Tue Mar 11 00:00:00 CET 2003, Paderborn

Stellenabbau: Bevölkerung sieht Talsohle noch nicht durchschritten

Paderborn, 11. März 2003

Jobware-Umfrage ergibt: Für 70 Prozent der Bevölkerung ist eine baldige Wende am Arbeitsmarkt nicht in Sicht, die Mehrheit befürchtet weitere Entlassungen. Bei Jobverlust rechnen fast drei Viertel mit einer Arbeitslosigkeit von über drei Monaten. Über die beste Methode zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit herrscht Uneinigkeit.
 
Trotz des traurigen Rekords von 4,7 Millionen Arbeitslosen (Stand: Anfang März 2003) gehen fast 70 Prozent der Deutschen davon aus, dass die Entlassungswelle noch weiter rollt. Dies zeigt eine aktuelle Umfrage des Karriere-Portals Jobware (www.jobware.de) unter mehr als 2.000 Usern. 46,3 Prozent der Befragten sind sich sicher, dass in den kommenden sechs Monaten in ihrem Unternehmen Mitarbeiter entlassen werden, weitere 23,4 Prozent halten es für wahrscheinlich. Nur jeder Fünfte rechnet "eher nicht" mit Entlassungen im nächsten Halbjahr, und nur jeder Zehnte ist sich dessen sicher. Besonders düster schätzen Befragte über 40 Jahre und Bürger aus den neuen Bundesländern die Lage ein: In diesen Bevölkerungsgruppen hält es jeweils über die Hälfte für "sicher", dass es in ihrem Unternehmen bald zu weiteren Entlassungen kommen wird.
 
Frauen und Ältere rechnen mit längerer Arbeitslosigkeit
Wer tatsächlich seinen Job verliert, hat es nicht leicht, wieder eine Stelle zu finden. Darüber machen sich die meisten Befragten nur wenig Illusionen: 27,8 Prozent sind zwar relativ optimistisch und hoffen, bereits innerhalb von drei Monaten wieder einen Job zu finden. Ein Drittel (33,4 Prozent) schätzt jedoch, dass zwischen drei und sechs Monaten nötig wären, und 22 Prozent kalkulieren für die Übergangszeit bis zum neuen Job zwischen sechs und zwölf Monate ein. Jeder Sechste rechnet im Falle der Entlassung sogar mit einer Arbeitslosigkeit von über einem Jahr. Frauen befürchten eine längere Arbeitslosigkeit als Männer: Während von den Männern knapp jeder Dritte (30,9 Prozent) annimmt, innerhalb von drei Monaten einen neuen Job zu finden, teilt unter den Frauen nur jede Vierte (25,8 Prozent) diese Ansicht. Von den Über-40-Jährigen glaubt nicht einmal jeder Fünfte (19,5 Prozent) daran.
 
Ich-AG fällt durch
Über das wirkungsvollste Rezept zur Belebung des Arbeitsmarktes herrscht nicht nur in der Politik Ratlosigkeit. Auch die befragten User bewerten die aktuell diskutierten Maßnahmen ganz unterschiedlich. Ein knappes Drittel (31,2 Prozent) erhofft sich mehr Arbeitsplätze von einer Einschränkung des Kündigungsschutzes. Fast genau so viele sehen in einer Verschärfung der Zumutbarkeitsregeln für Arbeitslose (30,3) Prozent) beziehungsweise in einer Senkung der Krankenkassenbeiträge und damit der Lohnnebenkosten (30,1 Prozent) die effektivste Methode. Eine klare Absage erteilen die User dagegen dem Vorzeigeprojekt der Hartz-Kommission: Nur rund acht Prozent der Befragten glauben, dass die Einführung der Ich-AG dem Arbeitsmarkt neue Impulse geben kann.
 
Zustimmung findet eine Lockerung des Kündigungsschutzes mit 34,2 Prozent insbesondere unter den Älteren sowie unter den Befragten in Führungspositionen (37,0 Prozent). In diesen Bevölkerungsgruppen ist anscheinend auch die Angst besonders ausgeprägt, sich im Fall eines Jobverlustes mit einer schlechteren Stellung abfinden zu müssen. Daher sprechen sich nur 23,5 Prozent der älteren Befragten sowie 26,5 Prozent der Führungskräfte für eine Verschärfung der Zumutbarkeitsregeln aus.