 |
|
 |
 |
Newsticker |
 |
 |

12.03.2010
Offenbar umfassende Bilanztricks bei Lehman Brothers
Die frühere US-Investmentbank Lehman Brothers hat einem Untersuchungsbericht zufolge durch Bilanztricks schon Jahre vor ihrer Pleite das Ausmaß ihrer Verschuldung verschleiert. Die Führung der Bank habe "strafbare Bilanzmanipulationen" begangen, resümmiert der von einem Gericht bestellte Gutachter Anton Valukas. Sie habe ihre Probleme gezielt vor Investoren und Regulatoren verborgen. Bereits im Jahr 2001 habe Lehman Brothers erstmals zu den Buchhaltungs-Tricks gegriffen, die konzernintern als "Repo 105" bekannt wurden, heißt es in dem Bericht. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2008 lagerte die Bank demnach 500 Milliarden Dollar (heute 366 Milliarden Euro) aus ihrer Bilanz aus, um ihre wahre Verschuldung zu verbergen. Ziel der Manöver war laut Valukas eine "faktische Irreführung" der Öffentlichkeit. Als Verantwortliche nennt Valukas den damaligen Lehman-Chef Richard Fuld sowie drei Finanzdirektoren. Der Sachverständige äußerte sich nicht zur Rechtmäßigkeit ihres Handelns, äußerte aber die Einschätzung, dass es zu einer Strafverfolgung führen könnte. Fuld habe die geschönten Bilanzen zertifiziert und dabei "zumindest grob fahrlässig" gehandelt, urteilte der Gutachter. Vorwürfe erhob Valukas zudem gegen die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst and Young, die "unter anderem versagt hat, die unsauberen oder unangemessenen Angaben in den Finanzberichten zu hinterfragen". In seinem Gutachten zitiert Valukas aus der Email-Korrespondenz von Lehman-Managern. In einer Email schreibt ein Manager zu den Bilanztricks: "Im Grunde genommen ist es Augenwischerei." In einer anderen Email heißt es dazu: "Rechtlich ist es machbar, aber es sieht nicht gut aus." Die unmittelbare Pleite von Lehman Brothers im September 2008 wurde dem Untersuchungsbericht zufolge durch das Verhalten von zwei anderen Banken beschleunigt. Valukas schreibt, die Citibank und JPMorgan hätten wenige Tage vor dem Kollaps erhöhte Sicherheiten von Lehman gefordert und Garantiebedingungen geändert. "Die Forderung der Lehman-Gläubiger hatte direkte Auswirkungen auf die Liquidität von Lehman, und die verfügbare Liquidität ist zentral für die Frage, warum Lehman pleite ging", schrieb Valukas. Die Pleite von Lehman hatte die Finanzkrise massiv beschleunigt und zu großen Turbulenzen auf den Finanzmärkten geführt. In der Folge gingen mehrere kleinere Finanzinstitute pleite, zahlreiche Anleger auch in Deutschland verloren ihr Geld.

© Copyright AFP Agence France-Presse GmbH
|
|
|
|
 |
|
|
 |
 |