
Spass am Leben, Spass an der Arbeit

Viele Fach- und Führungskräfte hetzen, beruflich und privat, von einem Termin zum nächsten. Kein Problem, sofern sie dabei glücklich und ausgeglichen sind. Bedenklich wird es aber, wenn sie auf Dauer einen der vier Lebensbereiche Beruf/Leistung, Gesundheit, Sinn oder Familie/Soziales vernachlässigen. Dann droht der Kollaps.
"Arbeiten, arbeiten und nochmals arbeiten." In manchen Lebensphasen ist diese Devise sinnvoll. Zum Beispiel beim Berufseinstieg oder beim Jobwechsel. Oder wenn’s im Unternehmen "brennt". Doch wer auf Dauer nur noch Arbeit kennt, stellt irgendwann unweigerlich fest: Alle Energie ist aus meiner Batterie gewichen.
Dies geschieht häufiger als mancher "Workaholic" glaubt. Das beweisen die Daten der Krankenkassen. Auch ein Blick in die Managementmagazine zeigt dies. Dort ist das Phänomen "Burnout" eines der Top-Themen. Gleich gefolgt von Ratschlägen für Manager, wie sie ihren beruflichen Ausstieg mit 50 planen. Auch das belegt: Viele beruflich stark engagierte Personen haben ein gestörtes Verhältnis zu ihrer Arbeit. Denn warum sollten sie, wenn ihnen ihre Arbeit Spaß macht, von der "Rente mit 50" träumen?
Viele Fach- und Führungskräfte vergessen, dass sie auf Dauer nur leistungsfähig sind, wenn sie sich eine "gesunde" Balance zwischen den vier Lebensbereichen bewahren. Warum? Treiben wir mit unserem Körper Raubbau, leidet auf Dauer nicht nur unsere körperliche, sondern auch die geistige Leistungsfähigkeit darunter. Stellen wir eines Morgens beim Frühstück fest, unser Lebenspartner (nebst Kindern) ist verschwunden, mindert dies auch unsere Leistungskraft.
Über diese Zusammenhänge denken viele beruflich stark engagierte Personen wenig nach - zumindest solange nicht, bis sie geistig oder körperlich kollabieren. Der einzige Weg, dieser Gefahr zu entgehen, besteht darin, sich zu fragen: Was ist mir in meinem Leben wirklich wichtig? Außerdem: Was muss ich tun, um die Balance zwischen den vier Lebensbereichen zu wahren?
Vielen Machern fällt dieses "Runterschalten" schwer. Selbst in ihrer Freizeit können sie nicht den Fuß vom Gaspedal nehmen. Sogar, wenn sie zu Hause bei ihrer Familie oder in der Kneipe mit Freunden sitzen, gelingt es ihnen nicht abzuschalten. Gedanklich sind sie noch bei der Arbeit. Deshalb kommen sie geistig nie bei ihrer Familie/ihren Freunden an.
Hinzu kommt: Zahlreiche Fach- und Führungskräfte übertragen das Leistungsdenken, dem sie im Beruf huldigen, auf ihre Freizeit. Das zeigt sich zum Beispiel daran, wie sie Sport treiben. Mit heraushängender Zunge hecheln sie durch die Stadtparks, als gelte es einen Weltrekord zu brechen. Dabei wäre es für ihre Gesundheit wichtig, "lang und langsam" zu laufen.
Dass sich viele Arbeitgeber und Arbeitnehmer auch in ihrer Freizeit so hetzen, liegt daran, dass manche latent die Angst plagt, sie könnten mit den Veränderungen, die sich in ihrem Umfeld vollziehen, nicht mehr Schritt halten. Deshalb geben sie immer mehr Gas. Hinzu kommt die Angst, nicht mehr "up-to-date" zu sein und etwas zu versäumen. Deshalb sind sie "ständig auf dem Sprung" und haken eine Aktivität nach der anderen ab.
Die Antwort auf den Tempo-Trend unserer Zeit kann nicht ein immer stärkeres Gasgeben sein. Vielmehr ist eine Balance zwischen Speed und Downsizing (Entschleunigung) nötig. Außerdem eine Lebensvision, die die vier Lebensbereiche in sich vereint. Diese fehlt vielen Personen. Sie können zwar sagen, was sie im Beruf, doch leider nicht, was sie in ihrem Leben erreichen möchten.
|