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10. März 2010 Stellenangebote & Jobs für qualifizierte Fach- und Führungskräfte
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Aus der Praxis: Die Kolumne "Bewerbungsprozess"

Das Vorstellungsgespräch




Die erfolgreiche Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch


Petra Schneider macht einen verkrampften Eindruck. Die Frage nach der Anreise beantwortet sie sichtlich angespannt, man sieht ihr an, dass sie sich durch den Smalltalk des Personalleiters nicht aus dem Konzept bringen lassen will. Wenn er ihr Kaffee oder Mineralwasser anbietet, umklammert sie den Sitz des Besuchersessels. Ihre Körperhaltung bringt zum Ausdruck, dass sie auf das "eigentliche" Vorstellungsgespräch fixiert ist. Dabei übersieht sie, dass dieses schon längst begonnen hat.

Björn Rieger ist ein lockerer Typ. Die Anreise zum Vorstellungsgespräch mit dem ICE betrachtet er als "Event". Schließlich ist man nicht jeden Tag in München. Natürlich hat er sich über das Unternehmen im Internet informiert, über sich selbst macht er sich allerdings keine Gedanken, so dass ihn die Aufforderung des Fachbereichsleiters überrascht: "Erzählen Sie doch einmal etwas von sich selbst…". Als Björn zögert, legt sein Gesprächspartner nach: "Was für ein Mensch sind Sie? Wie würden Ihre Freunde Sie beschreiben?" Björn seufzt: "Das ist eine schwierige Frage…".

Petra fokussiert sich so sehr auf den fachlichen Teil des Gesprächs, dass sie die Bedeutung des Sympathiefaktors ignoriert. Dennoch prüfen vor allem die Gesprächspartner aus den Fachbereichen zunächst einmal, ob sie sich den Bewerber "aus dem Bauch heraus" als künftigen Kollegen vorstellen können. Erst dann klopfen sie die Fachkompetenz ab. Am Anfang des Gesprächs dominiert also eindeutig die emotionale Komponente.

Björn verlässt sich jedoch zuviel auf sein Charisma. Er weiß um seine gewinnende Persönlichkeit. Er hält eine fundierte Vorbereitung auf das Bewerbungsgespräch für unnötig, so dass ihn bereits die erste Frage in Bezug auf seine Person aus der Fassung bringt.

Wie bereitet man sich also professionell auf ein Bewerbungsgespräch vor?

Machen Sie Ihre "Hausaufgaben" bereits am Vortag des Vorstellungsgesprächs:
  • Unternehmensinformationen nochmals anschauen
  • Namen der Kontaktpersonen auswendig lernen
  • Chronologie des Lebenslaufs in maximal 10 Minuten erzählen können
  • Zu jeder beruflichen Station zumindest eine herausragende Leistung vorbereiten
Wichtig für den Tag des Vorstellungsgesprächs:
  • Nehmen Sie den Tag frei - nicht nur bei Ihrem Arbeitgeber, auch hinsichtlich Familie und privater Termine
  • Schlafen Sie aus (je nach Uhrzeit des Gesprächs)
  • Nehmen Sie sich Zeit (zum Duschen, für das Frühstück, für die Anfahrt)
  • Führen Sie nun keine weiteren Gedankenspiele durch sondern entspannen Sie!
Treten Sie bei Ihrem potenziellen Arbeitgeber respektvoll und freundlich auf - nicht nur gegenüber Ihren Gesprächspartnern, auch und gerade gegenüber dem Empfang, der Sekretärin und anderen Mitarbeitern, die nicht unmittelbar am Vorstellungsgespräch beteiligt sind.

Stressinterview, Fangfragen, abfällige Bemerkungen - jeder hat von Extremsituationen im Bewerbungsgespräch gehört. In 95% der Fälle wird der Gesprächspartner aber bemüht sein, eine angenehme Atmosphäre herzustellen. Ein ernst zu nehmender Arbeitgeber ist daran interessiert, wer Sie sind. In der Regel geht es im Bewerbungsgespräch um folgende Fragen:
  • Warum möchten Sie bei uns arbeiten (haben Sie sich mit unserem Unternehmen auseinander gesetzt)?
  • Lösen Sie mein Problem (verfügen Sie über die benötigte Fachkompetenz)?
  • Was für ein Mensch sind Sie (ist Sympathie vorhanden - was sind Ihre persönlichen Kompetenzen oder auch die "Soft Skills")?
  • Was unterscheidet Sie von anderen (warum sollte ich mich für Sie entscheiden und nicht für einen Mitbewerber - erzählen Sie mir an Hand von Beispielen von Ihren beruflichen Leistungen, Ergebnissen und Resultaten)?
  • Kann ich es mir leisten, Sie einzustellen (was wollen Sie verdienen)?
Bereiten Sie sich darauf vor, dass "die Bühne irgendwann Ihnen gehört". Die Bitte "Führen Sie mich doch mal durch Ihren Lebenslauf…" hört sich zunächst harmlos an - doch Ihre Antwort bestimmt Ihre Zukunft! Denn wenn Ihnen nun nichts anderes einfällt, als die Wiederholung der bereits vorliegenden Informationen, haben Sie verloren. Nun ist nicht die Zeit für Stellenbezeichnungen und Aufgabengebiete. Es interessiert weniger was Sie gemacht haben als wie! Der Arbeitgeber hat drei Bewerber für die Leitung Innendienst eingeladen. Was qualifiziert Sie besonders, außer der Tatsache, dass Sie motiviert sind, die Branche kennen und den Job schon mal gemacht haben? Können Sie gut mit Mitarbeitern umgehen? Dann bringen Sie es zur Sprache und nennen Sie ein Beispiel: Nachdem Sie Zielvereinbarungen und Mitarbeitergespräche eingeführt haben, hat sich die Bearbeitungszeit der Reklamationen um 30 Prozent verbessert. Solche Erfolgsmeldungen aus Ihren bisherigen Tätigkeiten sollten Sie parat haben.

Im Vorstellungsgespräch gibt es natürlich auch K.-o.-Kriterien:
  • In dominanter Weise die Gesprächsführung übernehmen oder sein Gegenüber dauernd unterbrechen
  • "Graue Maus", keine Regung, kein natürliches Verhalten, keine Fragen am Ende des Gesprächs
  • Negative Äußerungen über (derzeitige oder vergangene) Vorgesetzte, Kollegen, Arbeitgeber
  • Selbstmitleid, sich selbst als Opfer ansehen
  • Im ersten Gespräch nach Bürogrößen, Überstunden, Zuschüssen, Betriebsrat, Job-Titles oder Arbeitszeiten fragen
Seien Sie in allem authentisch. Die größte Strafe für ein chamäleonartiges Verhalten ist die Zusage für den Arbeitsplatz. Denn nun sind Sie gezwungen, Ihr restliches Arbeitsleben bei diesem Unternehmen die im Vorstellungsgespräch eingenommene Rolle zu spielen. Verstellen Sie sich nicht, nur um zu gefallen, akzeptieren Sie lieber, dass manchmal die Unternehmenskultur oder einfach die "Chemie" zwischen Ihnen und dem "Gegenüber" nicht passt.

Petra hat nach ihrem ersten Vorstellungsgespräch verstanden, dass akademische Hochleistungen wenig Wert haben, wenn man als Mensch nicht überzeugt. Sie geht mit mehr Gelassenheit ins nächste Gespräch. Björn dagegen kauft im Münchner Bahnhofs-Kiosk vor der Rückfahrt ein Buch über Vorstellungsgespräche. Und wie bereiten Sie sich vor?

Vincent Zeylmans


Vincent Zeylmans
Vincent Zeylmans war 15 Jahre lang in leitenden Positionen, davon ca. 10 Jahre Mitglied der Geschäftsleitung in großen international agierenden Firmengruppen. Er spricht vier Sprachen und hat selbst mehrere Unternehmen gegründet.
Die Bewerbungspraxis kennt er aus eigener Erfahrung – und zwar sowohl als Bewerber als auch als Arbeitgeber durch seine Tätigkeiten als Bereichsleiter und Geschäftsführer in Großkonzernen.
Herr Zeylmans ist langjähriger Karriere-Coach und Trainer mit profunden Erfahrungen auf diesem Gebiet. Für Jobware steht er als Coach, Seminarleiter und Autor zur Verfügung. Seine Schwerpunkte sind: Training und Beratung (Organisationen und Privatpersonen), Strategieentwicklung und Coaching, Unternehmens-Assessment, Projekt-Implementierung und Individuelles Coaching.

Nutzen Sie die Gelegenheit, direkt mit ihm Kontakt aufzumehmen: v.zeylmans@jobware.de



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Übersicht
Einleitung
Das Versandkuvert
Das AIDA-Prinzip
Das Anschreiben
Die Bewerbungsmappe
Das Bewerbungsbild
Der Lebenslauf
Die Dritte Seite
Keine falsche Bescheidenheit
Die mentale Einstellung
Digitale- oder Papierbewerbung?

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