Woher kommt's?

Der große und der kleine Knigge, der neue Knigge, der Businessknigge und der Knigge für den Mann bzw. für die Frau, der kleine Knigge für den großen Hund und der Knigge für's Bett, na schon eher für das, was darin gemacht wird. Unsere Erfolgs- und Karrierechancen steigen mit gepflegten Manieren, oder ist es das gute Benehmen oder doch mehr mit den modernen Umgangsformen?

Also stellt sich doch die Frage: Woher kommt's? Das Thema Etikette ist nicht wirklich neu, hier einige Beispiele nur aus dem letzten Jahrhundert.
Für die Soldaten des Ersten Weltkrieges wurde das Werk mit dem Titel "Kleiner Knigge für heimkehrende Sieger" geschrieben. Den Mädchen Zuhause wurde 1908 das "Anstandsbüchlein für junge Mädchen von Tante Lisbeth" angeraten.
Auch im Zweiten Weltkrieg war noch Zeit ein Benimmregelwerk zu schreiben. Der Titel lässt mich schaudern: "Willst Du erfahren, was sich ziemt? Ein lustiges und lehrreiches Handbuch für die Jugend im Dritten Reich." Ursprung aller Regeln ist seit Menschheitsgedenken das Bedürfnis der gekrönten Häupter und des Adels sich von dem gemeinen Volk abzuheben.

Im Umgang mit dieser Crème de la Crème der Gesellschaft wurde allen Beteiligten einiges abverlangt.
Als Beispiel nehme ich das Protokoll des Hofes von dem Sonnenkönig Ludwig XIV. Im 17. Jahrhundert musste sich alles mit Rang und Namen auf dem Hof in Versailles aufhalten. So hatte der König immer die Kontrolle über seine blaublütigen Schäfchen. Hunderte dieser Damen und Herren buhlten um die Gunst des Königs und in der restlichen Zeit langweilten sie sich fast zu Tode.

Also wurde alles zu einer Zeremonie hochstilisiert. Sogar der Stuhlgang des Königs. Damit sich dieser seine Günstlinge besser merken konnte, trug jeder von ihnen einen Zettel mit Namen an der Kleidung. Dieser Zettel heißt im französischen Etikette. Daher stammt die heutige Bezeichnung für gepflegtes Benehmen.

Für das weihnachtliche Festessen habe ich für Sie die Tischregeln aus dem 11. Jahrhundert zusammengestellt. Wie ich finde, sind diese einfach wunderbar:

  • Fange nicht an zu essen, bevor die Anderen anfangen.
  • Stopfe nicht ein zu großes Stück in den Mund.
  • Trink oder sprich nicht mit vollem Mund.
  • Kratze Dich nicht am Leib oder Kopf.
  • Pass auf, dass keine sechsfüßigen Tierchen an Dir herumkrabbeln.
  • Wisch Dir den Mund ab, wenn Du den Becher nimmst.
  • Wenn Du niesen oder husten musst, lass allem freien Lauf, aber wende Dich ab.
  • Auch wenn Dir ein Stück Deines Tischnachbarn besonders gefällt, nimm es nicht weg.


Von Adriane Böhm