Noch immer ein Problem: Vom Umgang mit Fehlern in deutschen Unternehmen

Fehler passieren zwar jedem, doch im Beruf steht der Mensch unter besonderer Beobachtung. Da kommt es auf einen guten Umgang mit Fehlern an, damit das gemeinsame Ziel nicht leidet

Thomas J. Watson, langjähriger Chef von IBM, soll einmal gesagt haben: „Wenn du Erfolg haben willst, dann verdoppele deine Fehlerrate.“ Das ist die Einstellung, die man typischerweise aus den USA kennt, wo Scheitern nicht als Manko gesehen wird, sondern als Mut, es zumindest versucht zu haben. Wer dort Fehler macht, bekommt eine zweite Chance und meist auch eine dritte.

In Deutschland wirkt das Scheitern dagegen länger nach: Setzt hier zum Beispiel ein Unternehmer seine Firma in den Sand, gilt er als Versager. Egal, ob es um falsche Rechtschreibung oder ein kapitales Missgeschick geht: Wem bei uns Fehler passieren, der wird von seinem Umfeld dafür gerügt. Vor allem in der Unternehmenswelt ist eine positive Fehlerkultur immer noch ein Tabuthema: Mitarbeiter, die etwas falsch machen, gelten in den Augen ihrer Vorgesetzten als inkompetent – im schlimmsten Fall, wenn Fehler wiederholt auftreten, droht ihnen gar die Kündigung.

Positive Fehlerkultur

Erst langsam erkennen die ersten Unternehmen in Deutschland, dass eine positive Fehlerkultur auch zu Innovationen führen kann, und erlauben ihren Mitarbeitern, Dinge auszuprobieren, ohne dass dabei direkt ein Erfolg erwartet wird. Nicht selten entstanden schließlich bahnbrechende Erfindungen erst dadurch, dass etwas schiefgelaufen ist.

 Ein Beispiel ist die Entdeckung des Penicillins in den 1930er-Jahren: Der Arzt Alexander Fleming ließ einen gefährlichen Keim unbeaufsichtigt. Bis zu seiner Rückkehr hatte sich ein Pilz mit dem Namen Penicillium notatum entwickelt, der den Keim zerstörte. Ein paar Jahrzehnte später ließ ein Canon-Ingenieur einen heißen Lötkolben zu nahe an seinem Füller liegen. Durch die Erhitzung spritzte die Tinte aus dem Stift heraus – und der Ingenieur entwickelte aus dieser Beobachtung das Prinzip des Tintenstrahldruckers.

Hinfallen, entschuldigen, weitermachen!

Der berühmten Vorbilder zum Trotz:  Das eigene Ego zweifelt nach Fehlern trotzdem an sich, sie sind nun mal unangenehm. Man will sie ja eigentlich gar nicht machen. Was also tun, wenn doch einmal etwas falsch gelaufen und man mit sich selbst unzufrieden ist? „Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weitergehen“, ist in dieser Situation das richtige Motto. Statt mit sich selbst zu hadern, was man hätte anders machen können, hilft es, nach vorne zu schauen und es noch einmal zu versuchen – und die Chance, dass es besser laufen wird, ist groß, weil wir ja schon wissen, wie es nicht geht.

Nicht vergessen sollte man auch eine angemessene Entschuldigung, wenn etwas schiefgegangen ist. Mit der Bereitschaft, für einen Fehler geradezustehen, zeigen vor allem Einsteiger Charakterstärke. Und auch wenn es uns in unserer leistungsorientierten Gesellschaft schwerfällt, Fehler einzugestehen und zu akzeptieren: Es ist besser, sich auf das zu konzentrieren, was gut gelungen ist, als ständig mit der Angst zu leben, einen Fehler zu machen.