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Fit 4 USA

Fit 4 USA

Claus Peter Müller-Thurau
 
Fit 4 USA
9,95 €
ISBN 3-8029-4562-X
Walhalla Verlag

Typisch unamerikanisch: Sozialneid
 
In jeder Gesellschaft gab und gibt es einen Kampf auf dem Weg nach oben und damit um den besten Platz am Trog. In Deutschland wurde zur Beschreibung dieses Sachverhaltes in jüngerer Vergangenheit der Begriff "Ellenbogengesellschaft" erfunden. Das klingt nach gewaltsamem Vordrängeln und damit unfairen Methoden. In der Tat scheint es bei dieser negativen Einschätzung unserer Gesellschaft einen breiten Konsens zu geben. "Du musst ein Schwein sein auf dieser Welt, gemein sein", trällert die Popband "Die Prinzen" und bringt damit zum Ausdruck, was offenbar viele denken: Die Menschen sind schlecht - wobei freilich diejenigen, die diesen Befund verkünden, sich selbst davon natürlich ausnehmen. Das allgemeine Lamento wirkt bisweilen unfreiwillig komisch. Tenor: "Alle denken nur an sich - ich bin der einzige, der an mich denkt!"
 
Das Gerede von der "Ellenbogengesellschaft" zeigt ein gestörtes Verhältnis zum Wettbewerb. Obwohl auch die Deutschen nicht in der Lage sind, einen lausigen Tennisspieler oder einen konditionsschwachen Fußballer zu bewundern, ist ihnen alles Elitäre eher suspekt. Wenn sie dennoch Freude über die Topleistungen eines Sportlers oder einer Sportlerin empfinden, dann nur, weil sie über den Weg der Identifikation - meist im Fernsehsessel - "mitsiegen". Beim Geld hört der Spaß dann freilich beizeiten wieder auf. Dass die sportliche Elite zuweilen Millionen "scheffelt", wird mit Missvergnügen und Neid registriert. Doch immerhin: Die Sportelite tut ja etwas für das Selbstbewusstsein der Fans, und das stimmt den Zuschauer dann doch wieder halbwegs versöhnlich.
 
Ganz anders stellen sich allerdings die Dinge dar, wenn es um berufliche Karrieren geht. Nach oben, das scheint für die Volksseele einstweilen eine abgemachte Sache zu sein, kommt man nur mit unsauberen Methoden. Ansonsten ist der Chef natürlich ein Depp. Der Bestseller "Nieten in Nadelstreifen" war und ist ein absolut überflüssiges Buch, es sei denn, der Autor hatte seelsorgerische Absichten. Die hatte er vermutlich nicht, aber er zeigte unbeabsichtigt eine fatale Schwachstelle in der Befindlichkeit der deutschen Modal-Persönlichkeit auf: mangelndes Selbstbewusstsein und daraus resultierender Neid. Wer dieses Defizit bedient, erhält Applaus - wie Wolfgang Schur und Günter Weick mit ihrem 1999 erschienenen Buch "Wahnsinnskarrieren". Das Buch stellt auf 254 Seiten die fiesen Tricks dar, mit denen man Karriere macht. Beispiel: "Sei niemals konsequent, wechsle täglich deine Meinung!" Oder: "Zeige Kadavergehorsam!" Und weiter: "Man braucht die moralische Flexibilität eines korrupten Politikers und die Standfestigkeit einer angerosteten Wetterfahne!" Als Beispiel wird ausgerechnet DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp angeführt. Wenn derartige Botschaften in einem Land gern vernommen werden, ist mit diesem Land etwas nicht in Ordnung.
 
Die Deutschen haben Probleme mit der Tatsache, dass die Person A mehr Leistung zeigt als die Person B. Das widerspricht einem diffusen Gleichheitsgedanken, der Neidreflexe auslöst, wenn jemand erfolgreich den Kopf aus der "Masse" herausstreckt. Letztlich läuft alles auf die Frage hinaus, was einem wichtiger ist: Freiheit oder Gleichheit? Wer vorrangig das eine will, bekommt automatisch von dem anderen weniger.
 
In den USA werden derartige Dinge in einem anderen Licht gesehen. Wer in Amerika seinen Weg macht, gerät nicht pauschal unter Verdacht, ein Schwein zu sein. Und wer als Vorstand eines florierenden Unternehmens jährlich 5 Millionen Dollar verdient, muss kein schlechtes Gewissen haben.
 
Praxis-Tipp:
 
Monieren Sie nicht die hohen Gehälter von Politikern (die übrigens gar nicht so hoch sind) und Managern (die in der Tat recht hoch sind). In Amerika gilt es nicht als unanständig, wenn man viel Geld verdient.
 
Die US-Amerikaner sind Anhänger einer "Meritokratie", deren Leitmotiv die Belohnung nach Verdienst ist. Damit verbunden ist eine positive Einstellung zur Elite und zum Wettbewerb. Und wer seinen Platz in der US-amerikanischen Gesellschaft finden möchte - als Praktikant, Student oder Mitarbeiter -, sollte dafür zumindest eine Antenne haben. Die Schelte über die sozialen Verhältnisse, die erfahrungsgemäß niemals so sind, wie sie sein sollten, und die Forderung an den Staat, bitte alles zum Guten zu wenden, findet wenig Applaus.
 
Hintergrundinfo: US-Grundsätze
  • Freiheit kommt vor Gleichheit.
  • Ungleichheit ist nicht automatisch mit Ungerechtigkeit gleichzusetzen.
  • Wer aufhört, besser werden zu wollen, hat aufgehört, gut zu sein.
  • Wettbewerb ist der wichtigste Ideenlieferant.
  • Wer Ideen ablehnt, nur weil sie nicht die eigenen sind, ist ein schlechter Teamplayer.
Es geht hier nicht darum, zwischen besseren und schlechteren Menschen zu unterscheiden. Auch in Amerika gibt es Karrieristen, die sich mit unfairen Mitteln nach oben kämpfen. Und natürlich gibt es Menschen, die wegen ihres Erfolges beneidet werden. Im Zweifelsfall aber überwiegt die Bewunderung desjenigen, der es "geschafft" hat, und im Zweifelsfall ist sein Erfolg zugleich Ansporn für jene, die noch auf dem Weg noch oben unterwegs sind oder unterwegs zu sein glauben.

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