Todsünden im Vorstellungsgespräch

Sie haben viel Zeit in das Finden und Lesen von Stellenanzeigen und in die Erstellung der Bewerbungsunterlagen investiert. Nun stehen Sie kurz vor dem Ziel! Sie wurden zum Vorstellungsgespräch eingeladen.

Das Unternehmen wird Zeit investieren, um Sie kennen zu lernen und sich ein Bild von Ihnen zu machen. Seien Sie sich bewusst, dass zahlreiche Gesprächspartner schon auf viele tausend durchgeführte Vorstellungsgespräche zurückblicken. Da werden Sie kaum mithalten können.

Ihr Gesprächspartner wird im Gespräch mit Ihnen Muster zu erkennen versuchen. Manches Muster wird ihn an Kandidaten erinnern, die das Unternehmen deutlich vorangebracht haben. Andere Muster lassen ihn erschauern. Nachfolgend stellen wir immer wieder gern gesehene Muster vor, bei denen sich vielleicht sogar die Fußnägel hoch rollen:

Pünktlichkeit: Verspätungen legen einen Mangel an Zuverlässigkeit nahe. Seien Sie daher unbedingt pünktlich. Aber treffen Sie auch nicht zu früh ein. Wer 10–15 Minuten vor dem Termin sich am Empfang meldet, macht einen guten Eindruck.

Handy: Wer während des Interviews angerufen wird, raubt seinen Gesprächpartnern unnötig Nerven und Zeit. Das Handy gehört ausgeschaltet – spätestens bei Betreten des Gebäudes.

Waschlappen: Die Begrüßung erfolgt durch Händedruck. Wer wird eine Führungskraft einstellen, die sich wie ein Waschlappen anfühlt – feucht und weich? Welche Gefühle stellen sich ein, wenn der Augenkontakt beim Händedruck fehlt?

Vorbereitung: Wer auf einfache Fragen zum Unternehmen, seinem Markt und seinen Produkten keine Antworten weiß, dem wird Desinteresse unterstellt. Je mehr Sie über das Unternehmen, seinen Markt, seine Produkte, die von Ihnen angestrebte Position und Ihre Gesprächspartner wissen, desto leichter wird es Ihnen fallen, Ihre Begeisterung für den Job glaubhaft zu vermitteln.

Sympathie gewinnen: Ihr Äußeres muss zu Ihnen persönlich und der angestrebten Position in dem jeweiligen Unternehmen passen. Stein des Anstoßes können gleichermaßen Manschetten-Knöpfe, kurze Röcke, dicke Uhren, Nasen- oder Ohrringe oder auch Plastiktüten mit Bewerbungsunterlagen sein. Je mehr Sie ihren Gesprächspartnern ähneln, desto besser. Die meisten Menschen mögen sich im Spiegel.

Geruchssinn: Kann man Sie nicht riechen, folgt die Absage. Achten Sie unbedingt darauf, dass das Deo nicht versagt. Die Anreise im überhitzten Auto, das Hetzen durch den Bahnhof oder Stress können Schweißausbrüche hervorrufen.
Wer kurz zuvor Knoblauch isst, Zigaretten raucht, sich mit Parfum oder Aftershave übergießt oder seine Zähne nicht putzt, handelt fahrlässig.

Aufmerksamkeit: Merken Sie sich die Namen Ihrer Gesprächspartner. Wer Namen vergisst, zeigt mangelnde Konzentration, ein schlechtes Gedächtnis oder einfach wenig Interesse an den Gesprächspartnern. Warum sollen diese sich dann Ihren Namen merken und genau Ihnen anschließend zusagen?

Haltung: Angst und Unsicherheit lassen sich aus der Körperhaltung ebenso ablesen wie Aggressivität. Wer gebeugt den Raum betritt, wirkt wenig überzeugend. Wer seine Arme hinter dem Kopf verschränkt, zeigt vielleicht ungewollt Dominanz. Wer seine Finger ständig bewegt, ggf. noch rhythmisch auf den Tisch klopft oder gar mit der Faust auf den Tisch haut, verkürzt erfolgreich das Bewerbungsgespräch. Frauen sollten es vermeiden, die Blicke auf ihre Beine zu lenken, ihren Bauchnabel zu präsentieren oder ihr Dekolleté verheißungsvoll zur Schau zu stellen.

Höflichkeit: Hören Sie zu. Zeigen Sie Interesse. Wer dem gegenüber ins Wort fällt, Aussagen richtigstellt oder sich vehement mit Wörtern wie „aber“ und „trotzdem“ verteidigt, weckt negative Gefühle.

Verhandlungsgeschick: Wer die Größe des Dienstwagens, das Gehalt, das Weihnachtsgeld, die Zahl der Urlaubstage, die Überstundevergütung oder die Arbeitszeiten unaufgefordert anspricht, redet sich um Kopf und Kragen. Erst müssen Sie überzeugen, dann kommt die Verhandlung. Und diese Phase ist vom Unternehmen einzuläuten. Und hier gilt es für Sie, den Verhandlungsraum vorsichtig auszuloten und zugleich das Interesse des Unternehmens an Ihnen weiter zu verfestigen, bevor Sie sich festlegen.

Anstand: Welcher Arbeitgeber wünscht sich schon einen Mitarbeiter, der in der Zukunft vielleicht auch schlecht über ihn reden wird. Vermeiden Sie jede Kritik an vorhergehenden Arbeitgebern. Zeigen Sie, dass Sie zu schweigen wissen.

Glaubwürdigkeit: Wer sich in Widersprüchen verfängt, ist draußen. Geübte Interviewer werden Ihnen unauffällig verteilt über mehrere Gespräche mehrfach die gleiche Frage stellen. Bleiben Sie bei der Wahrheit. Manch einer unterschätzt die positive Wirkung von Ehrlichkeit, auch im Hinblick auf offensichtliche Lücken im Lebenslauf, die es nachvollziehbar zu erklären gilt und die schlussendlich einfach menschlich sind.

Zuhören: Wer das Interview als Bewerber mit Monologen füllt, fühlt sich vielleicht wohl, erhält aber regelmäßig eine Absage. Hören Sie zu. Bringen Sie in Erfahrung, was dem Unternehmen wichtig ist. Zeigen Sie Interesse und liefern Sie aufbauen auf dem so gewonnenen Wissen passende Antworten. Je intensiver der Dialog, d. h. der Wechsel zwischen den jeweiligen Redeanteilen, desto besser gelingt der Informationsaustausch. So entsteht Sympathie.