Zeitarbeiter gut im Rennen

Als es mit der Wirtschaft bergab ging, wurden Zeitarbeiter als Erste gefeuert. Inzwischen zeigt sich ein anderes Bild. Wer hinreichend qualifiziert ist, hat gute Vermittlungschancen.

"Leiharbeiter sind die Ersten, die gehen", hieß es Anfang 2009. Um die Stammbelegschaft zu schützen, wurden geleaste Mitarbeiter massenweise vor die Tür gesetzt. Doch das Blatt scheint sich zu wenden, wie eine Studie des Marktforschers Lünendonk aus Bad Wörishofen zeigt. "Der Nachfragerückgang bei Zeitarbeit und Personaldienstleistungen zu Beginn des Jahres betrifft vor allem die einfachen Qualifikationen", so Hartmut Lüerßen, Autor der Studie. Betroffen sind danach Einsatzfelder in der Produktion, wo der überwiegende Teil der in Zeitarbeit Beschäftigten tätig ist.

Die Krise geht an qualifizierten Arbeitskräften vorbei
Auf drei Arbeitsfelder konzentriert sich die Vermittlung von Zeitarbeitern: außer in der Produktion auf kaufmännische Einsatzgebiete sowie auf Bereiche, wo höhere Qualifikationen erforderlich sind, wie etwa ein abgeschlossenes Ingenieur- oder BWL-Studium. Wer solche Kompetenzen vorweisen kann, ist der Lünendonk-Studie zufolge als Zeitarbeiter kaum von Arbeitslosigkeit betroffen. "Der strukturelle Fachkräftemangel wird durch die Wirtschaftskrise lediglich gedämpft", erläutert Lüerßen. In einigen Segmenten könnten offene Positionen nach wie vor nicht besetzt werden.

Diese Einschätzung teilen Marktteilnehmer wie der in Wiesbaden ansässige Personaldienstleister Hays, der sich auf die Vermittlung von höher qualifizierten Fach- und Führungskräften spezialisiert hat. "Ingenieure und IT-Experten", sagt Pressesprecher Frank Schabel, "haben als Zeitarbeiter sehr gute Vermittlungschancen." Hays habe laut Schabel von der konjunkturellen Krise "kaum etwas gespürt". Die Vermittlungsquoten im Juli hätten sogar Rekordniveau erreicht.

Jeder Zweite wird übernommen
Ähnlich gute Botschaften kommen vom Personaldienstleister Robert Half aus München, der sich auf die Vermittlung qualifizierter kaufmännischer Zeitarbeiter konzentriert. Vom jungen Sachbearbeiter, der nach der Ausbildung erste Berufserfahrung sammeln möchte, bis zum erfahrenen Finanzexperten mit akademischem Hintergrund reicht das Spektrum der bei Robert Half angestellten Fachkräfte. Oft wird gleich eine komplette "Crew" angefordert, etwa wenn ein internationales Unternehmen die Verwaltung einer deutschen Niederlassung aufbaut. "Da kann es schon vorkommen, dass in der Spitze 30 Zeitarbeiter dort eingesetzt werden", so Geschäftsführer Sven Hennige. Jedem Zweiten winkt nach Projektabschluss sogar ein Übernahmeangebot.

Zeitarbeit wird nach Überwindung der Flaute enormen Auftrieb bekommen, ist Lüerßen zuversichtlich. In Industrie und Handel, in der Gesundheitswirtschaft sowie in der Öffentlichen Verwaltung würden bereits im laufenden Jahr Umsatzzuwächse erzielt. Treibende Kraft sei die sich weiter fortsetzende Flexibilisierung von Arbeit. Daher erwarten die führenden Zeitarbeitsfirmen in Deutschland zwischen 2009 und 2014 ein durchschnittliches Wachstum von über 10 Prozent pro Jahr.
 
Von Winfried Gertz