Regelstudienzeit überschritten? Arbeitgeber nehmen’s gelassen

"Oh Gott, ich bin im siebten Semester und habe immer noch nicht alle ECTS-Punkte für die Bachelorarbeit zusammen!" Kommt euch dieser Satz bekannt vor? Es scheint, als wenn man das in den Gängen der Uni heute von allen Seiten hört. Das böse Wörtchen "Regelstudienzeit" sitzt hämisch auf unserer Schulter und trinkt sich mit dem Hartz VI-Männchen schon mal ein Bierchen. So zumindest scheint es uns: Wenn wir nicht in sechs Semestern das Studium schaffen (fünf Praktika, Auslandssemester und exzellente Noten eingeschlossen), können wir das mit dem Einstiegsjob eh gleich knicken. Im Angesicht der Zukunft büffeln wir also was das Zeug hält und versuchen, dem schlechten Gewissen zuvor zu kommen oder, besser noch, gleich unter der Regelstudienzeit zu bleiben. Aber lohnt sich das überhaupt beziehungsweise interessiert das die Arbeitgeber?

Diese Frage hat für den Segen der Studenten jetzt endlich Justus Bender in der Zeit gestellt. Er beschreibt die irrationale Paranoia einiger Studis, wie dem 20-jährigen Felix, der sein Bachelor-Studium in drei Semestern abschloss und nebenbei sicher nicht viel vom Leben gesehen hat. Die im Hintergrund tickende Karriere-Uhr ist wohl auch ein Grund, warum mein Mitbewohner, Informatik-Student im 28. Semester, seit einem halben Jahr endlich mal Dampf macht und im Akkord für Prüfungen lernt.

Vor wenigen Jahren noch war der Langzeit-Student ein zwar nicht gern, dafür aber häufig gesehenes Phänomen an deutschen Unis. Die Wirtschaft schrie mit Blick auf die Konkurrenz anderer Industriestaaten nach jüngeren Absolventen. Mit Einführung von Studiengebühren und Bachelor / Master haben sie diese nun bekommen – und beschweren sich neuerdings über Absolventen, die noch zu grün hinter den Ohren sind. Tatsächlich hat aber die Studiendauer keine Auswirkungen auf das spätere Gehalt. Im Gegenteil werden Studenten, die mehr Praxis mitgenommen haben und dafür länger studieren mussten, bevorzugt eingestellt. Als Beweis zitiert Bender nicht nur Studien, sondern auch einige Personalchefs, die es ja wirklich wissen müssen.

Die Ängste werden also lediglich ausgelöst durch die Berichterstattung in den Medien: Karriereratgeber propagieren immer noch, dass das schnelle Studium ein entscheidender Erfolgsfaktor bei der Jobsuche sei. Statt auf Teufel komm raus durch's Studium zu rasen, sollten Studenten also lieber ein bisschen Muse walten lassen und neben der dazu gewonnenen Zeit versuchen mit Jobs, Praktika oder sonst was Erfahrungen zu sammeln. Und zum Prozess der persönlichen Reifung gehören nun mal auch der Rucksack-Trip durch Indien oder entspannte Gespräche in der Cafeteria…