Warum Stress am Arbeitsplatz zunimmt und wie gute Führung helfen kann

Die Deutschen arbeiten immer mehr. Darüber kann sich die Wirtschaft freuen. Gleichzeitig nehmen psychische Krankheiten und Stresssymptome zu, wie nun zwei Dokumente belegen. Droht der Kollaps am Arbeitsplatz?

Fast zeitgleich kamen die Bundesregierung und eine Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zu dem Fazit, dass der Stress in Deutschland zunimmt. Ein Blick in die Zahlen verrät: Die Zustände sind alarmierend. So führt die Bundesregierung in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage im Bundestag auf, dass sich die Zahl der Krankentage aufgrund von psychischen Störungen im Zeitraum von 2007 bis 2017 von 48 Millionen auf 107 Millionen mehr als verdoppelt hat. Die Studie des DGB verrät, dass mehr als ein Drittel der Befragten über mehr Arbeitsbelastung als vor einem Jahr klagt und sich mehr als die Hälfte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zunehmend gehetzt fühlt.

Unterschiede nach Branchen

Hierbei gibt es natürlich auch unterschiede nach Branchen. So ist der IT-Sektor naturgemäß besonders vom Wandel betroffen. Aber auch Beschäftigte im öffentlichen Dienst tun sich mit der neuen Arbeitsbelastung schwer.

Komplexität nimmt zu

Als Gründe werden die zunehmende Komplexität in Verbindung mit der Reorganisation der Wirtschaft aufgeführt, wobei hierbei insbesondere die Abschaffung klassischer Hierarchien gemeint ist. Daraus resultieren Führungsmängel.

Rollenerwartungen an Führungskräfte haben sich gewandelt

Neue Rollenerwartungen an Führungskräfte können von diesen oft nicht ausgefüllt werden, da sie noch im alten System sozialisiert wurden. Zum Beispiel wünschen sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weniger Kontrolle und mehr Beratung sowie soziale Kompetenz. Dies kollidiert dann mit klassischen Top-down-Modellen.

Gute Führung als zentraler Faktor

Gute Führung wird in dem Bericht als zentraler Faktor bei der Vermeidung von psychischen Krankheiten betrachtet. Führungskräfte können durch eine gute Aufgaben- und Arbeitsablaufgestaltung, die sich unter anderem durch Rollenklarheit zur Vermeidung von Doppelarbeiten, klare Definition von Aufgaben und eine gute Informationskultur auszeichnet, helfen, das Arbeitsklima deutlich zu verbessern.