Wie man für sich den richtigen Beruf findet - Teil 1

Was tun, wenn man nicht weiß, welchen Beruf man ergreifen soll? Die Karriereexpertin und Buchautorin Cornelia Riechers glaubt, dass es für jeden einen "richtigen" Beruf gibt. Hier erklärt die Inhaberin der Agentur Quality Outplacement und Verfasserin des paradoxen Bewerbungsratgebers "So bleiben Sie erfolgreich arbeitslos", wie man den richtigen Beruf findet.

Die Berufswahl stellt viele junge Menschen vor ein großes Problem. Welche Berufe gibt es überhaupt, wie muss man sich deren praktische Ausübung vorstellen, nach welchen Kriterien soll man denn auswählen? Beneidet werden diejenigen, die schon seit frühester Kindheit wissen, was sie werden wollen. Janina wird Medizin studieren, denn sie wollte schon als kleines Mädchen Ärztin werden. Zu ihrem fünften Geburtstag wünschte sie sich einen Arztkoffer und operierte damit ihre Puppen. Marc interessierte sich schon immer für den Ingenieurberuf und studiert jetzt Elektrotechnik. Die beiden haben es gut!

Die Qual der Wahl
Die anderen sehen sich mit unendlich vielen Möglichkeiten konfrontiert. Verwirrt und ratlos suchen sie nach einem Kompass, der ihnen die Richtung weisen könnte. Eltern und Lehrer sind in dieser Situation nicht unbedingt die besten Ratgeber. Lehrer wissen oft zu wenig über Berufe in der freien Wirtschaft. Eltern wollen zwar im Allgemeinen das Beste für ihr Kind, können sich jedoch in ihrer Vorstellung nur schwer von ihren eigenen Wünschen lösen. Auch von den Berufsberatern bei der Arbeitsagentur kommt selten der zündende Funke. Von vier Gymnasiasten der Klasse 12 fanden drei die Beratung gar nicht hilfreich, die vierte immerhin "ein bisschen". In den Berufsinformationszentren der Arbeitsagentur wird derzeit überdurchschnittlich vielen Bewerbern der Beruf des Altenpflegers empfohlen. Ob das wohl Zufall ist? Oder besteht da vielleicht ein Zusammenhang mit der prognostizierten Überalterung unserer Gesellschaft?

Tests im Internet versprechen Hilfe
Das Ergebnis erschöpft sich allerdings oft in pauschalen Aussagen zur Persönlichkeit des Kandidaten, Vorschläge für konkrete Berufe erwartet man vergebens. Andere empfehlen realitätsferne, exotische Berufe, die den Schulabgängern nichts als ein Kopfschütteln entlocken.

Nehmen wir uns Marc und Janina zum Vorbild und versuchen ebenfalls einmal, uns an unseren Kinderberuf zurückzuerinnern. Denn als Kinder wussten wir ALLE ganz genau, was wir werden wollten. Dass diese Wahl stets goldrichtig ist, belegen die Biografien erfolgreicher Menschen. Als Kate Winslet 2009 den Oscar als beste Schauspielerin erhielt, gestand sie, dass sie dessen Entgegennahme schon mit 8 Jahren im elterlichen Badezimmer einstudiert hatte; die Shampooflasche musste als Trophäe herhalten. Fritz Henkel, Gründer des gleichnamigen Chemiekonzerns, erinnert sich: "Schon als Knabe bekundete ich für chemische Vorgänge lebhafte Neigung; es stand schon damals für mich fest, dass ich mich diesem Berufe zuwenden würde." Die berühmte Virtuosin Anne-Sophie Mutter wurde bereits mit fünf Jahren vom Schulbesuch befreit, damit sie sich ganz ihrer Geigenausbildung widmen konnte. Aber auch der Besitzer meiner Lieblings-Pizzeria hatte schon mit sechs Jahren den Wunsch, Koch zu werden, und versuchte immer seinem Großvater, der einen General bekochte, dabei zu helfen.

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Von Cornelia Riechers