Vorstellungsgespräch – Der vorhersehbare Verlauf

Sie sind zum Vorstellungsgespräch eingeladen worden? Keine Panik! Mitarbeiter werden in der Durchführung von Interviews speziell geschult. Mancher Recruiter führt mehrere hundert Interviews pro Jahr durch. Der Verlauf des Gesprächs ist damit regelmäßig vorhersehbar.

Assessment-Center, Dress-Code und Todsünden sind typische Themen, die Sie im Vorfeld beachten sollten.

Der Umfang des Vorstellungsgesprächs
Die Dauer des Vorstellungsgesprächs hängt von der angestrebten Position, der Zahl der Gesprächspartner und manchmal auch Ihrer Überzeugungskraft ab. Für Berufseinsteiger planen viele Unternehmen eine Stunde ein, bei Fach- und Führungskräften kann es auch zwei Stunden und mehr dauern. Je anspruchsvoller oder auch strategisch angelegter die Position und je größer der mit einer etwaigen Fehlbesetzung verbundene Schaden, desto eher werden mehrere Gesprächsrunden geplant, bis die Entscheidung getroffen wird.

Die typischen Phasen des Vorstellungsgesprächs:

Schritt 1: Der Smalltalk
Die erste Phase des Vorstellungsgesprächs dient dem Aufwärmen und gegenseitigen Kennenlernen. Klassische Fragen sind „Haben Sie gut hergefunden“, „Waren Sie schon einmal in Paderborn“ oder „Darf ich Ihnen einen Kaffee anbieten“. In dieser Phase haben Sie bereits die Möglichkeit, Sympathien zu gewinnen. Die ein oder andere scheinbar dem aufwärmen dienende Frage kann aber auch für das Unternehmen schon sehr aufschlussreich sein. Wenn Sie noch nie in Paderborn waren, warum sollten Sie dann hier wirklich arbeiten wollen? Geschah die Bewerbung nur aus Verlegenheit?

Schritt 2: Die Kernfragen – Selbstpräsentation, Motivation, Alleinstellung
Gewöhnlich werden Sie gebeten, sich kurz vorzustellen. Nun haben Sie maximal 5–10 Minuten Zeit, Ihren Lebenslauf strukturiert vorzustellen. Starten Sie bei Ihrer Ausbildung und Ihrem Studium. Erläutern Sie auch jeweils das „warum“, das aus dem Lebenslauf alleine nicht sichtbar wird. Dabei sollten Sie die angestrebte Position fest im Blick haben und bestenfalls schon sehr früh im Leben auf genau diese Position hingearbeitet haben. Auf Praktika sollte nur zu sprechen kommen, wer keine Berufserfahrung anschließend erworben hat. Fokussieren Sie Ihre Ausführungen auf die für den zukünftigen Arbeitgeber wichtigen Stationen und sprechen Sie die übrigen nur sehr kurz an. Die gesamte Darstellung muss gelingen, ohne dass Sie einen Lebenslauf vor sich liegen haben. Wer es anders nicht hinkriegt, berichtet scheinbar nicht aus dem eigenen Leben. Seien Sie vorbereitet auf Fragen nach etwaigen zeitlichen Lücken im Lebenslauf oder nach Gründen für den Wechsel zwischen Arbeitgebern.

Ihr Gesprächspartner wird Sie fragen, wie Sie auf das Unternehmen aufmerksam geworden sind. Wenn Sie dann Jobware guten Gewissens nennen können, dann tun Sie uns und sich einen Gefallen!

Im Gespräch werden Sie auch gefragt, warum die zur Besetzung stehende Position für Sie von Interesse ist und Sie darin für sich eine Verbesserung oder einen Aufstieg sehen.

Nicht immer, aber immer öfter begegnen Sie der Frage „Warum ausgerechnet Sie?“. Der Personaler wird Sie fragen, weshalb sein Unternehmen sich für Sie entscheiden sollte. Stellen Sie heraus, weshalb Sie perfekt für die angestrebte Stelle sind. Wer sich für eine Position im Vertrieb bewirbt, hat spätestens hier sein Vertriebs-Gen zu zeigen.

Schritt 3: Raum für Fragen des Bewerbers
Nach Abschluss der Kernphase wird Ihnen die Möglichkeit eröffnet, Fragen zu stellen. Jetzt können Sie ihre fachliche Qualifikation voll ausspielen und Fragen stellen, die ihre Kompetenz zum Ausdruck bringen. Vermeiden Sie unbedingt geschlossene Fragen, auf die die Antwort „ja“ oder „nein“ lautet. Bringen Sie Ihre Gesprächspartner zum Reden. Schlussendlich gilt, dass jeder sich gerne selber sprechen hört. Je besser Ihnen dies auf einem anspruchsvollen Niveau gelingt, umso mehr wandeln Sie das Interview in ein Gespräch unter Fachleuten. Der positive Eindruck ist Ihnen jetzt gewiss.

Auch wenn manche Ratgeber dies anders sehen, in dieser Phase das Gehalt, die Arbeitszeiten oder den Umfang des Urlaubs anzusprechen ist einer Fach- und Führungskraft unwürdig. Überlassen Sie die Eröffnung dieser Themen und damit den Eintritt in die eigentliche Vertragsverhandlung dem Unternehmen.

Schritt 4: Vertragsverhandlung
Dieser Schritt erfolgt nicht zwingend im ersten Gespräch und ist auch dann davon abhängig, welchen Eindruck die Gesprächspartner aus dem Gespräch bereits gewonnen haben. Dann können Sie sich mit der Frage nach Ihrer Gehaltsvorstellung und Ihrem frühesten Eintrittstermin konfrontiert sehen.

Sollten Sie für die neu angestrebte Tätigkeit umziehen müssen, so wird spätestens auch hier diesbezüglich eine Frage an Sie gerichtet. Die Frage kann Ihre familiäre Situation umfassen. Das Unternehmen möchte ggf. frühzeitig sicherstellen, dass der Wechsel durch Ihre Familie Unterstützung findet.

Schritt 5: Gesprächsabschluss
Hier bedankt sich das Unternehmen bei Ihnen für Ihren Besuch und wird Ihnen mitteilen, wie die weiteren Schritte aussehen könnten. Vermeiden Sie hier oder an anderer Stelle etwaige Fragen nach der Reisekostenabrechnung. Bleiben Sie konzentriert, auch während Sie ggf. bis zur Pforte begleitet werden. Ihr Gesprächspartner wird seinen Eindruck von Ihnen noch in der Phase der Verabschiedung abrunden. Bleiben Sie daher höflich und konzentriert. Und vielleicht können Sie bereits zwischen den Worten heraushören, dass Sie sich sehr gut geschlagen haben.