Einstieg in den Ausstieg

Immer höher, schneller, weiter. Wer in das Berufsleben einsteigt, kennt nur den Weg nach oben. Und an der Spitze ist es einsam. Wohlbekannte Plattitüden aus dem Berufsleben. Doch Corona zeigt sehr deutlich: Der Berufsweg muss nicht immer linear verlaufen. Manch einer nutzt sogar die Chance, seine Prioritäten neu zu ordnen. Das Weniger wird zum Mehr.

Noch vor Corona galt, dass sich topqualifizierte Fachkräfte ihre Stelle regelrecht aussuchen konnten, großzügige Karrierechancen inklusive. Doch schon damals zeigte sich die Unzufriedenheit vieler mit den einhergehenden Anforderungen. Und auch die Zahl der Krankmeldungen, etwa bei Burn-Out und Depression, bestärkten den Eindruck, dass viele gar nicht glücklich mit ihrer Lage sind.

Während sich nun eine wirtschaftliche Erholung andeutet, ist die Lage natürlich eine andere. In den Monaten des Lockdowns haben sich bereits bekannte Arbeitsmodelle noch mehr ausgebreitet. Unternehmen wie Mitarbeiter verständigten sich stillschweigend auf verkürzte Arbeitszeiten sowie Homeoffice-Lösungen. Und dies funktionierte vielerorts ausgezeichnet. Die Prognose ist also erlaubt, dass daraus neue Trends entstehen.

Verzicht auf Karriere?

Ein Trend, der immer mehr begeistert ist der bewusste Verzicht auf den Aufstieg im Unternehmen. Trotz hervorragender Qualifikationen entscheiden sich viele für ein Verbleiben in der aktuellen Position oder die Reduzierung von Stunden, um sich anderen Themen bewusster widmen zu können.

Nur noch einmal die Woche arbeiten und dafür mit dem Wohnmobil um die Erde fahren. Das verdiente Geld dient nicht mehr dem Status, sondern rein der Erfüllung eines alternativen Lebensmodells.  

Verlagerte Schwerpunkte

Doch auch fernab von Teilzeitmodellen verlaufen viele beruflichen Investitionen nicht mehr horizontal in den Aufstieg, sondern eher vertikal. Lieber auf dem bekannten Terrain seine Expertise vertiefen, den Austausch mit den Kollegen pflegen, als beim Aufstieg eine ungewisse Zukunft zu erwarten.

Vorteile für alle Seiten

Arbeitgeber beginnen, sich auf diese Wünsche ihrer Mitarbeiter einzustellen. Sie bieten einen Freiraum um im Gegenzug eine hohe Verbundenheit mit dem Unternehmen einfordern zu können. Am Ende profitieren beide Seiten von einer langfristig stabilen Beziehung.