Deutsche Firmen in attraktiver Position für Berufseinsteiger

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern beziehen Hochschulabsolventen und Young Professionals in Deutschland trotz der anhaltenden Krise stattliche Gehälter. Dies ergab eine Studie der Frankfurter Unternehmensberatung Towers Perrin. Am besten bezahlen demnach Firmen aus der Pharma- und Chemieindustrie sowie Finanzdienstleister.


Seit Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise sind die Einkommensperspektiven für junge Fach- und Führungskräfte kräftig gesunken. Über Regionen und Branchen hinweg beträgt das Minus in Europa 3,6 Prozent. Am schlimmsten brachen die Zahlen in Großbritannien mit 9,4 Prozent ein, während Italien mit 0,5 Prozent die geringsten Einbußen verzeichnet.


Einstiegsgehälter im Vergleich

Im Durchschnitt verdient ein akademischer Berufseinsteiger in Europa rund 57.000 Euro. Anders als in Großbritannien mussten Absolventen auf dem Kontinent nur mäßige Einschnitte beim Gehalt hinnehmen: 3,6 Prozent in Deutschland, 3,2 Prozent in der Schweiz und 1,8 Prozent in Österreich. Freilich liegen Schweizer Absolventen in Bezug auf die Höhe des Entgelts vorn. Sie verdienen mit rund 65.000 Euro weit mehr als Deutsche (54.800), Österreicher (46.000) und den Italienern als Schlusslicht (33.500).

"Einstiegsgehälter sind immer ein Spiegel der Wirtschaftssituation", sagt Vergütungsexperte Martin Hofferberth von Towers Perrin. "Einsteiger sind vielfach mit Einstellungsstopps konfrontiert und auch bei der Vergütung erheblich betroffen." Empfindliche Abstriche beim Einkommen müssen Absolventen zum Beispiel in der IT- und Telekommunikationsbranche hinnehmen. Verdienten Finanzexperten im April 5,8 Prozent weniger als im November, mussten sich Ingenieure sogar mit einem Minus von 7,2 Prozent abfinden. Umgekehrt zahlten Pharmaunternehmen teilweise sogar höhere Gehälter als im Vorjahr.


Keine Einbußen in Pharma und Chemie

Zwischen November 2008 und April 2009 hat Towers Perrin die Vergütungen von Berufseinsteigern in sechs europäischen Ländern verglichen. Auch wenn erste Prognosen einzelner Konjunkturforscher bereits positiv ausfallen, sind die Unternehmen noch nicht so optimistisch. "Erst wenn sie zuversichtlicher in die Zukunft schauen, erfolgen mehr Neueinstellungen und die Vergütungsseite kommt in Bewegung", sagt Hofferberth.

Nach wie vor erstklassig fallen die Gehälter in der Pharma- und Chemieindustrie aus. Weder in Deutschland, Österreich und der Schweiz noch in Frankreich haben sie sich wesentlich verändert. In Italien stieg das Zieleinkommen sogar um 7,6 Prozent an. Verdienen Einsteiger in der Schweiz bis zu 67.000 Euro, können sie in deutschen Unternehmen ein Jahresgehalt bis zu 63.500 Euro verbuchen.

Unter Druck geraten sind hingegen die Einkommen junger Ingenieure. Auch in Deutschland: Zwischen November 2008 und April 2009 sank ihr durchschnittliches Gehalt um 7,2 Prozent auf nunmehr 53.200 Euro. Waren die Einstiegsgehälter von Ingenieuren angesichts des Fachkräftemangels jahrelang überproportional gestiegen, kommt dieser Trend nun zum Erliegen.
 
Von Winfried Gertz