Zu Gast beim Führungstraining - Teil 2: Führen durch Persönlichkeit

In unserer Reihe zur Führungskräfteentwicklung begleiten wir die Trainerinnen und Trainer von Führungsimpuls bei ihrer Arbeit. Im Rahmen einer modularen Trainingsreihe trainieren sie die mittlere Führungsebene eines großen europäischen Finanzdienstleisters. Die einzelnen Teile der Reihe befassen sich mit den verschiedenen Erfolgsfaktoren von Führung und bauen aufeinander auf. Im ersten Baustein betrachten die Teilnehmenden ihre Führungspersönlichkeit.

"Durch die erhöhten Veränderungsgeschwindigkeiten in beruflichen Kontexten gewinnt Sozialkompetenz für den Führungsalltag zunehmend an Bedeutung", erläutert Sabine Grüner, Trainerin bei Führungsimpuls GmbH & Co. KG. Der Schlüssel hierfür läge in der Kenntnis der eigenen Persönlichkeit und der Fähigkeit zum Ausdruck und Umgang mit Emotionen - die Grundlage, um wirksam führen zu können. Eine Führungskraft müsse für ihre Mitarbeiter vor allem berechenbar sein, so die Expertin für emotionale Intelligenz in Veränderungsprozessen: "Mitarbeiter schenken einer Führungskraft Vertrauen, mit deren Reaktionen sie rechnen können, was nicht heißt, dass diese immer angenehm sein müssen."

Emotionales Selbstmanagement fördert die eigenen Werte
Sabine Grüner ist geschäftsführende Gesellschafterin des Trainingsinstituts EQ Dynamics International in München und arbeitet seit Jahren mit Scherin Beuther von Führungsimpuls zusammen. Sie unterstützt die Teilnehmer der Trainingsreihe dabei, Authentizitätsstrategien für ihre Führungspersönlichkeit zu entwickeln. Die Führungskräfte müssen in sich gehen, bevor sie aus sich heraus gehen können, meint Grüner. Die Grundlage hierfür läge im emotionalen Selbstmanagement, also der emotionalen Intelligenz der Teilnehmenden. "Emotionale Intelligenz ist die Fähigkeit, eigene Emotionen und die Emotionen anderer bewusst wahrzunehmen, zu differenzieren und anzuerkennen sowie angemessen und vorausschauend mit ihnen umzugehen", definiert die Münchnerin.

Im Rahmen der Vorbereitung auf die Trainingsreihe erhielten alle Teilnehmenden ein 360 Grad-Feedback, mit dem sie sich nun auseinandersetzen: Das fördere Klarheit über die eigene Rolle und über die damit verbundene Verantwortung, die Entwicklung eines persönlichen Profils und die Auseinandersetzung mit den Erwartungen der eigenen Mitarbeiter, verdeutlicht Sabine Grüner. Was jeden Menschen letztlich antreibe, seien seine Werte - das, was ihm wirklich wichtig ist. "Das können wir an den Emotionen der Mitarbeiter ablesen, denn jede Emotion hängt unmittelbar mit Werten zusammen." Aus jeder Beeinträchtigung eines Wertes resultiere daher eine negative Emotion, so Grüner, Angst etwa entstehe bei Gefährdung des Wertes Sicherheit. Umgekehrt seien Mitarbeiter zufrieden, wenn ihre Werte akzeptiert oder erfüllt würden - so stelle sich beispielsweise Zufriedenheit durch das Erreichen von Zielen ein (die man sich entsprechend den eigenen Wertmaßstäben gesetzt hatte).

Kommunikation und Empathie bringen positive Veränderungen
Als Führungskraft verhalte man sich emotional intelligent, wenn man seine eigenen Emotionen steuern könne. Außerdem müsse man seinen Mitarbeitern zu verstehen geben können, dass man ihre Emotionen erkannt, verstanden und akzeptiert habe. Schließlich sei es wichtig, den Mitarbeitern zu verdeutlichen, dass man sie entsprechend ihrer persönlichen Werte unterstützen wolle. Sabine Grüner rät den Trainingsteilnehmenden, ihren Mitarbeitern Worte persönlicher Anerkennung entgegen zu bringen und empfundene Emotionen direkt anzusprechen und zu konkretisieren. "Hören Sie ihrem Gegenüber genau zu und nehmen sie auch seine Körpersprache wahr", empfiehlt die Trainerin. "Wann wirkt er zufrieden und entspannt, und wann eher ungeduldig und skeptisch?"

Im Rahmen der Trainingsreihe sei es für den Kunden optimal, an der Entwicklung der emotionalen Intelligenz seiner Führungskräfte anzusetzen, erklärt Sabine Grüner. Sie fingen bei sich selbst an und arbeiteten sich dann "von innen nach außen", das heißt aus der personalen Veränderung entwickle sich die organisationale Veränderung. Dementsprechend sieht Grüner ihre Rolle darin, Menschen und Organisationen einen nützlichen Rahmen zu schaffen, um sich selbst entsprechend ihrer Werte entwickeln zu können. Das Gesamtkonzept der Trainingsreihe unterstützt den Erfolg ihres Trainingsbausteins zusätzlich, denn die Inhalte werden in den folgenden Bausteinen gezielt aufgegriffen und von ihren Kollegen entsprechend ihrer Spezialgebiete in Kontext gesetzt und weiter entwickelt. "Wenn ich den Menschen nach einem Jahr zum Abschluss der Trainingsreihe wieder begegne, dann spüre ich einerseits mehr Klarheit und andererseits mehr Wertschätzung in der Kommunikation", freut sich Sabine Grüner. "Meist sagen sie mir direkt, wie wichtig der Zusammenhang zwischen Werten und Emotionen für ihre Rolle als Führungskraft geworden ist."
 
Von James E. Manham