Selbstständigkeit – Das muss man mögen!

Gerade für Text- und Bildschaffende scheint eine Tätigkeit als Freiberufler besonders geeignet zu sein. Nachdem ich (39) eine feste Anstellung in einer Redaktion verloren hatte, da der Zeitschriftentitel eingestellt wurde, für den ich zuständig war, entschloss ich mich zur Selbstständigkeit. Sowohl der ehemalige Arbeitgeber als auch ein anderer Verlag, zu dem ich über Themenaustausch Kontakt hatte, stellten mir regelmäßige Aufträge auf Honorarbasis in Aussicht.

Also richtete ich mir zu Hause ein Büro ein und konnte recht schnell erste Beiträge verkaufen – anfänglich für meinen „alten Verlag”. Themen waren nach einem Meeting rasch gefunden, Expertise hatte ich für den Bereich Gesundheit sowieso durch den vorherigen Redakteurs-Job.  Also legte ich los mit zwei Servicebeiträgen und einer Reportage.

Die Geschichten haben Spaß gemacht, demzufolge war ich schnell fertig und gab noch vor dem vereinbarten Abgabetermin Text und Bilder in der Redaktion ab. Das fing eigentlich ganz gut an, weil inzwischen auch ein Auftrag für die regelmäßige Mitarbeit für ein Online-Magazin auf dem neuen, heimischen Schreibtisch lag.

Die Zahlungsmoral von Auftraggebern kann Nerven kosten

Eine erste Ernüchterung erfuhr ich, als ich für die Beiträge im „Exverlag” meine Honorarrechnung einreichte. Dort sagte man mir in der Buchhaltung, dass die beiden Servicebeiträge ja noch nicht erschienen waren und sich die Honorierung daher um ein Heft verschiebe.

Der andere, größere Beitrag wurde zwar schneller bezahlt, allerdings wurden meine Spesen (ich musste für die Reportage nach Österreich fahren) herausgestrichen mit dem Argument, dass es für Freie keine bindende Reisekostenvereinbarung gäbe.

Fazit nach den ersten vier Wochen Selbstständigkeit: Eine halb bezahlte Rechnung, zwei ausstehende. Auf dem Konto standen nun knapp tausend Euro Einnahmen den Abbuchungen der üblichen Fixkosten gegenüber: so war ich bereits nach dem ersten Monat gut im Minus.

Auch wenn das Geschäft läuft: Akquise gehört rund um die Uhr dazu

Immerhin tat sich im kommenden Monat etwas beim Onlinemagazin. Beiträge wurden veröffentlicht und auch bezahlt. Allerding wurde ich für eineinhalb Tage zur Schulung aufs Content-Management-System einbestellt. Bezahlung? Fehlanzeige.

Durch diese beiden Auftraggeber kam ich nach drei Monaten gerade so über die Runden. Allerdings bei sehr unregelmäßigen Arbeitszeiten und stets mit der Sorge im Nacken, ich könnte ja einen Auftrag verlieren. Was ich auch unterschätzt habe, war der bürokratische Aufwand, den sogar eine schlichte Freiberufliche Tätigkeit nötig macht. Umsatzsteuer-Voranmeldung, Rechnungen schreiben, ständig das Konto auf Eingänge prüfen, irgendwie hatte ich das Gefühl, den ganzen Tag beschäftigt zu sein – und nie fertig zu werden.

Mit der Zeit kamen zwei Texter-Aufträge hinzu und das Einkommen ging zumindest mal grob in die Richtung der Summe, die ich als Angestellter verdient habe. Aber wie sollte ich das beispielsweise mit dem Sommerurlaub machen, der schon lange geplant war. Auf dem Konto sah es nicht gerade rosig aus. Und zwei Wochen „Ferien” bedeuten ja zwei Wochen gar keinen Verdienst? Oder Laptop mitnehmen und im Urlaub arbeiten?

So zogen die Monate schnell ins Land. Den Urlaub habe ich mir verkniffen, dafür einen fünften kleinen Auftrag: dieses Mal für eine Katalogproduktion als Texter – an Land gezogen.

Für einen Job als Freiberufler muss man geboren sein

Nach einem Jahr in der Selbstständigkeit komme ich nun zu einem recht gemischten Resümee. Zwar haben sich Aufträge und Honorareingänge nach ein paar Monaten irgendwie eingependelt. Allerdings sind Online-Honorare auch denn noch knapp bemessen, wenn man äußerst fleißig schreibt.

Und die „Print-Kunden” haben allesamt sehr seltsame Zahlungsvorstellungen. Viele Rechnungen musste ich anmahnen, oft wurde frech gekürzt. Als sich alles eingependelt hatte waren meine Einnahmen auf dem Niveau der letzten Anstellung, gefühlt hatte ich aber viel mehr Arbeit. Dazu kommt die ständige Sorge um den nächsten Auftrag.

Das Gefühl unterm Strich: eine rastlose, hektische Zeit, bei der die Arbeit nie richtig aufgehört hat. Kaum Erholung und immer die Angst im Nacken, einen Auftrag zu verlieren.

Ich habe inzwischen eine Schwangerschaftsvertretung in einem Fachzeitschriftenverlag übernommen. Befristet, weit unter Tarif für Redakteure bezahlt. Aber mit einer pünktlichen Zahlung am Monatsende, Urlaubsanspruch und geregelten Arbeitszeiten.

Ein tolles Gefühl nach einem Jahr rastloser Selbstständigkeit. Für mich ist das die eindeutig bessere Alternative. Wenn auch befristet. 

 

von Christian Bonk