Berufe der Zukunft

Lange war die künstliche Intelligenz (KI) eine theoretische Möglichkeit – jetzt kommt sie in der Praxis an. Unternehmen nutzen sie, um zu optimieren, Risiken besser einzuschätzen und Fehler zu reduzieren. Dabei verändern die KI-Methoden im großen Stil die Arbeit. Ein Blick auf neue Job-Profile, innovative Anwendungen und auf das, was als nächstes kommt.

 

Wer weiß noch was ein Böttcher macht?

Menschen mit Hang zur Nostalgie erinnern sich gerne an Berufe zurück, die es heute nicht mehr gibt. An den Wagner zum Beispiel, der im 18. und 19. Jahrhundert Räder oder ganze Wagons aus Holz herstellte. Den Köhler, der in einem aufwendigen Verfahren aus Holz Kohle generierte. Oder den Böttcher, der in den Dörfern die Aufgabe hatte, Fässer, Bottiche oder andere Gefäße herzustellen.

Wagner, Köhler, Böttcher – man kennt diese früheren Berufe heute noch als deutsche Nachnamen. Wäre es weiterhin so, dass sich deutsche Familien nach den Berufen der Eltern benennen, dann würde es in zehn Jahren allerhand neue Namen geben. Dann würde in einer Straße die Familie Data Detective neben der Familie Man Machine Teaming Manager wohnen. Und gegenüber wären die Highway Controllers Nachbarn der Familie Quantum Machine Learning Analyst.

Raum für neue Berufsprofile

Es gehört zu den größten Mythen rund um die künstliche Intelligenz, anzunehmen, sie nehme uns Menschen die Arbeit weg. Die Wahrheit ist wohl: Manche Jobs fallen weg, das stimmt. Aber erstens nicht alle. Und zweitens werden neue entstehen. Das global tätige IT-Dienstleistungsunternehmen Cognizant hat in seinem Report „21 Jobs Of The Future“ allerhand neue Berufsprofile definiert, die in den kommenden zehn Jahren entstehen werden. Zum Beispiel die Data Detectives, die wie eine Art „Sherlock 4.0“ riesige Big Data-Landschaften von Unternehmen durchfahnden, um nach Ideen für Innovationen und Lösungen für Probleme zu suchen.

Als Man Machine Teaming Manager wiederum stehe man vor der Aufgabe, ein Interaktionssystem zwischen Menschen und Maschinen aufzubauen. Denn wenn Mensch und Maschine im Unternehmen zu Kollegen werden, dann muss zwischen beiden eine Kommunikation etabliert werden. Von der Fabrik der Zukunft auf die Straßen einer Stadt.

In naher Zukunft werden Autos autonom fahren, der Luftraum wird von Drohnen und fliegenden Taxis befahren werden, kurz: Es wird voll! Damit das Versprechen eines urbanen Lebens ohne viele Staus und Unfälle auch tatsächlich eingehalten werden kann, wird man weiterhin Menschen benötigen, die der KI dabei helfen, die Lage im Griff zu behalten. Die Highway Controller von morgen werden – so das von Cognizant entwickelte Job-Profil – also nicht mehr am Straßenrand stehen, sie sitzen in bestens ausgestatteten Kontrolleinheiten, von wo aus sie Zugriff auf das gesamte KI-gesteuerte Verkehrssystem besitzen.

Auch alte Berufszweige profitieren

Industrie, Mobilität, Medizin, Services – das sind die bekannten Zukunftsbereiche. Was aber passiert in den Feldern, die man in Sachen Fortschritt nicht unbedingt vorne erwartet? Auch dort tut sich etwas. Viele Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaften haben erkannt, dass die KI auch ihre Branche verändern wird. Die Steuer- und Rechtsberatungsgesellschaft WTS hat zusammen mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) eine Innovationsstudie durchgeführt, um KI-Potenziale zu analysieren und herauszufinden, wie sich dadurch die Arbeit in der Steuerberatung ändert.

Das Ergebnis: Ob bei zolltariflichen Warenanmeldungen, Rechnungsprüfungen bei der Umsatzsteuer oder im Bereich des Risikomanagements: KITechnologien helfen, Informationen zu verarbeiten, Fehler zu reduzieren, Zeit zu sparen, relevante Kennzahlen zu überwachen. Kurz: Risiken lassen sich erheblich reduzieren.  Dieses Ergebnis gibt Anlass zur Hoffnung. Der Wandel wird auch weiterhin neue Arbeit für den Menschen schaffen.