Bewerben 4.0 – Sei auffindbar!

Die Arbeitswelt hat sich verändert und mit ihr auch die Bewerbungslandschaft. Neben der klassischen Stellenausschreibung, die zum Bewerben aufruft, durchsuchen Unternehmen heute selbst aktiv das Internet nach passenden Kandidaten (Stichwort: Active Sourcing). Der Karriere-Coach Vincent G. A. Zeylmans van Emmichoven beschreibt in seinem Buch „Bewerben 4.0 – Dein Traumjob in der digitalen Arbeitswelt“, wie Bewerber ihre Auffindbarkeit im Netz optimieren und davon profitieren können.

Rich Internet Applications – wie Social Media, Karrierenetzwerke und Bewerbungstools – bieten die unterschiedlichsten Kontaktpunkte, um mit Unternehmen in Berührung zu kommen. Diesen Umstand beschreibt Zeylmans van Emmichoven als Bewerben 4.0. Hierzu zählt auch das Active Sourcing, das längst über das Durchsuchen von Bewerberprofilen bei Personalberatungen hinausgewachsen ist. Das Jagdrevier für hat sich längst auf das komplette Internet ausgeweitet.

„Unwissenheit verbunden mit Unfähigkeit“

Zeylmans van Emmichoven sieht allerdings genau hier einen Interessenskonflikt: Viele Bewerber möchten sich nicht über die Maßen selbst darstellen. Gründe hierfür kennt er auch: „Unwissenheit verbunden mit Unfähigkeit.“ Wer auf ein Profil, wie zum Beispiel im Jobware Kandidaten-Netzwerk oder auf LinkedIn verzichtet, ist für die meisten Active Sourcing-Bemühungen unsichtbar.

Warum sträuben sich viele Bewerber gegen ein Profil in Online-Netzwerken? Laut Zeylmans van Emmichoven lehnen Bewerber häufig diese Form der Selbstdarstellung ab: Sich selbst und eigene Skills hervorzuheben, empfinden sie als eine Zurschaustellung, die mit Arroganz und Eitelkeit assoziiert wird. Diese Denkmuster sollten Arbeitnehmer jedoch ablegen. Im Internet sichtbar zu sein, hat zahlreiche Vorteile. Für den Karrierecoach liegen diese darin, dass Arbeitnehmer sich durch das Active Sourcing nicht mehr ausschließlich selbst bewerben müssen. Außerdem können sie gezielt ihre Reputation steuern.

Weder peinlich noch pervers: sich selbst googeln

Um zu wissen, was ein Arbeitgeber über einen finden kann, ist es ratsam, sich selbst zu googeln. Zu den Suchergebnissen gehören dabei auch Dinge, die vielleicht auf weniger Begeisterung stoßen: die Teilnahme am letzten Schützenfest oder ein lange zurückliegendes Interview mit einem ungünstigen Profilbild. Hier empfiehlt der Autor eine gewisse Gelassenheit: Wenn private Inhalte von einem Bewerber im Internet zu finden sind, kann dies die Authentizität des Profils eigentlich nur unterstreichen. Zeylmans van Emmichoven vergleicht dies mit Hotel- oder Produktbewertungen. Ausschließlich positive Bewertungen vermitteln den Eindruck, erkauft zu sein.

Bei Google auf Seite Eins

Die Ergebnisliste von Suchmaschinen muss nicht hingenommen werden. Bewerber können diese gezielt beeinflussen. Profile in sozialen Netzwerken werden von Suchmaschinen als besonders relevant eingestuft und erscheinen in den Suchergebnissen häufig auf Seite Eins. Dies trifft auf sämtliche Inhalte zu, die von einer Person selbst erstellt wurden. Aus diesem Grund empfiehlt der Autor, mit einem Profil in sozialen Netzwerken, in Blogs, mit eigenen Websites, in öffentlichen Lebenslaufdatenbanken oder mit einem selbst verfassten Buch in Erscheinung zu treten. Nur wenige User lesen die Ergebnisse über Seite Eins in Suchmaschinen hinaus. Übrigens: Inhalte, die gegen das Persönlichkeitsrecht verstoßen, können auf Anfrage auch von Google gelöscht werden!

Die digitale Reputation ist auch für Arbeitnehmer wichtig, die sich bewerben möchten. Ein Verweis auf das eigene Profil kann bedenkenlos dem Lebenslauf beigefügt werden. Es ist eine gängige Praxis, dass sich Unternehmen über Bewerber im Internet informieren. Bewerben 4.0 ermöglicht, die eigene Reputation im Netz gezielt zu steuern. Mit Arroganz hat das nichts zu tun.

Von Björn Thomsen