Digitaler Wandel und Klimaschutz

Der Klimawandel ist eines der drängendsten Probleme unserer Zeit. Und vieles ließe sich durch den Einsatz digitaler Technologien verbessern. Doch es gibt auch noch eine andere Sicht: Der digitale Wandel kann den Ressourcen- und Energieverbrauch sowie die Schädigung von Umwelt und Klima auch beschleunigen.

Das Thema „Digitalisierung und Klimawandel“ ist äußerst komplex. „Wir müssen im Kampf gegen den Klimawandel noch stärker als bisher digitale Innovationen nutzen“, sagte beispielsweise Bitkom-Präsident Achim Berg zum Beginn der entscheidenden Verhandlungsphase des UN-Klimagipfels im polnischen Kattowitz, der von Anfang bis Mitte Dezember 2018 stattfand. Intelligente Stromnetze, die die Nutzung von regenerativen Energien wie Solar- und Windkraft fördern, eine intelligente digitale Heizungssteuerung, die dafür sorgt, in Privatwohnungen den Energieverbrauch deutlich zu reduzieren oder eine intelligente digitale Verkehrssteuerung, durch die Staus vermieden werden und der CO2-Ausstoß reduziert wird, sind dabei nur einige Möglichkeiten, positiv auf die Klimaentwicklung einzuwirken. Berg fordert: „Die Digitalisierung gehört in den Mittelpunkt der Energiewende.“

Die Möglichkeiten sind da, doch wer stößt sie an?

Schon 2017 kam der Verband zu der Prognose, dass ITK-Lösungen zwischen 2014 und 2030 das Potenzial hätten, die CO2-Emissionen um 288 Millionen Tonnen zu verringern. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt das vom Wissenschaftlichen Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) verfasste Gutachten „Unsere gemeinsame digitale Zukunft“, das Mitte April 2019 an Vertreterinnen der Bundesregierung übergeben wurde. Doch erst einmal heißt es darin unter anderem: Nur wenn der digitale Wandel und die Transformation zur Nachhaltigkeit synchronisiert werden, kann es gelingen, Klima- und Erdsystemschutz sowie soziale Fortschritte menschlicher Entwicklung voranzubringen – ohne aktive politische Gestaltung wird der digitale Wandel den Ressourcen- und Energieverbrauch sowie die Schädigung von Umwelt und Klima weiter beschleunigen.

Negativszenario vermeiden

Um dieses Negativszenario zu vermeiden, so eine WBGU-Empfehlung, sollte die Digitalisierung kurzfristig mit den globalen Nachhaltigkeitszielen sowie den Zielen des Pariser Klimaabkommens in Einklang gebracht werden. So sollten die neuen Technologien unter anderem gezielt und umfassend dazu genutzt werden, Energie und (Umwelt-)Informationen zu liefern und zugleich Umweltzerstörung zu verhindern. Genauso wie vonseiten des Branchenverbands Bitkom werden auch hier intelligente Energienetze und die Nutzung digitaler Technologien für die Kreislaufwirtschaft als Beispiele genannt. Außerdem könnte das Fahrzeugaufkommen in Städten durch geteilte Mobilität, die den Besitz eines PKW überflüssig machen, gesenkt werden. Da sich der WBGU in seinem Gutachten mit sämtlichen Nachhaltigkeitsaspekten im Kontext der Digitalisierung beschäftigt hat, wird prinzipiell die Forderung gestellt: Alle digitalen Veränderungen sollten auf das Gemeinwohl und die Steigerung der Lebensqualität der Menschen hin ausgerichtet werden.