Zeitarbeit - Fachkräfte Volldampf voraus

Zu Beginn der Krise wurden sie noch reihenweise nach Hause geschickt. Nun heuern Unternehmen wieder Zeitarbeiter an. Vor allem in der Gesundheitsbranche ist der Bedarf an Fachkräften gestiegen.

Die negativen Auswirkungen der Wirtschaftskrise schlugen für die Zeitarbeitsbranche nur kurzfristig zu Buche. Inzwischen läuft die Konjunktur der Leiharbeit wieder auf Hochtouren. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des Marktforschers Lünendonk aus Kaufbeuren. Die nach Umsatz führenden Firmen der Branche erwarten für das laufende Jahr ein Wachstum von gut 18 Prozent.

Nachfrage nach Akademikern wächst
Nachdem die Zeitarbeit in 2008 noch ein moderates Plus erwirtschaften konnte, brachen die Einnahmen im Folgejahr um rund 19 Prozent auf gut 12 Milliarden Euro ein. Deutlich mehr büßten die Branchengrößen ein, zumal Rahmenverträge mit Großkunden gekündigt oder auf Eis gelegt wurden. Zeitarbeiter, die davon betroffen waren, konnten nur zum Teil wieder auf neue Arbeitsplätze vermittelt werden. Vielen wurde gekündigt.

Strukturell hat sich die Branche trotz Krise neu aufgestellt. Die Zeiten, als Leiharbeit vor allem gewerbliche Gestalt hatte, sind vorbei. Seit Jahren nimmt der Anteil qualifizierter Zeitarbeit zu. Auch die Nachfrage nach Akademikern wächst weiter an. In der Krise hatten vor allem jene Kräfte gute Jobperspektiven, die eine abgeschlossene Berufsausbildung und Zusatzqualifikationen vorweisen konnten. Besonders gesucht bleiben Facharbeiter und Techniker, während die Nachfrage nach medizinischen und kaufmännischen Fachkräften den stärksten Zuwachs verbucht.

Die Branchen Gesundheit und IT boomen
Zwar beansprucht der Gesundheitssektor mit etwa drei Prozent nur einen kleinen Anteil am Zeitarbeitsmarkt, gilt aber aufgrund des demografischen Wandels und der Fortschritte in der medizinischen Forschung als wichtiges Wachstumsfeld. Ein weiteres florierendes Segment der Zeitarbeitsbranche ist die Informationstechnologie (IT), die für junge Fachkräfte immer mehr zum Sprungbrett in den Arbeitsmarkt zu werden scheint. Unternehmen decken über die Zeitarbeit Auftragsspitzen ab und unterbreiten temporär Beschäftigten nicht selten sogar ein Übernahmeangebot in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis.

Einer vom Branchenprimus DIS erstellten Statistik zufolge würden vor allem mittelständische Firmen IT-Kräfte als Zeitarbeiter anheuern. Softwareentwickler, Datenbankexperten und SAP-Spezialisten sind dabei besonders gefragt. Die Zeitarbeitsfirmen profitieren von immer mehr Menschen, die sich auch als IT-Experten nicht unbedingt an ein Unternehmen binden und zunächst in den ersten Berufsjahren nach dem Studium wichtige Erfahrungen sammeln wollen.
 
Von Max Leonberg