Brennpunkt Arbeitszeit: Praktikanten sollten Stunden im Auge behalten

Für Praktikanten ist es oft schwierig, gegen arbeitsrechtliche Verstöße im Unternehmen vorzugehen. Eine faire Behandlung beginnt schon bei der Arbeitszeit. Doch was tun als Praktikant, wenn jeden Tag Überstunden geschoben werden?

Für Hochschulabsolventen ist – nach dem Studium – oftmals ein Praktikum der erste Schritt, um in eine Festanstellung zu gelangen. Um vom Praktikum wirklich zu profitieren und nicht übervorteilt zu werden, steht eine gute Selbstinformation an erster Stelle.

Als Praktikant sollte man Gelegenheit haben, praktische Erfahrungen, ergänzend zu Ausbildung oder Studium, zu sammeln. Sprechen Sie schon vor dem Praktikumsantritt mit dem Arbeitgeber, um Missverständnisse bezüglich des Arbeitspensums zu vermeiden.

Was im Arbeitsvertrag stehen sollte

Wie viele Stunden am Tag der Praktikant arbeitet, wann der Arbeitstag beginnt und wann er endet – das ist Bestandteil des schriftlich zu fixierenden Arbeitsvertrages. Wenn ein Praktikant die maximale Anzahl von acht Stunden täglich überschreitet, muss dies an anderer Stelle mit Freizeit wieder ausgeglichen werden. Unbezahlte Überstunden müssen nicht geleistet werden!

Sollte ein Praktikant an einem Sonntag arbeiten, so ist es üblich, an den darauffolgenden zwei Wochen einen Tag als Ausgleich zu gewähren. 

Nach sechs Stunden am Arbeitsplatz stehen dem Praktikanten gesetzlich vorgeschrieben 30 Minuten Pause zu – egal, was der Chef oder der Arbeitsvertrag sagt. Auch umfasst der Arbeitsvertrag eine Tätigkeitsbeschreibung / Beschreibung des Aufgabenbereichs, sodass reines Kopieren und Kaffeekochen nicht hingenommen werden müssen.

Wie man sich durchsetzt

Obwohl der Arbeitsvertrag Praktikanten eine hohe Rechtssicherheit bietet, muss bei Verstößen gegen die Arbeitszeit nicht gleich mit dem Rechtsweg gedroht werden.

Als Praktikant sollten Sie zunächst Ihre tatsächlich erbrachte Arbeitszeit und die darin geleistete Arbeit über ein paar Tage hinweg notieren – unabhängig von der Zeiterfassung durch das Unternehmen. Dies verbessert nicht nur Ihre Beweisgrundlage, sondern hilft Ihnen, den Überblick über den Praktikumsverlauf zu behalten. Liegen die geleisteten Stundenzeiten weit über dem vertraglich geforderten Maß oder verdonnert man Sie täglich zu völlig stellenuntypischen Aufgaben, dann ist zunächst ein klärendes Gespräch ratsam.

Anstatt gleich Forderungen zu formulieren, sollten Sie am besten mit Ihrem Praktikumsbetreuer / Vorgesetzten über Ihre Leistungen und den weiteren Praktikumsverlauf sprechen. Manche Betreuer sind sich gar nicht bewusst, wie monoton eine Tätigkeit ist oder dass Überstunden anfallen. Erst wenn sich nach solch einem Gespräch keine Änderung abzeichnet, sollten Praktikanten auch den geschlossenen Praktikumsvertrag argumentativ heranziehen.

Überstunden kein notwendiger Motivationsbeweis

Die vereinbarte Regelung zur Arbeitszeit verpflichtet Arbeitnehmer und Arbeitgeber gleichermaßen. Als Mitarbeiter, wenn auch auf Zeit, steht Ihnen die Einhaltung der vertraglichen und gesetzlichen Regelungen zur Arbeitszeit zu. Das Erbringen von Überstunden ohne Kompensation ist ein unnötiger Motivationsbeweis, den Sie nicht hinnehmen müssen.