Noteninflation an deutschen Hochschulen

Dass das Notensystem an Schulen und Universitäten nicht zu 100 Prozent objektiv und vergleichbar ist, steht außer Frage. Noten hängen von vielen Faktoren ab, die sich nicht steuern lassen. Gerade an der Uni ist man immer wieder verwundert, wie häufig es Einsen und Zweien regnet. Kein Wunder also, dass bei einer 2,7 schon mal die Tränen bei den Kommilitonen fließen.

Der deutsche Wissenschaftsrat kritisiert diese Entwicklung in einem bislang unveröffentlichten Bericht: In den vergangenen Jahren hätten sich die Noten an Universitäten und Fachhochschulen deutlich verbessert. 80 Prozent der Absolventen erhielten demnach ein „sehr gut“ oder „gut“. Vor zehn Jahren waren es „nur“ 70 Prozent. Der Vorsitzende des wissenschaftspolitischen Gremiums warnt vor einer „Noteninflation“ und einer „Aufweichung der Bewertungsstandards“ und kritisiert, dass die Notenskala nicht mehr komplett ausgeschöpft werde.

Auch die fachlichen Unterschiede sind deutlich erkennbar: In den Naturwissenschaftlichen Fächern schließen 98 Prozent der Absolventen mindestens mit einem „befriedigend“ ihr Studium ab. Im juristischen Staatsexamen und der Medizin sind die Noten „sehr gut“ und „gut“ mit nur sieben Prozent eine echte Seltenheit.

Aber auch zwischen den Universitäten stellte der Wissenschaftsrat große Unterschiede in den durchschnittlichen Abschlussnoten der Absolventen fest. So haben Studierende der Germanistik an der Uni Gießen mit einer 1,6 eine durchschnittliche bessere Abschlussnote, als Germanisten an der Humboldt Uni in Berlin, wo Studierende durchschnittlich eine 2,2 erhielten. Die Experten glauben, dass die unterschiedlichen Fächerkulturen zu dieser Entwicklung geführt haben.

Noten haben, wer hätte das gedacht, also nur eine recht eingeschränkte Aussagekraft. Der Wissenschaftsrat fordert daher einen einheitlichen Bewertungsstandard einzuführen und durch die volle Ausschöpfung der Notenskala eine bessere Aussagekraft zu gewährleisten.
Was haltet ihr von dem Benotungssystem in den Hochschulen oder der Schule? Gibt es alternative Bewertungssysteme?