Mobilität mitgestalten

Fragt man Ingenieure nach den großen Pionieren ihres Fachs, fällt ein Name besonders häufig: Charles Lindbergh. Im Mai 1927 überflog der Berufspilot den Atlantik. Nicht als Erster – schon acht Jahre zuvor waren zwei Briten von Neufundland nach Irland geflogen, die kürzestmögliche Route über den großen Teich. Doch Lindbergh bot die bessere Story: Sein Flug ging von New York nach Paris, von Metropole zu Metropole. Und er flog ganz allein – was sein Image als Abenteurer förderte. 90 Jahre später sind Atlantikflüge keinen Kommentar mehr Wert. Aber die Chancen stehen gut, dass die Luftfahrt einen weiteren Quantensprung macht: nämlich, dass die fliegenden Autos keine Science Fiction mehr sind, sondern tatsächlich den Luftraum besiedeln.

Vision und Realität

Dass fliegende Autos technisch möglich sind, bezweifeln auch die großen Autobauer nicht. Doch trifft in Deutschland die Vision auf die Realität: Der Luftraum über den Ballungsräumen ist schon jetzt voll, vor allem in Deutschland gibt es strenge Regulierungen. Einfach einsteigen und losfliegen – so einfach wird es also nicht gehen. Zuvor müssen noch viele rechtliche Fragen geklärt werden. Die Technik aber für die große Vision, sie steht bereit.

Bestandteil des Internets der Dinge

Selbst dann wenn es mit dem Fliegen noch nichts wird. Wenn Ingenieure an den Verkehr von morgen denken, spielen herkömmliche Autos kaum noch eine Rolle. Erstens, weil sich vor allem die Megacitys die CO2- und Feinstaub-Ausstöße der Verbrennungsmotoren nicht mehr leisten dürfen. Zweitens, weil das elektro-digitale Auto von morgen eine zusätzliche Aufgabe erfüllt: Es bringt nicht nur Passagiere von A nach B, sondern ist darüber hinaus ein Bestandteil des Internets der Dinge. Seine Sensoren sammeln Daten, es kommuniziert mit anderen Autos und mit der Infrastruktur.

Autokonzerne bieten Innovationsräume

Dass auch die großen Autokonzerne auf Know-how in diesem Bereich setzen, zeigen innovative und zwanglose Formate wie die „Open Spaces“, die Daimler seit einigen Jahren durchführt. Die Stärken eines Weltkonzerns sollen mit der Innovationskraft von Start-ups verknüpft werden, heißt es bei Daimler. Zielgruppe dieser Formate sind kommende Absolventen der Elektrotechnik, IT und verwandten Bereichen. Auf der Agenda steht die Suche nach kreativen Lösungsansätzen und Prototypen rund um die Themen Künstliche Intelligenz und „Car-2-X-Technology“, also der Frage, wie smarte Autos untereinander und mit dem System kommunizieren.

Auch andere Autobauer wie zum Beispiel BMW, Volvo oder Toyota investieren in Einheiten, in denen klassisches Ingenieurwissen mit Know-how in künstlicher Intelligenz gekoppelt wird. Gefragt ist ein Pionier- und Abenteuergeist – also genau die Qualitäten, die vor 90 Jahren Charles Lindbergh auf die Idee brachten, auf eigene Faust von New York nach Paris zu fliegen.