Wunsch nach Entspannung

Mit dem Rauchen aufhören oder sich mehr Zeit nehmen für die Kinder. Stets nimmt man sich zum Jahreswechsel einiges vor, was jedoch nur die wenigsten tatsächlich auf die Reihe kriegen. Für 2009 wünschen sich die Deutschen weniger Stress, wie eine Krankenkasse ermittelte. Mal sehen, ob das gelingt.

Gut 60 Prozent der rund 3.000 Befragten wollen dem Stress entschlossen zu Leibe rücken, wie das Marktforschungsinstitut Forsa im Auftrag der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) im November in einer Umfrage herausfand. Damit rangiert das Ziel knapp vor den üblichen Verdächtigen: mehr Zeit für die Familie und mehr Sport treiben. Interessant: Männer und Frauen wollen zu gleichen Teilen dem Stress Ade sagen. Umgekehrt sind Männer in der Überzahl, wenn es um die Familie oder den Sport geht. Dafür reklamieren Frauen mehr Zeit für sich. Gesünder ernähren wollen sich hingegen vor allem Männer.

Die Prioritäten sind unterschiedlich
Zu wilden Spekulationen veranlassen die nach Bundesländern aufgeschlüsselten Ergebnisse. Während sich die meisten Menschen in Sachsen-Anhalt um eine gesunde Ernährung sorgen, lassen die Landsleute von Ex-SPD-Chef Kurt Beck und Ex-Kanzler Helmut Kohl in Rheinland-Pfalz die Kirche im Dorf. Dort geht es eben gemütlich zu; man isst deftig und schaltet bei einem guten Tropfen einen Gang herunter.

Weniger fernsehen will immerhin jeder vierte Bayer, in Thüringen hingegen kaum jemand. An der schönen Landschaft wird es kaum liegen, irgendwann hat man sich an Bergen und Seen sattgesehen. Zu vermuten ist eher, dass die Menschen im Freistaat nach dem CSU-Debakel bei der letzten Landtagswahl von der meist über die Glotze transportierten Politik nichts mehr sehen und hören wollen.

Deutsche wollen auf die Bremse treten
Sparsamer sein, wer hätte es anders gedacht, wollen überwiegend Hauptschul- und Realschulabgänger. Wer Abitur hat oder noch weiter gekommen ist, hat einfach mehr in der Tasche. Abnehmen wollen mehr Menschen mit einfacher Bildung, weniger fernsehen ist als Wunsch für 2009 dafür bei allen unabhängig vom Bildungsgrad gleich.

Am wichtigsten indes ist den Befragten der Stressabbau. Der Trend, das eigene Leben zu entschleunigen, wird auch in diesem Jahr wieder sehr deutlich, fasst DAK-Psychologe Frank Meiners die Ergebnisse zusammen. Bereits unsere Umfrage des vergangenen Jahres zeigte, dass Deutschland allem Anschein nach ziemlich im Stress ist. Daran hat sich offensichtlich nichts geändert. Deutlich gestiegen ist die Besinnung auf Freunde und Familie: "Gerade sie können helfen, einen Ausgleich zum Alltagsstress zu erlangen. Downshifting ist hier das Schlagwort."
 
Von Winfried Gertz