Wo steckt Daniel Düsentrieb?

Dringend benötigte Fachkräfte sind nirgendwo aufzutreiben. Weil die herkömmliche Personalsuche über Stellenanzeigen nicht funktioniert, gehen Unternehmen und Branchenvertreter neue Wege. Handlungsbedarf gibt es vor allem beim Ingenieurnachwuchs.

Den mittelständischen Firmen im Speckgürtel rund um München geht es blendend, ihre Auftragsbücher sind voll. Wenn es nur nicht diesen Fachkräftemangel gäbe. Ein Problem, das sich für Hubert Schöffmann von der IHK München und Oberbayern noch weiter zuspitzen wird. "Rund 3,5 Millionen Fachkräfte werden bis 2015 in Deutschland fehlen." Die Wirtschaft stehe vor einem radikalen Kurswechsel: "Wer später nicht ohne qualifizierte Fachkräfte dasitzen möchte, muss heute schon in die Berufsausbildung investieren", mahnt der Ausbildungsleiter der Kammer.

Seit Jahren sind die IHK-Berater unterwegs, um Meister und Unternehmer für eine Ausbildungsinitiative zu gewinnen. Auf der regionalen Ausbildungsmesse "JobFit" können sich Firmen gegenüber Azubis präsentieren und Schülern nebst ihren Eltern zeigen, wie spannend es im Betriebsalltag zugeht. Auch beim Arbeitgeberverband Gesamtmetall läuft die Nachwuchswerbung auf vollen Touren, seit Jahren rollen mehrere 17 Meter lange Trucks durchs Land. Ihr Ziel sind ausgewählte Schulen, wo potenzielle Azubis erfahren können, dass Metall- und Elektroberufe nicht uncool sind. "Wir erreichen jeden fünften Schüler", kalkuliert PR-Chef Wolfgang Gollub. "Pro Jahr registrieren wir 200.000 an Bord der Infomobile."

Wofür sich Teenies letztlich bei ihrer Berufswahl entscheiden, bleibt indes offen. Aber damit geben sich der Verband Deutscher Ingenieure (VDI) und der Verband der Deutschen IT- und Telekommunikationsindustrie, Bitkom, nicht zufrieden. Unternehmen, lautet ihr Credo, können allein dann erfolgreich Nachwuchs rekrutieren, wenn die künftigen Informatiker und Ingenieure in einem technikfreundlicheren Klima aufwachsen. Dummerweise müssen bei der Verkürzung der Schulzeit auf zwölf Jahre ausgerechnet die Naturwissenschaften Federn lassen.

Die politische Arbeit der beiden Verbände wird von zahlreichen imagebildenden Aktionen flankiert. Gemeinsam mit der IG Metall etwa rief Bitkom mehrere IT-Kompetenzzentren ins Leben (www.kibnet.org), um über IT-Berufe zu informieren und mittelständische Betriebe als Ausbilder zu gewinnen. Mehr Spaß an Technik will auch der VDI vermitteln. Diesem Ziel widmet sich die 2006 gestartete und bis 2015 projektierte Kampagne "Sachen machen" (www.sachen-machen.org). Ihre Ziele: Nachwuchs begeistern, Innovationen fördern und das Image des Technologiestandorts Deutschlands verbessern.

Bereits im ersten Jahr der Kampagne wurden rund 300 Aktionen gestartet. Mit von der Partie ist der Messgerätehersteller Endress + Hauser aus Weil am Rhein. Die Badener, direkte Konkurrenten des Elektronikkonzerns Siemens, der Ingenieure wie ein Staubsauger vom Personalmarkt abzieht, haben sich deshalb die Nachwuchswerbung auf die Fahnen geschrieben. Mitarbeiter besuchen im Einzugsgebiet Schulen, messen mit Achtklässlern den Säuregehalt von Regenwasser und stellen ihre Ergebnisse ins Netz. Schüler sind begeistert, einigen winken Praktika, andere finden erstmals Gefallen an Technik. Ob sich darunter ein Daniel Düsentrieb verbirgt, wird sich noch zeigen.
 
Von Josef Bierbrodt