Wie künstliche Intelligenz die Anforderungen an Mitarbeiter verändert

Die Maschinen werden immer klüger, die Fortschritte im Bereich der künstlichen Intelligenz sind rasant. Ist das nun eine gute Gelegenheit für den Menschen, sich zurückzulehnen und künstliche Intelligenz mal machen zu lassen, wenn sie doch sowieso scheinbar alles besser kann? Schließlich ist sie um ein Vielfaches schneller, weniger anfällig für Fehler, ja beinahe: perfekt.

Aber eben nur beinahe. Denn so smart eine Technologie auch immer sein mag, sie ist und bleibt nur eine Maschine – und damit von sich aus dumm. Sie braucht schon den Menschen. Sonst entsteht entweder nichts. Oder totales Chaos.

Büroklammer-Apokalypse

Es gibt unter den IT-Spezialisten im Silicon Valley eine Anekdote, die immer wieder erzählt wird. Der schwedische Philosoph und digitale Denker Nick Bostrom hat folgendes Szenario entworfen: Angenommen, man gibt einer künstlichen Intelligenz den Auftrag, die perfekte Büroklammer zu produzieren, so wird sie sich „brav“ an die Arbeit machen und immer bessere Büroklammern herstellen. Und sie wird nicht damit aufhören, weil sie ja nicht weiß, wann eine Büroklammer perfekt ist. Also nutzt sie jede Ressource der Erde für die Herstellung von immer perfekteren Büroklammern. Und wehe, jemand kommt auf die Idee, die Maschine abzustellen – dieser Mensch handelt dann entgegen des Auftrags. Und das wird der Maschine nicht gefallen. Am Ende des Szenarios gibt es dann auf der Erde keine Menschen mehr, sondern nur noch Büroklammern.

Ein guter Gag. Aber in der Story liegt eine tiefe Wahrheit: Eine künstliche Intelligenz benötigt den Menschen, damit dieser ihr sagt, was zu tun ist. Und der Mensch wiederum darf nicht den Fehler machen, falsche Aufträge zu erteilen, denn eine Maschine weiß nun einmal von sich aus nicht, was eine perfekte Büroklammer ist. Und damit weiß sie eben auch nicht, wann die Büroklammer, die sie herstellt, perfekt genug ist.

Neue Rolle des Menschen

Folgt man diesem Gedanken, wird schnell klar, welche Rolle der Mensch in einer digitalen und von künstlichen Intelligenzen bestimmten Welt spielen wird. Er ist immer weniger Arbeiter im klassischen Sinn, denn in dieser Arbeit ist die Maschine einfach besser. Die neue Rolle des Menschen ist die des Konfigurators: Es geht darum, der künstlichen Intelligenz eine Basis ihrer Arbeit zu geben, damit sie versteht, worauf wir Menschen hinauswollen.

Emotionale Intelligenz ist gefragt

Im Alltag und im Beruf haben wir Menschen gelernt, unsere eigene Denkleistung immer wieder mit einer digitalen Hilfe zu koppeln. Der nächste Schritt wäre nun, dies nicht nur mehr als User zu tun, sondern – im Austausch mit einer künstlichen Intelligenz – als Mensch, der einer Maschine sagt, wofür sie ihre Superintelligenz einsetzen soll und welche Zielvorgaben sie dabei nicht außer Acht lassen darf. Diese Ziele zu formulieren und sie der künstlichen Intelligenz so zu vermitteln, dass sie weder Unmengen an Büroklammern produziert noch wohlschmeckende aber giftige Pilze serviert, zählt zu den Kernaufgaben der digitalen Arbeitswelt. Sie hat sehr viel mit emotionaler Intelligenz und auch mit dem gesunden Menschenverstand zu tun – und zeigt, dass die Entwicklung der künstlichen Intelligenz den Menschen zu neuen Höchstleistungen antreiben wird.