Mindestlohn: Generation Praktikum hat ausgedient

Seit April diesen Jahres steht es fest: Ab Januar 2015 gibt es deutschlandweit einen gesetzlichen Mindestlohn. Dies wurde vom Bundestag trotz anfänglicher Kritik seitens der Arbeitgeber und Gewerkschaften mit großer Mehrheit beschlossen.

Das "Gesetz zur Stärkung der Tarifautonomie" hat zum einen das Ziel, die Arbeitnehmer vor unangemessenen Niedriglöhnen zu schützen und den Wettbewerb der Unternehmen nicht zum Nachteil der Arbeitnehmer in Form sinkender Löhne zu gestalten. Zwar wollte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles den Mindestlohn ausnahmslos für alle Branchen durchsetzen, musste sich aber mit einem Kompromiss zufrieden geben. Dieser sieht vor, dass es für Saisonarbeiter, Zeitungszusteller, Jugendliche unter 18 Jahren, Langzeitarbeitslose und Praktikanten einige Ausnahmeregelungen gibt.

Nicht alle Praktika werden über den Mindestlohn vergütet

So sind Praktikanten vom Mindestlohn ausgeschlossen, wenn es sich bei ihrem Praktikum um ein Pflichtpraktikum im Rahmen des Studiums, der Schule oder der Ausbildung handelt. Des Weiteren werden auch freiwillige Praktika nicht vom Mindestlohn abgedeckt, sofern sie weniger als drei Monate dauern und der Orientierung während des Studiums, bzw. der Ausbildung, dienen. Auch sogenannte Praxisphasen, die zum Beispiel während eines dualen Studiums oder bei praxisintegrierten Studiengängen verpflichtend sind, fallen unter die Ausnahmeregelung. Zusätzlich werden Minderjährige in Deutschland komplett vom Mindestlohn ausgeschlossen. 

Wer hat Anspruch auf Mindestlohn?

Bei so vielen Ausnahmen stellt sich die Frage, was sich für die 'Generation Praktikum' mit dem gesetzlich festgelegten Mindestlohn eigentlich ändert. Laut sueddeutsche.de äußerte Bundesarbeitsministerin Nahles im Juni 2014, dass Studierende in Zukunft nicht mehr "monatelang für lau ausgenutzt" werden. Studierende und Auszubildende können es sich häufig nicht leisten, unbezahlte Praktika über einen längeren Zeitraum zu absolvieren. Daher gilt der Mindestlohn für all jene, die im Rahmen ihres Studiums oder der Ausbildung ein freiwilliges Praktikum absolvieren, das über einen Zeitraum von drei Monaten hinausgeht. Gleiches gilt für Orientierungspraktika, die länger als drei Monate dauern. Aber auch Praktikanten, die nicht mehr in einem Ausbildungsverhältnis, egal ob Studium oder Berufsausbildung, stehen und demnach über einen Abschluss verfügen, haben Anspruch auf den Mindestlohn.

Anspruch auf schriftlichen Praktikumsvertrag

Des Weiteren haben alle Praktikanten mit Anspruch auf Mindestlohn laut der Neuregelung auch den gesetzlichen Anspruch auf einen schriftlichen Praktikumsvertrag. Dieser muss dem Praktikanten vor Beginn des Praktikums mit den zentralen Bedingungen schriftlich ausgehändigt werden.

Deutschland hinkt hinterher

In der EU wurde der gesetzliche Mindestlohn bereits in den meisten Ländern eingeführt. Ohne Mindestlohnregelung sind  in der Europäischen Union bislang noch unter anderem Italien, Dänemark, Österreich und Schweden. Mit 8,50 Euro liegt Deutschland im oberen Mittelfeld. In Frankreich liegt der Mindestlohn bei 9,53 Euro und damit an der Spitze, Tschechien bildet mit 2,01 Euro das Schlusslicht.