Schließt die Reform des Berufsausbildungsgesetzes die Fachkräftelücke?

Mit dem Jahreswechsel erlebt die Berufsausbildung eine der größten Reformen in ihrer Geschichte. Neue Berufsbezeichnungen sollen die Ausbildung gegenüber dem Studium attraktiver machen. Die Frage ist, ob damit die wachsende Fachkräftelücke am Arbeitsmarkt geschlossen werden kann?

Zahlreiche offene Lehrstellen können nicht besetzt werden. Diese Meldung wiederholt sich regelmäßig. Viele Betriebe klagen über einen eklatanten Mangel an Lehrlingen. Als Grund wird häufig angegeben, dass sich die Schülerinnen und Schüler lieber um einen Universitätsabschluss bemühen, da sie dort größere Karrierechancen wittern. Die Berufsausbildung gilt dagegen als unattraktiv. Um dieser Entwicklung gegenzusteuern, hat sich die Bundesregierung für ein großes Maßnahmenpaket entschieden. Dazu zählt z. B. die Einführung einer Mindestausbildungsvergütung.

515 Euro Mindestvergütung ab 2020

515 Euro, diesen Betrag muss jeder Auszubildende ab dem nächsten Jahr als Vergütung im ersten Lehrjahr mindestens erhalten. Der Betrag steigt anschließend im zweiten Lehrjahr auf 608 Euro und im dritten Lehrjahr auf 692 Euro.  Doch viele Lehrlinge erhalten bereits jetzt eine höhere Vergütung, diese Maßnahme wird kaum dazu beitragen, dass die Berufsausbildung an Attraktivität gewinnt. Und in unattraktiven Branchen kann oftmals auch nicht mehr Geld gezahlt werden.

Neue Bezeichnungen für berufliche Fortbildung

Eine weitere grundlegende Veränderung macht dann eher Hoffnung. Aufeinander aufbauend werden der

  • Geprüfte/r Berufsspezialist/in
  • Bachelor Professional
  • Master Professional

eingeführt. Die Bezeichnungen sollen die Ausbildung zum einen gegenüber den Studienabschlüssen aufwerten, zum anderen die internationale Wettbewerbsfähigkeit erhalten. Dies kann funktionieren. Zunächst einmal bietet diese Maßnahme aber vor allem denjenigen die Möglichkeit zum beruflichen Aufstieg, die bereits eine Berufsausbildung abgeschlossen haben.

Bessere Karrieremöglichkeiten durch Berufsausbildung?

Der Fachkräftemangel wird durch die Reform des Berufsbildungsgesetzes nicht behoben. Ob sich die Karrierechancen verbessern, wird sich zeigen. Viele Unternehmen bieten bereits jetzt die Möglichkeit zum Aufstieg – Stichwort Duales Studium. Die Wertigkeit des eigenen Berufsabschlusses zu erhöhen, wird aber sicherlich für den ein oder anderen eine Option sein, wenn die Gesamtbedingungen stimmen.