Mon Jul 15 00:00:00 CEST 2002, Paderborn

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz - immer noch ein Tabuthema?

Paderborn, 15. Juli 2002

Anzügliche Witze, Hinterherpfeifen, Pin-up-Poster im Büro - sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz kann viele Facetten haben. Zehn Jahre nach der Novellierung des Gleichbehandlungsgesetzes, in dem sexuelle Belästigung ausdrücklich verboten wurde, haben die Deutschen ein Problembewusstsein entwickelt. 43 Prozent halten sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz für relevant. Dies ergab eine vom Karriere-Portal Jobware (www.jobware.de) in Auftrag gegebene Umfrage.
 
Visuelle, verbale oder körperliche Übergriffe sollte es gar nicht geben, trotzdem ist das Thema nach wie vor aktuell. Erwartungsgemäß existieren geschlechterspezifische Unterschiede bei der Bewertung der Frage, ob sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz eine Rolle spielt. Annähernd jede zweite Arbeitnehmerin (48 Prozent) nimmt das Thema ernst. Im Gegensatz dazu bewerten nur 38 Prozent ihrer männlichen Kollegen das Problem als wichtig.
 
Des Weiteren messen jüngere Beschäftigte der Frage sexueller Belästigung mehr Bedeutung bei. 50 Prozent der 18- bis 29-jährigen empfinden ein sexuell aufdringliches Verhalten als relevant im Berufsleben. Mit zunehmendem Alter sinkt diese Einschätzung. Dies könnte zum einen an einer höheren "Attraktivität" und damit stärkeren Betroffenheit jüngerer Mitarbeiter liegen. Andererseits könnte es darauf hindeuten, dass sexuelle Belästigung auch ein Machtgefälle zugunsten des Täters erfordert.
 
Die Annahme, dass Macht und Hierarchie eine Rolle bei Belästigungen spielen, spiegelt sich auch in der Befragung von Führungskräften und deren Untergebenen wider. 61 Prozent der Vorgesetzten rechnen dem Komplex "sexuelle Belästigung" nur geringe Bedeutung zu, bei den Untergebenen sind es 51 Prozent.
 
In deutschen Amtsstuben scheint sexuelle Belästigung eine untergeordnete Rolle zu spielen. Lediglich 32 Prozent der befragten Beamten glauben, dass sexuelle Belästigung ein ernsthaftes Problem darstellt.
 
Das Meinungsforschungsinstitut EMNID führte im Auftrag der Jobware Online-Service GmbH die Umfrage unter mehr als 1.100 Beschäftigten durch. Die Ergebnisse werden unter www.jobware.de in der Rubrik "EMNID-Umfrage" veröffentlicht.