Inserate richtig lesen

In der Ausschreibung von offenen Stellen werden fachliche und persönliche Anforderungen an den idealen Bewerber formuliert. Beim Lesen der Angebote stellt sich häufig die Frage, auf welche Fähigkeiten das Unternehmen bei der Auswahl dann wirklich großen Wert legt. Wir zeigen Ihnen, worauf Sie beim Lesen einer Stellenanzeige achten sollten.

Das klassische Stelleninserat setzt sich regelmäßig aus den folgenden fünf Blöcken zusammen. In jedem dieser Blöcke können wertvolle Informationen versteckt sein:

„Wer wir sind …“
Das Unternehmen stellt sich vor. Diese Informationen können für das Vorstellungsgespräch hilfreich sein. Achten Sie darauf, welches Unternehmen wirklich inseriert. Gerade bei Tochterunternehmen ist dies nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. Hier finden sich ggf. wertvolle Informationen zu geplanten Projekten, zum Geschäftsverlauf und zur Organisationsstruktur.

„Wir suchen …“
Hier steht die Bezeichnung der angebotenen Stelle. Sie sticht regelmäßig hervor. Lassen Sie sich durch schwer verständliche, vielleicht auch englische Bezeichnungen nicht beeindrucken. Manchmal sind sie einfach ein Ergebnis einer komplizierten Organisationsstruktur und bringen keine besonderen Anforderungen zum Ausdruck. So ist ein „Incoming and Outgoing Correspondence Managing Director (m/w)“ einfach für die Poststelle zuständig. Die in der Anzeige beschriebenen Aufgaben, Anforderungen und erwartete Qualifikationen sind deutlich wichtiger als der Titel der Position. Nur hier erfahren Sie, was sich tatsächlich hinter der Stellenbezeichnung verbirgt.

„Wir erwarten …“
Hier stehen die geforderten Anforderungen und Qualifikationen, häufig mit Aufgaben und Profil überschrieben. Doch nicht alles, was hier steht, wird wirklich vollumfänglich gefordert. Muss-Voraussetzungen sind erkennbar an Schlüsselwörtern wie „erforderlich“, „unabdingbar“, „notwendig“ oder „setzen wir voraus“. Optionale Voraussetzungen, die sich das Unternehmen somit wünscht, werden hingegen beispielsweise durch „idealerweise“ oder „wünschenswert“ abgeschwächt.

Achten Sie darüber hinaus auf erwartete Anforderungen, die nur implizit aufgeführt werden: Bewerben Sie sich beispielsweise in einem Unternehmen auf eine Stelle, die Kontakt mit dem spanischen Mutterkonzern mit sich bringt, können gute Spanischkenntnisse erforderlich sein. Unternehmen benutzen in Jobausschreibungen häufig ungenaue Adjektive wie „stark“, „hohe“ oder „sicher“. Anforderungen wie „mehrjährige Erfahrung“ und „ausgeprägte Problemlösungskompetenz“ lassen viel Raum für Interpretation: Lassen Sie sich von solchen ungenauen Anforderungen nicht abschrecken. Ob Sie über zwei, fünf oder sieben Jahre Berufserfahrung verfügen, bewerben Sie sich. Ähnlich verhält es sich etwa mit der „ausgeprägten Problemlösungskompetenz“: Ein Problem zu lösen, ist eine grundlegende Eigenschaft des Menschen. Das können Sie also.

Wenn Sie sich bei einer Formulierung unsicher sind, dann bewerben Sie sich im Zweifel einfach oder kontaktieren Sie die Personalabteilung des Unternehmens und bringen Sie so ganz nebenbei schon einmal Ihren Namen ins Spiel. Ihr Bewerbungsanschreiben beginnen Sie dann mit „Bezug nehmend auf unser Telefonat vom …“.

Achten Sie auf Angaben zu Sprachen: „Sehr gute Englischkenntnisse“ oder „verhandlungssicheres Spanisch“ sind Angaben, die sich nach bestimmten Werten richten. Vergleichen Sie unsere Tipps zum Lebenslauf.

„Wir bieten …“
Was bietet Ihnen das Unternehmen? Hier finden Sie besondere Schmankerl, mit denen ein Unternehmen Ihnen die Stelle schmackhaft machen möchte, etwa einen Dienstwagen zur privaten Nutzung, Umzugskostenerstattung oder die Option auf eine Betriebswohnung.

Eine „interessante Vergütung“ kann ein gutes Festgehalt sein. Es ist aber auch möglich, dass es erst durch flexible Vergütungsbestandteile richtig interessant werden kann. Was ein „überdurchschnittliches Gehalt“ bedeutet, das werden Sie erst dann erfahren, wenn Sie das Unternehmen für sich einnehmen konnten. Solange sollte die Adressierung dieses Themas für Sie tabu sein.

„Wir bitten um …“
Hier finden Sie Informationen zur erwarteten Form sowie zum erwarteten Umfang der Bewerbung. Diese Daten, wie z. B. den Ansprechpartner oder die Kennziffer, korrekt in das Anschreiben zu übernehmen, sollte ebenso selbstverständlich sein wie die Beachtung der Bewerbungsfrist.
 

Fazit – wann bewerben?
Bewerben Sie sich, wenn Sie die Anzeige vollständig verstanden haben und Sie entweder die Muss-Anforderungen erfüllen oder Sie relativ sicher sind, dass kaum ein anderer Bewerber alle Muss-Anforderungen erfüllen wird. Schließlich gilt: Je knapper der Markt, umso flexibler das Unternehmen. Zögern Sie nicht! Je schneller Sie sich bewerben, umso größer sind nach unseren Studien Ihre Chancen!
 

Hinweis: Sperrvermerk und Chiffre
Es gibt unterschiedliche Gründe für eine Chiffre-Anzeige. Die Position kann noch besetzt sein. Der Wettbewerb soll nicht über eine Ausweitung des Geschäftsfeldes informiert werden. Das Unternehmen möchte nur mit geeigneten Kandidaten in Kontakt treten.

Sollte es sich um Ihren aktuellen Arbeitgeber handeln können, so sollten Sie sehr vorsichtig sein. Immer seltener werden Sperrvermerke berücksichtigt. Dies gilt nicht, wenn Ihre Bewerbung zunächst einer Personalberatung zugeht!