Verlorener Glanz? Gehälter im Staatsdienst können Talente nicht mehr locken

Der Richterberuf galt als das Traumziel für angehende Juristinnen und Juristen – und nur die Besten hatten eine Chance auf das Amt. Doch seitdem Unternehmen und Großkanzleien viel Geld in die Hand nehmen, geht dem öffentlichen Berufszweig der Nachwuchs aus.

Noch immer besitzt der Staatsdienst bei Juristen großes Renommee, Richter und Staatsanwälte genießen einen allseits einen ausgezeichneten Ruf. Im Idealfall lösen sie Konflikte und verschaffen dem Recht Geltung. Als Autoren treten prominente Juristen in vielen Büchern und Zeitschriften in Erscheinung und prägen die öffentliche Meinung mit. Doch bei den Gehältern ist es für den öffentlichen Dienst naturgemäß schwer, den Entwicklungen der Wirtschaft zu folgen. Kommt dazu noch ein recht beschwerlicher Berufseinstieg, kann dies so manchen angehenden Prädikatsjuristen zum Umdenken bewegen.

Pensionswelle rollt an

Auf der anderen Seite stehen gerade in den nächsten Jahren viele Pensionierungen an. Der öffentliche Dienst steht vor der großen Herausforderung, die sich anbahnenden Lücken zu füllen. Das heißt: Der Bedarf nach top ausgebildeten Juristen wächst rasant. Gute Gelegenheiten also für Absolventen. Doch die zieren sich mehr und mehr.

Schere geht auseinander

Mittlerweile klafft eine veritable Lücke bei den Einstiegsgehältern. Bis zu 30.000 Euro Unterschied bei den Jahresgehältern, im Extremfall liegt die Differenz bei 100.000 Euro. Gerade auch bei Berufseinsteigern machen sich die Unterschiede bemerkbar.

Und der öffentliche Dienst hat ein weiteres Problem: Die regionalen Unterschiede. Nicht jeder Richter oder Staatsanwalt verdient gleich viel. In jedem Bundesland gibt es eigene Besoldungsordnungen. Dies sorgt für zusätzlichen Frust. Dass Frauen und Männer dabei gleich viel verdienen, kommt herbei wenig zum Tragen.

Was bleiben für Benefits?

Der öffentliche Dienst punktet gerne mit stabilen Arbeitszeiten und Verlässlichkeit. Doch kommen gerade diese Pluspunkte in der Öffentlichkeit kaum zum Tragen. Die Gerichte stöhnen über Überlastungen, viele Verfahren ziehen sich endlos. Vor diesem Hintergrund fühlt sich so mancher abgeschreckt und wählt dann lieber den zumindest finanziell attraktiveren Weg in die freie Wirtschaft, auch wenn dort der Stress meist ebenso groß ist. 

Der Gesetzgeber muss also nachsteuern, um sich gegen ein mögliches personelles ausbluten zu schützen. Es bedarf wohl einer einheitlichen Besoldungsordnung im Bund, um zumindest die regionalen Unterschiede auszugleichen. Zudem könnten mehr Stellen im Staatsdienst dafür sorgen, dass die Gerichte entlastet und der Beruf allgemein wieder attraktiver wird.