Existenzängste im Studium

Häufig denkt man bei Studenten an lange Party-Nächte, bis mittags schlafen und an die wohl vermeintlich schönste Zeit im Leben. Das Geld ist zwar nicht das meiste, aber man kommt schon irgendwie durch. Dass dies aber nicht auf jeden Studenten zutrifft, zeigen Deutschlands Tafeln. Denn immer mehr junge Leute nutzen dieses Angebot, wenn auch sehr ungern. Mehr als die Hälfte aller Studenten lebt weit unter der Armutsgrenze, allerdings weiß man zu wenig darüber, da sich die Armut meist unterschiedlich bemerkbar macht. Die Gründe dafür sind auch oft verschieden. So lassen beispielsweise einige Studiengänge einfach keinen Platz für einen Nebenjob.

Aber nicht nur der Mangel an Zeit ist ein Grund für die Armut vieler Studenten. Einigen wird ihr Bafög wegen unglücklicher Zufälle einfach gestrichen. Auch die Wohnungssuche gestaltet sich oft schwierig, da die Mieten in den vergangenen Jahren in vielen Städten erheblich gestiegen sind. Dann bleibt meist kein Geld mehr und keine andere Möglichkeit als der Weg zur Tafel. "Es fühlt sich richtig schlecht an, wenn man Leistungen in Anspruch nimmt, die eigentlich für Leute sind, denen es noch schlechter geht als einem selbst. Es ist eine überaus merkwürdige Situation, ich versuche, das so gut es geht zu verdrängen," erzählt ein Student aus Kassel im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung.

Und weil die Zahl der hilfsbedürftigen Studenten in den Uni-Städten stetig ansteigt, eröffnet in Münster bald die erste Uni-Tafel, weil die Hemmschwelle, dieses Angebot wahrzunehmen, dann deutlich niedriger sei. "Die Zahl der Studenten, die zu uns kommen, ist in den vergangenen Monaten sehr stark gewachsen", sagt Manfred Baasner von der Wattenscheider Tafel. Auch in Paderborn, Leipzig und Berlin steigt der Zulauf an Studenten. Das Problem der Studentenarmut zeigt sich allerdings nicht nur hierzulande. Auch in den USA haben die Studenten mit der Finanzierung ihres Studiums und Existenzängsten zu kämpfen. Dort verteilen ehrenamtliche Helfer inzwischen Essenspakete an ihre Kommilitonen, damit diese nicht hungrig nach Hause gehen müssen.