Besser so! Weiter so!

Die Frauen steigen auf – und zwar manchmal anders als gedacht. Als Aktivistinnen starten sie Bewegungen, im Management machen sie Unternehmen kreativer, attraktiver, innovativer. Wer sich der Gender-Vielfalt heute noch entgegenstellt, verhindert eine positive Entwicklung – und wird schon bald vom Markt und vom Kunden dafür abgestraft.

Nun ja, die Kanzlerin ist noch immer Kanzlerin. Und auch weiterhin dürfen Frauen in der katholischen Kirche keine Priesterweihe empfangen. Aber das war es dann auch schon mit den Dingen, die sich nicht gewandelt haben. An vielen anderen Stellen hingegen gab es in der vergangenen Dekade eine Menge Veränderungen.

Pionierinnen durchbrechen Mauern

Manchmal reden wir dabei von einzelnen Frauen, die eine sehr dicke Mauer durchbrochen haben. Fangen wir beim Fußball an: Die Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus leitet seit September 2017 als erste Frau und absolut tadellos Bundesligaspiele, Imke Wübbenhorst stieg Anfang 2019 als Trainerin bei einer höherklassigen Männermannschaft ein, Dagmar Baumgärtner ist seit 2015 Präsidentin des fünftklassigen Fußballklubs VFC Plauen. Diese Frauen sind drei Pionierinnen unter vielen – und weitere werden folgen. 

Frau verdient mehr als Mann? Geht auch!

Und noch eine Premiere: Jennifer Morgan ist seit 2019 Co-CEO von SAP und damit die erste Frau, die ein DAX-Unternehmen leitet. Morgan übernimmt die Position als Teil einer Doppelspitze zusammen mit Christian Klein, interessant hierbei: Jennifer Morgan verdient etwas mehr als ihr männlicher Vorstandskollege. Das hat zwar nichts mit einem umgedrehten Gender-Gap zu tun, sondern mit anderen Versorgungszahlungen, dennoch: Die Nachricht, dass eine Co-Chefin mehr verdient als der Co-Chef, ist in der Welt und zeigt: So geht es auch.

Bemerkenswert ist auch, wie selbstverständlich bei der letztjährigen strategischen Personalverschiebung auf den mächtigsten politischen Posten in Europa die Frauen auf besondere Positionen gekommen sind. Ursula von der Leyen leitet die EU-Kommission, Christine Lagarde die Europäische Zentralbank (EZB), Teil des neuen Direktoriums der EZB ist seit Anfang 2020 Isabel Schnabel, das zentrale Ressort „Marktoperationen“ hat sie von ihrer Vorgängerin Sabine Lautenschläger übernommen: Das zeigt, dass es Kernbereiche in ehemaligen Männerdomänen (und das Zentralbankgeschäft war eine solche) gibt, die heute fortlaufend von weiblichen Verantwortlichen besetzt werden.

Aktivistinnen bewegen die Welt

Grundlegend ist darüber hinaus ein Phänomen, das derzeit abseits der Chefsessel und Machtpositionen zu beobachten ist: Die junge Generation stellt die Art, wie gesellschaftliche, ökonomische und politische Debatten geführt werden, auf den Kopf. 

Frauen fördern? Befördern wäre besser!

Denn dass die Frauen es können und wollen – das stehe außer Frage. Im Fokus stehen daher vielmehr erstens die Unternehmen, die Frauen in der Führung weniger als Problem, mehr als Chance und ungenutztes Potential betrachten sollten. Der Appell: „Aufhören, Frauen immer nur zu fördern, um sie stattdessen einfach zu befördern.“

Alle, wirklich alle Parameter sprechen also dafür, dass dieser Weg weder zu Ende ist, noch dass er gestoppt werden kann. Mögen die Männer ihre vermeintlichen Domänen schützen, wie sie wollen: Vor zehn Jahren hieß es „Frauen, steigt auf!“. Heute sagen wir „Frauen, macht weiter so!“ In wiederum zehn Jahren werden wir eine noch viel diversere Welt haben – und uns verwundert fragen, wieso es nicht schon viel früher so gendergerecht zugegangen ist.