Absolventenpraktika – Ausbeutung oder gute Chance?

Absolventen stehen nach ihrer Ausbildung vor einer großen Herausforderung, dem Eintritt in das Berufsleben. Ein Praktikum nach dem Besuch einer Hochschule verzögert zwar den Berufsstar – ist aber nicht unüblich.

Wer nicht direkt in den Wunschjob findet, nutzt immer häufiger Absolventenpraktika als Türöffner. Schnell kann aus einem Absolventenpraktikum eine Trainee-Stelle, ein Volontariat oder eine Festanstellung werden.

Wer ein Absolventenpraktikum sucht, hat üblicherweise einen hohen Anspruch an das Praktikum. Obwohl sich ein Absolventenpraktikum rein rechtlich nicht von einem freiwilligen Praktikum unterscheidet, sollten die Praktikumsziele mit dem zukünftigen Arbeitgeber besprochen werden. Generell ist es ratsam, Inhalte eines Praktikums vor Arbeitsantritt abzuklären und vertraglich zu fixieren, damit eine qualitative Grundlage gewährleistet ist.

Achtung Schein-Praktikum

2013 offenbarte eine Anfrage an den Bundestag, dass Auszubildende immer häufiger als billige Arbeitskräfte eingesetzt werden. Ähnlich ergeht es manchen Praktikanten, die für im „Schein-Praktikum“ geleistete Arbeit nicht entlohnt werden. Eine erfolgreiche Klage gegen einen Discounter beschäftigte 2014 die Presse.

Absolventenpraktikum als Karrierechance

Kultur- und Sozialwissenschaftler benötigen meist etwas länger, um eine Festanstellung zu finden. Viele kreative Köpfe sind hochmotiviert, doch warten die ersten Wochen oder Monate vergebens auf ein Vorstellungsgespräch. Da sie ihren Bedarf am Arbeitsmarkt zu pessimistisch einschätzen, lassen sich viele Absolventen verfrüht auf schlechte Praktika ein. Absolventenpraktika sind keine unbezahlten Vollzeitjobs.

Tipp

Geraten Sie nicht in Panik. Tausende Praktika für Studierende und Absolventen bieten angemessene Konditionen.

Generell sollte man sich vor Jobeintritt darüber informieren, welches Gehalt in der Branche üblich ist. Werden Praktikanten wie reguläre Arbeitskräfte eingesetzt, dann ist eine Bezahlung verpflichtend.

Generation Praktikum?

Absolventenpraktika sind keine Folge einer nur scheinbar schwer in Vollzeitbeschäftigung gelangenden Generation. Auch die begehrten Absolventen der Ingenieurswissenschaften und der Betriebswirtschaftslehre nutzen Absolventenpraktika, um sich zu orientieren oder versäumte Praxiserfahrung nachzuholen. Erst wenn aus dem Absolventenpraktikum ein Dauerpraktikum wird, sollten Absolventen die Reißleine ziehen.

Fazit

Zeitlich begrenzt, angemessen entlohnt und der fachlichen Weiterentwicklung dienlich – das sind Absolventenpraktika im besten Fall.