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Zeit- und Selbstmanagement sind nicht genug

Sitzen Sie abends oft vor einem Stapel unerledigter Aufgaben? Verschiebt sich auch bei Ihnen - trotz eines guten Zeitmanagements - das Arbeitsende häufig in die späten Abendstunden, und bleibt manche "wichtige" Aufgabe, die nicht "dringlich" ist, liegen?
Wenn dies der Fall ist, geht es Ihnen wie vielen Menschen. Immer mehr Männer und Frauen sammeln die Erfahrung: Selbst mit dem besten Zeit- und Selbstmanagement kann ich nicht allen Anforderungen gerecht werden. Hierfür gibt es reale Gründe. In der modernen Informationsgesellschaft werden wir mit stets neuen Anforderungen konfrontiert - beruflich und privat.
Zum Bewältigen neuer Anforderungen müssen wir aber erst neue Problemlösestrategien entwickeln. Das erfordert nicht nur Zeit, sondern auch Muße. Deshalb ziehen sich zum Beispiel Manager, wenn sie neue Strategien entwickeln möchten, in die Abgeschiedenheit eines Tagungshotels zurück. Denn wer ständig unter Strom steht, kann nur stets dieselben Verhaltensmuster zeigen. Er kann seine Aufgaben zwar eventuell schneller ausführen, eine neue Qualität erreicht er hierdurch aber nicht.
Hieran scheitert das Zeit- und Selbstmanagement von vielen Menschen. Sie übersehen, dass sie ihren Lebens- und Arbeitsrhythmus ab und an gezielt entschleunigen müssten, weil das Leben in stets kürzeren Zeitabständen neue Anforderungen an sie stellt. Sie müssten sich zurücklehnen und fragen:
- Welche neuen Anforderungen werden an mich gestellt? Und:
- Wie kann ich darauf angemessen reagieren?
Zudem müssten sie sich fragen: Was ist mir wirklich wichtig? Und: Welche Vision habe ich von meinem Leben? Das tun viele Menschen nicht. Unter anderem, weil sich ihnen dann schnell die Frage nach dem Sinn stellen würde. Auf diese Frage wissen viele in unserer Non-Stop-Gesellschaft keine Antwort. Diese brauchen wir aber, wenn wir Life-Leader werden möchten, also Personen, die ihr Leben aktiv gestalten. Dann führt kein Weg an der Frage "Was ist mir wirklich wichtig?" vorbei.
Diese Frage müssen wir uns künftig verstärkt stellen. Warum? In der modernen Gesellschaft werden die Stützen unserer Identität zunehmend brüchig. Wir verlieren häufiger unsere Arbeitsstelle. Wir müssen uns häufiger neu qualifizieren. Unsere Liebes-/Freundesbeziehungen wechseln häufiger. Und selbst die staatlichen Stützsysteme, die uns zum Beispiel bei Krankheit und Arbeitslosigkeit einen (finanziellen) Halt gaben, werden zunehmend brüchig.
Doch wie sollen wir künftig persönliche Krisen verarbeiten, wenn die Stützpfeiler unserer Identität schwanken? Dann müssen wir einen starken Persönlichkeitskern in uns tragen. Dann muss uns bewusst sein, was wir wirklich wollen - nicht nur im Lebensbereich "Arbeit/Leistung", sondern auch in den drei Bereichen "Familie/Kontakt", "Sinn/Kultur" und "Körper/Gesundheit". Nur dann können wir unser Leben aktiv gestalten - bevor wir in die Krise schlittern, denn dann fehlt uns meist die Kraft hierzu.
Wir müssen also pro-aktiv handeln. Dies setzt voraus, dass wir uns, wenn wir noch stabil sind, regelmäßig fragen: Was ist mir wirklich wichtig? Denn wenn wir noch nicht in der Krise stecken, haben wir meist noch mehrere Verhaltensoptionen, zwischen denen wir uns entscheiden können. Aber genau dieses Entscheiden fällt vielen Menschen schwer. Warum? Zum "Ja-Sagen" gehört das "Nein-Sagen". Vor diesem "Nein-Sagen" haben viele Menschen wegen der vielen Wahlmöglichkeiten, die uns die moderne Gesellschaft bietet, Angst. Sie übersehen: Wenn wir aufgrund unserer Lebensvision lernen "ja" und "nein" zu sagen, gewinnen wir innere Klarheit. Dann steht auch unser Zeit- und Selbstmanagement auf einem soliden Fundament. Es wird zu einem Instrument, um ein "Life-Leader" zu werden.
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