Kleider machen immer noch Leute

Im modernen Business hat sich die Office-Garderobe  im vergangenen Jahrzehnt gewandelt. Wo einst die Krawatte zum guten Ton gehörte, tut es jetzt auch das dezent gemusterte Outdoorhemd zur Jeans. Und Firmengründer der New-Economy und Gründerszene sind mit ihrer Garderobe oftmals auf Augenhöhe mit dem Lieferanten, der mittags die Pizza bringt. 

Sogar in der internationalen Politik werden die Krawatten immer häufiger im Schrank gelassen – das ging vor etlichen Jahren höchstens in Camp David, wenn Staatsoberhäupter in Lambswool-Pullis zum Austausch durch die dortigen Wälder streiften. Dass aber zu viel Coolness und Lockerheit bei der Wahl der Garderobe auch sehr negativ wirken kann, beweist das aktuelle Beispiel des griechischen Finanzministers Varoufakis: Vielleicht sollte man das Hemd unterm Anzug beim Treffen mit anderen Finanzministern in Brüssel nur dann aus der Hose tragen, wenn deren Taschen nicht ganz leer sind – sonst erntet man schnell Spott und negative Würdigung.


Stil und Form gehören zum ernsten Business

Also halten wir fest: Im Business gelten nach wie vor Bekleidungskodizes, die auch junge, aufstrebende Talente beherzigen sollten. Denn damit erweist man den Gastgebern oder Gesprächspartnern Respekt und akzeptiert, dass Stil und Form nun mal zu einem fairen Business gehören.

Nur wann ist welches Outfit passend? Die gängigen Dresscodes regeln das zwar eindeutig, sind allerdings in ihrer Bedeutung aus semantischer Sicht oft nicht ganz präzise.

Daher hier ein Überblick, womit Sie bei welchem Anlass nicht Gefahr laufen, als „underdressed” und junger (oder alter) „Flegel” betitelt werden (zumindest, wenn Sie den Raum verlassen haben).

Business (offiziell)

Hier sind Anzug und Krawatte Pflicht. Am sichersten sind Sie mit einem dunklen Anzug und Weste unterwegs. Bei der Hemdfarbe sind Pastelltöne ok, auch dezente Muster. Aber auf keinen Fall sollten Sie zu viele Muster miteinander kombinieren, und auch die Krawatte darf zwar „Farbe” zeigen, aber bitte nicht schrill.

Dass Schuhe und Gürtel aus einem Farbschema stammen, ist hoffentlich bekannt. Nein? Gilt eigentlich immer. Also bitte keinen braunen Gürtel zum schwarzen Schuh. Socken-Tipp: Schmeißen Sie doch einfach alle weg, die nicht schwarz sind. Denn die schwarze Socke passt immer.

Business (hochoffiziell, Empfang und ähnlich hochkarätige Anlässe)

Hier gilt ähnliches wie oben. Nur bei den Hemden am besten Weiß, vielleicht noch helles Gelb oder dezentes Blau. Dann aber bitte mit einer dezenten Krawatte abrunden. Und hier machen sich schlichte Manschettenknöpfe gut. Schwarze Schuhe sind Pflicht – die Socken sind sowieso klar und der Gürtel (siehe oben) auch.

Semi formal

Halbförmlich hieße das frei übersetzt. Aber Vorsicht: Falle! Semi formal ist kaum zu unterscheiden von offiziellen Business-Dresscode – sagen wir mal, das ist einfach ein alternativer Ausdruck. Dunkler Anzug ohne wildes Muster, ein dezentes Hemd und eine Krawatte passen hier. Dazu schwarze oder braune Schuhe. Helle Anzüge, Alternativen unter dem Jackett wie Pulli, Polo oder Kurzarmhemd gehen gar nicht.

Business Casual:

Jetzt wird es endlich freizeitlich: der Chef lädt zum Grillen ein, der Geschäftspartner zum Cocktail am See. Ob hier eine Jeans geht, darüber streiten sich die Gelehrten. Auf jeden Fall gehen Cord-, Baumwoll und sonstige Hosen, die nicht schlabbern oder eher für die Gartenarbeit gedacht sind. Dazu Hemd ohne Krawatte, ein Pulli zum über die Schultern Legen und sportliche Lederschuhe. Poloshirt und einfarbiges T-Shirt in Verbindung mit einem Sportsacco gehen auch. Aber unbesockte Schuhe, Shorts und Band-T-Shirts wären auch hier zu salopp.

Generell gilt natürlich: Richten Sie sich am besten nach dem Outfit Ihrer Gastgeber, falls der Anlass in ähnlicher Form schon einmal stattgefunden hat. Wenn Sie ins „kalte Wasser springen” ist es auf jeden Fall ratsam, zu „overdressed” zu tendieren. Denn eine Krawatte können Sie zwar schnell verschwinden lassen. Aber eine zu besorgen, wenn Sie feststellen, dass Sie der einzige ohne sind, könnte schwierig werden.

 

von Christian Bonk