
Alles unter einen Hut bringen

Wie soll ich alles schaffen? Dieser Gedanke überfällt uns oft panikartig. Packt er Sie regelmäßig? Dann tragen Sie vermutlich zu viele Lebenshüte auf Ihrem Kopf. Dann sollten Sie einige ablegen.
"Ich gleiche einem modernen Sisyphus." So lautet die nüchterne Bilanz mancher Fach- oder Führungskraft, wenn sie mal einen Augenblick Muße hat und über ihr Leben nachdenkt. "Irgendwie hetze ich von einem Termin zum nächsten und komme nicht zur Ruhe, und trotzdem habe ich stets das Gefühl, nicht allen Anforderungen gerecht zu werden."
Dieses Gefühl kennen viele beruflich stark engagierte Menschen. Entsprechend gestresst und stets in Eile laufen sie durchs Leben, von Herzbeschwerden, Arthritis, Magengeschwüren oder nervösen Spannungen geplagt. Dies mag dramatisch klingen. In den USA hat sich der Begriff "Hurry Sickness" (Hetz-Krankheit) jedoch schon eingebürgert.
Mit diesem Krankheitsbegriff werden meist Personen bedacht, die von folgendem irrigen Glauben beseelt sind: Ich muss nur all meine Aktivitäten ausreichend beschleunigen, dann kann ich alles erreichen. Gleich Magneten ziehen sie deshalb Aufgaben und Verantwortlichkeiten auf sich. Folglich steigt auch ihre Belastung zusehends. Weshalb sie das Tempo stets steigern müssen. Eine Zeit lang geht dies auch gut; zumindest im beruflichen Bereich. Denn letztlich werden, wenn die Zeit knapp wird, stets die privaten Termine gestrichen. Denn es ist nie dringend, dass ich jogge. Denn es ist nie dringend, dass ich mit meinen Kindern spiele. Doch irgendwann ist es zu spät. Sei es, weil ich einen Herzinfarkt habe oder weil die Kinder erwachsen sind.
Eine Möglichkeit, wie Sie sich vor der Hetz-Krankheit schützen können, besteht darin, dass Sie sich überlegen, welche "Lebenshüte" Sie auf Ihrem Kopf tragen. Das heißt, indem Sie sich überlegen, welche unterschiedlichen Rollen Sie in Ihrem Leben spielen. Schließlich sind Sie nicht nur Arbeitnehmer, Kollege, Teammitglied und Fach- oder Führungskraft. Zugleich sind Sie als Mann zum Beispiel Vater, Sohn, Ehemann, Freund, Kegelbruder, Sänger, Tennisspieler, Elternbeirats-/Gemeinderatsmitglied - um nur einige mögliche Rollen zu nennen. Bei Frauen ist die Zahl der Rollen nicht geringer. Mein Tipp an Sie: Setzen Sie sich einmal ruhig hin und überlegen Sie sich, welche "Lebenshüte" Sie auf Ihrem Kopf tragen. Sind Sie sich darüber klar, können Sie sich weiter fragen:
- Welche Rollen wurden mir oktroyiert und welche will ich künftig ablegen?
- Als Maßstab für Ihre Entscheidung sollte Ihnen hierbei Ihre Lebensvision dienen.
Wenn Sie all Ihre "Hüte" (Sie sollten sich auf maximal sieben beschränken) kennen, können Sie Ihr Leben gezielt planen. Ausgehend von Ihren Lebenszielen sollten Sie
- zunächst Ihre Jahresziele
- dann Ihre Monatsziele,
- dann Ihre Wochenziele und schließlich
- Ihre Tagesziele definieren.
So können Sie sich auf das wirklich Wichtige konzentrieren, statt sich auf Nebenschauplätzen zu verzetteln, und kommen Ihren Lebenszielen immer ein Stückchen näher.
Wenn Sie sich so für Ihre Freizeit und Ihre Arbeit verbindliche Ziele und Termine setzen, bewegt sich Ihr Zeitmanagement auf einer neuen Ebene. Weil Sie nun Ihre Zeitplanung aus Ihrer Lebensvision ableiten, planen Sie nicht mehr nur Ihre Arbeits-, sondern auch Ihre Lebenszeit. Dann ist sichergestellt, dass Sie jeden der vier Lebensbereiche "Gesundheit", "Beruf", "Sinn" oder "Familie" angemessen berücksichtigen und keiner (zumindest auf Dauer) vernachlässigt wird. Dann sind Sie auf dem richtigen Weg zu einem glücklichen und erfüllten Leben.
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