einzug in die Arbeitswelt. Neu ist das nicht: Schon immer besaß die Entwicklung einer neuen Technik einen direkten Bezug zum Thema Verantwortung. Spätestens war das ab dem Zeitalter der Atomkraft der Fall. Weitere Beispiele sind Nano- und Gentechnologien, deren Auswirkungen bislang nur schwer abzuschätzen sind.

Verschärft wird die ethische Debatte durch Ansätze, die mit Hilfe neuer Techniken in das Weltklima eingreifen wollen. Das klingt attraktiv: Ingenieure und Forscher retten die Welt, indem es ihnen zum Beispiel gelingt, CO2 aus der Atmosphäre zu entziehen – oder ein ähnliches technisches Wunder zu vollbringen. Das Problem ist jedoch, dass man die Mechanismen vieler dieser Systeme bis heute noch nicht vollständig versteht. Daher kann auch die Wirkung von Eingriffen in diese Systeme bislang noch nicht abgeschätzt werden.

Junge Ingenieure sollten also, neben den üblichen Fähigkeiten, die man für eine gute Karriere benötigt, stets offen für Neues zu sein. Wichtig ist es darüber hinaus aber auch Auswirkungen auf die Gesellschaften mitzudenken. Vorsprung darf also nicht an anderer Stelle Nachteile erzeugen. Weder für Menschen noch für die Natur.