Wie man für sich den richtigen Beruf findet - Teil 2

Kinder wissen, was sie werden wollen! Wer seinem kindlichen Berufswunsch und den zugrunde liegenden Neigungen folgt, der wird auch als Erwachsener im Beruf erfolgreich sein. Das behauptet die Karriereexpertin Cornelia Riechers, Inhaberin der Agentur Quality Outplacement und Verfasserin des paradoxen Bewerbungsratgebers "So bleiben Sie erfolgreich arbeitslos", und belegt diese These an praktischen Beispielen.

Machen Sie einmal den Test und fragen Sie kleine Kinder, was sie werden wollen - selbst die Kleinsten werden Ihnen antworten, und die meisten wie aus der Pistole geschossen. Der fünfjährige Torben sagt mit Inbrunst: "Ritter! Eine Rüstung habe ich schon!" Eine Abiturientin erinnert sich, dass sie früher davon träumte, Astronautin und Zirkusballerina zu sein. Natürlich lassen sich solche Berufswünsche nicht 1:1 in die Realität umsetzen. Auch werden nicht alle Mädchen, die einmal Tierärztin werden wollten, diesen Beruf tatsächlich ergreifen, sonst hätten wir bald eine enorme Tierarztschwemme. Wenn Sie an Ihren Kinderberuf denken, dann fragen Sie sich, welcher Aspekt der angestrebten Tätigkeit die Freude, Lust und Leidenschaft auslöste, die Sie damals dabei empfanden. Wer als Kind zum Beispiel Polizist werden wollte, der möchte gerne aufpassen, bewachen und beschützen. Oder ihn erregt das Ermitteln, Verfolgen und Aufklären. Oder er liebt große Muskelarbeit, Schnelligkeit und Bewegung bei der Jagd auf Kriminelle. Der kindliche Berufswunsch "Anwalt" lässt vielleicht darauf schließen, dass demjenigen die Gerechtigkeit besonders am Herzen liegt. Es geht nicht immer um ein konkretes Berufsbild, sondern in erster Linie darum, dass die Tätigkeit uns Freude macht. Wenn man das versteht, dann lässt sich aus dem Kinderwunsch auch ein alltagstauglicher Beruf mit den richtigen Charakteristika ableiten.

Kindliche Träume
Aber wo ist sie geblieben, die kindliche Freude und Lust, die wir verspürten, wenn wir uns als Astronautin durchs Weltall oder als Zirkusballerina übers Drahtseil schweben sahen? Niemand interessiert sich heute mehr dafür, unsere Eltern und Geschwister können sich oftmals nicht einmal mehr an unsere frühen Berufswünsche erinnern. Andere Aspekte sind in den Vordergrund getreten, allen voran die Sicherheit. Dabei ist es vollkommen irrig anzunehmen, irgendein Beruf sei sicherer als ein anderer. Den sicheren Arbeitsplatz gibt es nicht, in der Zukunft noch weniger als in der Vergangenheit! Zigtausende Menschen in sicher geglaubten Anstellungen mussten das bereits während der letzten Jahrzehnte am eigenen Leib erfahren, quer durch alle Branchen und Aufgabenfelder. Wer einen Beruf wählt, weil er ihn für "sicher" hält, ohne mit dem Herzen dabei zu sein, dessen Name wird in der Regel ganz zuoberst auf der Liste mit den Entlassungskandidaten erscheinen. Auch das Argument "Da besteht momentan so ein großer Bedarf" hat schon zu mancher großen Enttäuschung geführt. Bis Sie nämlich mit Ihrer Ausbildung fertig sind, ist der Bedarf längst gedeckt, und all die Überzähligen, die so wie Sie auf schlechte Berater gehört haben, stehen auf der Straße.

Argumentationsketten der Eltern
Die Argumente von Vater und Mutter sind ebenfalls mit Vorsicht zu genießen. Die Eltern der hochbegabten Nina, mit einem IQ von 129, verboten ihrer Tochter zu studieren - vielleicht weil sie selbst nicht die Chance hatten zu studieren? Sie drohten Nina damit, den Geldhahn komplett abzudrehen. Nina wird jedoch im Job kaum glücklich werden, wenn sie nur begrenzt Verantwortung übernehmen darf und sich Vorgesetzten unterordnen muss, die ihr intellektuell nicht das Wasser reichen können. Alexanders Mutter hat eine logopädische Praxis, und ihr Sohn soll doch lieber die sechsmonatige Logopäden-Ausbildung machen und ihr in der Praxis helfen, anstatt wie gewünscht Zahnmedizin zu studieren. Diese Lösung scheint zwar sehr vernünftig, zaubert aber kein Leuchten in Alexanders Augen, so wie der Zahnarztberuf es tut. Der Weg zum Traumberuf ist oft nicht leicht und mit Hindernissen gepflastert. Sie müssen Widerstände überwinden, manchmal sogar bei den eigenen Eltern. Bleiben Sie dennoch bei Ihren Wünschen und Neigungen! Wählen Sie diejenige Tätigkeit als Beruf, die Ihnen am meisten Spaß macht und die Sie alles um sich herum vergessen lässt! Dann erwachsen Ihnen langfristig Glück und Zufriedenheit aus Ihrer Arbeit, Sie bleiben bis ins hohe Alter gesund, und das ist letztendlich Ihre beste Versicherung! Gute Eltern werden das über kurz oder lang auch verstehen und Ihnen helfen. Nach zweieinhalb Jahren und erfolgreichem Abschluss ihrer Bankausbildung unterstützten Ninas Eltern dann doch ihr Mathematikstudium. Und Alexanders Vater macht demnächst mit ihm einen Rundgang durch die Universität.

Die Entscheidung für Ihren zukünftigen Beruf kann Ihnen niemand abnehmen. Ihr eigenes Bauchgefühl und Ihre innere Stimme sind bessere Ratgeber als jeder Außenstehende. Wenn Sie dann noch viele konkrete Informationen sammeln, um die nächsten Schritte zu planen, dann steuern Sie schon auf Erfolgskurs.
 
Von Cornelia Riechers