Wirtschaftskrise - Arbeitnehmer müssen mit weniger Gehaltserhöhung rechnen

Die Wirtschaftskrise schlägt 2009 voll auf die Vergütungsbudgets der Unternehmen durch. Laut einer aktuellen Studie von Towers Perrin werden ursprünglich vorgesehene Gehaltserhöhungen und Bonusgratifikationen radikal gekürzt.

Personalmanager haben 2009 alle Hände voll zu tun. Konnten sie die Belegschaften in den letzten Jahren zahlenmäßig aufstocken, wird nun an der Kostenschraube gedreht. Auf den Kopf gestellt wird nicht nur das Recruiting. Statt weiter Personal anzuheuern, wird nun der Einstellungsstopp verhängt. Auch die Vergütungspraxis kommt aufs Tapet. Ehe man sich zum Personalabbau entscheidet, was im übrigen in europäischen Ländern viel später geschieht als in den USA, werden die ursprünglich geplanten Personalkosten radikal zusammengestrichen.

Alle Branchen von Senkung betroffen
Während sich viele Industrieunternehmen noch abwartend verhalten, unterziehen vor allem Banken ihre bisherige Vergütungspraxis einer strengen Revision. Laut der Frankfurter Managementberatung Towers Perrin gerät das Performance-Management auf den Prüfstand. Künftig sollen Leistungs- und Erfolgsbeurteilungen deutlicher als zuvor in die individuelle Vergütung von Mitarbeitern einfließen. Insbesondere Angestellte im außertariflichen Bereich werden laut Martin Hofferberth, Vergütungsexperte bei Towers Perrin, davon betroffen sein. Pauschale Erhöhungen für alle Mitarbeiter werden wir immer seltener im Markt sehen.

Am deutlichsten nehmen Unternehmen der Automobilindustrie Abstand von ihren ursprünglich geplanten Gehaltssteigerungen. Während Autobauer und Zulieferer ihre Budgets von 4,0 auf 1,6 Prozent reduzieren, nehmen IT- und Telekommunikationsfirmen die geringsten Einschnitte vor. Ihr Budget reduziert sich lediglich um 0,2 auf 3,0 Prozent. Auch bei den Bonuszahlungen wird nun der Rotstift angesetzt. Banken und Konsumgüterhersteller wollen am meisten einsparen, 40 Prozent der Automobilzulieferer und gut 30 Prozent der IT-Firmen wollen hier ihre Kosten senken.

Weniger Geld, aber sicherer Job
Gute Nachrichten für Arbeitnehmer kommen hingegen vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Anders als Zeitarbeiter, die gegenwärtig in großer Zahl ihre Arbeit verlieren, und zeitlich befristet eingestellte Personen, die ebenfalls vorzeitig von Bord gehen müssen, sind fest angestellte Mitarbeiter relativ sicher vor Entlassungen. Lediglich jedes sechste Unternehmen, das vom BDI befragt wurde, baut feste Stellen ab. Knapp 40 Prozent sind sogar weiter auf der Suche nach dringend benötigten Fach- und Führungskräften. Dass der "War for Talent" wegen der aktuellen Wirtschaftskrise keinesfalls vorbei ist, darauf weist auch Towers Perrin hin. Unternehmen, die sich durch die Krise nicht von ihren strategischen Zielen abhalten ließen, hätten die Nase vorn, sobald die Konjunktur wieder auflebe.
 
Von Winfried Gertz