Wie viel Spaß verträgt die Arbeit?

Laut einer gerade veröffentlichten Umfrage erleichtert Humor unter Kollegen den Umgang mit täglichem Stress und Spannungen am Arbeitsplatz. In der Studie des J.O.K. Institute for working conditions in Atlanta wünschen sich 83% der befragten Arbeitnehmer mehr „heitere seelische Gelassenheit“ im Büro, wie Humor wörtlich aus dem Lateinischen übersetzt bedeutet. Und mehr als 60% meinen mit einem besonderen Talent für Witz gesegnet zu sein.

Laut einer gerade veröffentlichten Umfrage erleichtert Humor unter Kollegen den Umgang mit täglichem Stress und Spannungen am Arbeitsplatz. In der Studie des J.O.K. Institute for working conditions in Atlanta wünschen sich 83% der befragten Arbeitnehmer mehr „heitere seelische Gelassenheit“ im Büro, wie Humor wörtlich aus dem Lateinischen übersetzt bedeutet. Und mehr als 60% meinen mit einem besonderen Talent für Witz gesegnet zu sein.

Natürlich sind diese Zahlen genauso frei erfunden wie das überseeische Institut, belegen aber die unleugbare Tatsache, dass uns im Job humorvolle Menschen, genauso wie gut aussehende, eher sympathisch sind als hässliche Muffelköpfe. Und heutzutage muss ein gesunder Humor nicht unbedingt mit Konfliktunfähigkeit und Harmoniesucht einhergehen, denn fachlich kompetente, faire und zugleich schlagfertige Mitarbeiter können schon im Vorstellungsgespräch den entscheidenden Punkt machen. Leider wird in deutschen Büros Humor oft mit seinen verdorbenen Stiefgeschwistern verwechselt: mit abfälligem Zynismus, überstrapazierter Ironie und versteckter Schadenfreude. Oder brav zitierte Bruchstücke unsäglicher Fernseh-Comedy ersetzen die wirkliche Komik, die uns im Alltag einfach ungewollt „passiert“ und deshalb von den Unterhaltungsprofis nur unter größten Mühen reproduzierbar wird.


Welche Humor-Typen finden sich denn nun so in den Büroetagen der Republik? In der hintersten Ecke des Großraumbüros hockt der unfreiwillig Komische: Er trägt beim Rapport vor dem Abteilungsleiter versehentlich noch die Fahrradklammern an der Hose, schüttet den Kollegen seinen Kaffee in die Tastatur und tritt zielgenau in jedes sich bietende Fettnäpfchen.

Der fleißige Witzlieferant googelt den ganzen Tag nach Kuriositäten im Netz und belästigt die Kollegen stündlich mit neuen Bildchen oder Pannenvideos. Sein Ansehen auf der kreativen Humorskala speist sich nicht aus dem Niveau seiner Rundmails, sondern aus der Frage, wo man nur solche Dinge im Internet finden kann. Vor Anbruch des digitalen Zeitalters bestanden seine Ausgrabungen in fotokopierten Cartoons oder Gratispostkarten, die an der Tür der Teeküche nicht zu übersehen waren. Glücklicherweise hängen diese Zettel, wie „Wir sind bei der Arbeit, nicht auf der Flucht“, heute nur noch in Einwohnermeldeämtern oder Klempnereibetrieben.

Der Insider ist die humorige Datenbank der Firma. Er sammelt über viele Jahre Stilblüten und Anekdoten von Kollegen und zitiert diese ungefragt zu lockeren Anlässen, wie der unvermeidlichen Weihnachtsfeier. Zur Meisterschaft bringt es der Insider, wenn er bestehende Zitate auf aktuelle Ereignisse anwendet. Ein Kommentar wie „Der Chef ist mal wieder unpässlich“ auf das Ausbleiben des Vorgesetzten in der Sitzung gewinnt natürlich extrem an Originalität, wenn die gesamte Belegschaft weiß, dass der Chef vor wenigen Wochen eine wichtige Flugreise wegen eines abgelaufenen Reisepasses nicht antreten durfte.

Der ständig Lachbereite amüsiert sich, über mehrere Etagen lautstark hörbar, über alles, was deutlich als Witz angekündigt wurde – aber nur, wenn dieser von der richtigen Person gemacht wurde. Scheinbar geniale Bonmots von Praktikanten, Hausboten oder anderen Untergebenen werden mit eiskaltem Schweigen kommentiert. Schlecht einstudierte Pointen des Chefs dagegen werden noch Tage später vom Lachbereiten in der Kantine mit kehliger Stimme bejubelt...
Diese Auflistung erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, beim Blick durch die Abteilung darf der Leser handschriftlich Ergänzungen über das „komische“ Verhalten der Kollegen machen. Und wer sich hier überhaupt nicht wieder gefunden hat, ist vielleicht schon auf dem Chefposten angelangt und amüsiert sich über dämliche Mitarbeiter beim Golfen.


Von Manuel Boecker