14.03.2001, Paderborn

Mobbing vermiest vielen den Spaß am Job

Paderborn, 14. März 2001

Für 45 Prozent der Beschäftigten in Deutschland ist Mobbing ein Problem. Bei denjenigen, die ihre Stelle wechseln wollen, stuft über die Hälfte (51 Prozent) den Psychoterror am Arbeitsplatz als relevant ein. Dies ergab eine Umfrage unter 1.041 Beschäftigten zwischen 18 und 50 Jahren, die von der Jobware Online-Service GmbH (www.jobware.de) bei EMNID in Auftrag gegeben wurde.
 
21 Prozent der Befragten halten Mobbing sogar für sehr relevant, 24 Prozent immerhin noch für eher relevant. Dabei sind es tendenziell Frauen, die von der Relevanz des Themas Mobbing stärker überzeugt sind als Männer. Weiterhin lässt sich eine Abhängigkeit zum Gehalt feststellen, da für Beschäftigte mit niedrigem und mittlerem Einkommen Mobbing relevanter ist als für Beschäftigte mit hohem Einkommen. Nicht zuletzt hängt Mobbing ganz offenbar auch mit der Betriebszugehörigkeit zusammen: Bei Beschäftigten, die bis zu zwei Jahren im Unternehmen tätig sind, klagen 50 Prozent über Mobbing. Ab einer Betriebszugehörigkeit von mehr als zwei Jahren halten nur noch 43 Prozent der Befragten Mobbing für entsprechend relevant. Das lässt den Schluss zu, dass die persönliche Integration neuer Mitarbeiter vielfach nicht funktioniert.
 
Mobbingopfer sind mit Intrigen, Hinterhältigkeit, Lügen und Täuschungen am Arbeitsplatz konfrontiert. Betroffen vom Psychoterror sind nach Schätzungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes rund 1,5 Millionen Menschen in Deutschland. Einer Broschüre der IG-Metall zufolge sind die Mobber zu 44 Prozent Kollegen oder Kolleginnen, zu 37 Prozent Vorgesetzte, zu 10 Prozent Kollegen und Vorgesetzte gemeinsam und zu 9 Prozent Untergebene. Die Mobbingmotive sind vielfältig. Vorgesetzte wollen oftmals ihre Macht demonstrieren, eigene Fehler kaschieren oder Frustrationen abbauen. Unter Kollegen geht es häufig um die Sicherung des eigenen Arbeitsplatzes. Mögliche Auslöser sind z.B. ungerechte Arbeitsbedingungen.
 
Mobbing (abgeleitet vom englischen Verb to mob = anpöbeln, angreifen, über jemanden herfallen) führt bei den Betroffenen zu psychosomatischen Beschwerden und Krankheitssymptomen. Der schwedische Professor Heinz Leymann hat ermittelt, dass 51 Prozent der Mobbingopfer über Kopfschmerzen, 44 Prozent über Rückenschmerzen und 41 Prozent über Einschlafstörungen klagen. 35 Prozent leiden unter Konzentrationsmangel. Weitere je nach Typ auftretende Symptome sind Schweißausbrüche, Herzklopfen, Magenschmerzen, Erbrechen, Durchfall, Appetitlosigkeit, Schwindel, Zittern, Gereizt- oder Niedergeschlagenheit.
 
EMNID führt im Auftrag der Jobware Online-Service GmbH repräsentative Umfragen unter Berufstätigen zu arbeitsmarktrelevanten Themen wie Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft, Beurteilung der eigenen Situation und Konsequenzen für die Berufs- und Karriereplanung durch, die in regelmäßigen Abständen unter www.jobware.de veröffentlicht werden.
 
Weitere Informationen und Grafiken zur Mobbing-Untersuchung sind hier abrufbar.