Vom Ärger mit den Überstunden

Überstunden gehören zum Arbeitsalltag dazu. Das Verhältnis zur Mehrarbeit ist aber sehr ambivalent. Angeordnete unbezahlte Überstunden lösen schnell Konflikte aus. Werden die Überstunden dagegen bezahlt, nehmen viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer das Angebot an. Dies gilt insbesondere für Führungskräfte.

Wie viele Überstunden machen Fach- und Führungskräfte überhaupt in Deutschland? Die Antwort darauf liefern Studien, wie der „Arbeitszeitmonitor 2018“ der Hamburger Vergütungsanalysten von Compensation Partner. Untersucht wurden insgesamt 226.452 Daten von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern.

Zusammenhang zwischen Gehaltshöhe und Überstunden

Das Ergebnis: Fachkräfte machen 6.562 Überstunden während ihrer gesamten Berufslaufbahn. Bei den Führungskräften ist es mit 15.430 Stunden mehr als das Doppelte. Daraus ergibt sich eine Korrelation zwischen der Gehaltshöhe und der Anzahl an Überstunden.

Wer ein Bruttojahreseinkommen von über 120.000 Euro bezieht, arbeitet durchschnittlich 9,5 Stunden länger pro Woche. Im Branchenvergleich liegen seit Jahren die Unternehmensberater vorne (durchschnittlich 5,11 Überstunden pro Woche). Dies hat sich auch laut der aktuellen Studie nicht geändert. Auf den weiteren Plätzen folgen die Branchen Konsum- und Gebrauchsgüter (4,33 Überstunden), Logistik und Transport (4,23 Überstunden) sowie Hotels und Gaststätten (4,07 Überstunden).

Und wie sieht es allgemein aus?

Zuletzt hatte die Bundesregierung (BT-Drucksache 19/5174) errechnet, dass die Deutschen 1,142 Milliarden Überstunden machen. Bei einer Gesamtarbeitsleistung von 58,3 Milliarden Arbeitsstunden macht dies einen Anteil von 2 Prozent aus. Von diesen 1,142 Milliarden Überstunden waren 615 Millionen unbezahlte und 520 Millionen bezahlte Überstunden. Damit hängt ein nicht unwesentlicher Teil der deutschen Wirtschaftsleistung von der freiwilligen Bereitschaft der Belegschaft ab, mehr zu leisten, als sie vertraglich müsste.

Trend zu mehr Überstunden

Und damit nicht genug. Aus den aktuellen Zahlen lässt sich ebenfalls ableiten, dass sowohl die Arbeitsleistung als auch die Zahl der Überstunden in Deutschland ständig steigt, unabhängig ob Führungskraft oder nicht. Und dies in Zeiten, in denen die Arbeitslosigkeit allgemeinhin nicht mehr als großes Problem betrachtet wird und in einigen Branchen Vollbeschäftigung herrscht. Eine mögliche Erklärung: Gerade wegen des Personalmangels und der vollen Auftragsbücher müssen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer individuell mehr leisten, um alle Aufträge abzuarbeiten.